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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-08-21 · 34 (21.8.1896) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
34 (21.8.1896)
Date
1896-08-21
Page
Seite 568 (sequence 4)
Language
German
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Seite 568. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. vir. 34. Die Gattin plagt sich spät und frühe, Und trotz der größten Mühe Bei ihren strengen Sorgen für das Haus Führt sie noch fremde Dienste ans. Die, ob sie ihnen auch nicht Leckerbissen gönnen, Doch den Gebrauch des Tags ergänzen können. So führen sie mit dürrem Streben Wohl achtzehn Jahre lang ein kläglich Leben — Wenn ich es darf ein „Leben" nennen — Voll Müh' und Last, jedoch zufrieden. Weil sie nicht mehr erreichen können. Mit dem, was ihnen Gott beschieden. Doch da gesellt sich zu der Last Und Bürde, die sie keuchend tragen. Auch noch ein böser, ungebeiner Gast, Der, um an ihrem Mark zu nagen. Das höchste Gut, das sie erfreut Und wenigstens noch Hoffnung beut, Mit grimmer, räuberischer Wut ersaßt. O, eine böse Krankheit wirbt Um des geliebten Vaters Blut; Er hat zu ernstem Kampf nicht Geld noch Mut, Er wankt und legt sich hin und — stirbt. Und nun beginnt der Wohlthat Segen Für Witwen und für Waisen sich zu regen. Nachdem der Vater in das Grab gesunken, Erglimmt in mancher Brust des Mitleids Funken. Doch solch' zerstreutes Streben kann doch sein Ein Tropfen nur auf einem heißen Stein. Was'soll hier Wohlthat? Zwanzig Jahre Hat unser Lehrer am Altäre Und in der Schule mit Erfolg und Segen Aus dornumwachsenen Lebenswegen In der Gemeinde seinen Dienst verrichtet. Ihr Männer der Gemeinde, gebet Acht, Daß nicht ein künftges, edleres Jahrhundert Sich über euch verächtlich wundert. Und euch und eurer Sinne Nacht Gebührend brandmarkt einst und richtet. Weil euer Geist es nicht erkennen wollte, Der Geist, den Egoismus unterjocht, Daß euch zu dem, was Wohlthat nicht vermocht. Die Pflicht mit scharfem Sporne treiben sollte. Jawohl, die Pflicht! O, seht euch einmal um Bei andern Völkern, wie es steht. Ob nicht durch ihres Herzens Heiligtum Ein Hauch der besseren Erkenntnis weht! Kaum könnt ihr einen Staat bereisen. Wo sie nicht durchgedrungen schon. Wo man den Witwen und den Waisen, Als ob es sich von selbst verstände, Als eine pflichtgemäße Spende, Gerechten Sinnes, noch nicht zahlt Pension. Ermannt euch, Männer, und verschließt Nicht euer Ohr dem eh'rnen Ruf der Zeit! Und sorgt, daß eurem Herzen bald entsprießt Die holde Blume der Gerechtigkeit! Ein Meer von Duft wird lieblich ihr entsteigen, Das euch ein schöner Dank umzieht; Und wenn auch gar Jahrtausende sich neigen, Wird man euch preisen noch im Lied. Weh über euch, wenn ihr euch sperrt und weigert! Des Zornes edle Gluten, noch gesteigert. Gestalten sich zu giftig scharfem Lied, Das hohnvoll alle Welt durchzieht, Das machtvoll der Satire spitzen Stein Wird schleudern gegen eure stumpfe Stirn, So lange, bis zu herrlich hohem Sein Aus eurem trägen, trotzigen Gehirn Einst der erlösende Gedanke springt. Der euren Lehrern, die in Not, Und ihren Witwen auch nach ihrem Tod Die Wohlthat als Gesetz entgegenbringt.- Vereinigt alle euch zu einem großen Bund! Und laut und lauter fordre euer Mund Ein Pensionsgesetz als einen Zoll Der Dankbarkeit, der sich ergießen soll In alle Fluren, wo Israeliten lehren. Um als ein Lohn für ihr so nützlich Streben Ihr allzu freudenloses Leben Um ein'ge Freudenlose zu vermehren! Die Forderung ist billig und gerecht. Erheben darf sie selbst der jüngste Knecht. Wenn Mut und Einigkeit und Energie Beharrlich immerfort erheben sie, So müssen selbst die höchsten Schranken weichen. Die sich entgegentürmen jedem Neuen; Ein ernstes Streben muß das Ziel erreichen. Und Welt und Nachwelt wird es einst erfreuen. Auf wildem, sturmgepeitschten Meer Treibt euer Schiff noch hin und her; Es winkt kein Hasen, keine Rast Dem schwanken, sturmesmüden Mast. — Dem Einen nicht behagt, wer wohlgefällt dem Andern, Ein leicht Geschwätz wird bald zur ernsten That. Kaum habt ihr euch gesetzt, so müßt ihr wieder wandern; Beschlossen hats der hohe, weise Rat, Daß dies und jenes ihr gefehlt in Amt und Leben Und daß man euch darum den Laufpaß müsse geben. So hin und her von Ort zu Ort getrieben Zugvögeln gleich, euch keine Ruhe winkt, Kein Stern in eure Nacht herniederblinkt. Der sie zu schönem Tage wendet, Bis ein Gesetz, das heut noch ungeschrieben, Euch seinen Schutz, den ihr bedürfet, spendet.

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