Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- Seite 567 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 567 au« Hilf» Nr. 34 ir Folgerung ^^erecht und ft mobecf' 8??! » -«-» . W Iw Stätten SrtoaL «*»,*» ’Wen oon ©eteniuä, g„* M « benfelbfn Seit», a, 7/b° feine - * ba§ Hebräische nur durch r«s p»i„,«,,h, „ [(L_ °^chaus naturgemäß finden - Bder geistvolle und schch icht, das Hebräische sei ivesemnd nicht durch das Arabisch, impft in unseren Tagen für die rüsse für die Erklärung des ls Assyrische zu Rate ziehen, den Verdacht gegen jene Geen solche Meinungen, weil sie!N. ige Führer der konservativen isequent und zugleich wifieneten ist. Außerdem war er > durchaus originell. Letzter zewürdigt zu werden. F» eschafft haben. That er dieses, ein KaormorKillZ-Orthodoxer iffen und Mut. Denn be- * in unserer Liturgie trotz »otogen eingebürgert. Von die Gaonäer R. Nachschvv ,, die sich als Gegner jener tung gezeigt, und am ent- >ai II., der dieses liturgische ch vergeblich, unterdrücken .?. R. Hirsch wegen dieser es nun scheint, ihm M u Landesrabbineramt z» Zememde ,e»-tt, dn «» Mm ist M ”®° meinde ausmachen, sondern der Ton, welcher in der Gemeindeverwaltung vorherrschend ist. Auch die Berliner Hauptgemeinde besitzt ja alle religiösen Institutionen einer orthodoxen Gemeinde und doch befriedigen diese keinen wirklich Orthodoxen, weil es bekannt ist, wie wenig ernst es der Gemeindeverwaltung mit jenen Einrichtungen ist. Ueberhaupt sehe ich gar nicht ein, daß die Schaffung von Separatgemeinden schädlich wäre, daß sie somit Hirsch zum Vorwurf gereiche. Im Gegenteil, Separatgemeinden in großen Städten sind notwendig, damit aus den Gemeinden kein lebloser Haufen Juden wird, wie es leider in Berlin der Fall ist. Was von Friede, Einigkeit und dergl. gesaselt wird, imponiert doch hoffentlich keinem denksähigen Menschen. Denn schließlich sind die Juden nicht entzweit und leben nicht auf dem Kriegsfüße, weil sie im synagogalen und religiösen Leben auseinandergehen und einen gewissen Partikularismus pflege». So wäre es z. B. sehr ersprießlich, wen» sich in Berlin die Reformgemeinde separieren würde; erst dann könnte sie ihre Aufgabe erfüllen. Aber ebenso ersprießlich märe es, wenn auch die konservativen Elemente eine besondere Gemeinde bilden würden. Es ist gar nicht notwendig oder gar segensreich, daß ein Gemeindesekretär, oder sagen wir ein Justizrat hunderttausend Juden wie eine große Herde leitet; in diesem Fall ist die Gemeinde auch darnach: nämlich eine große Herde. Die Bedeutung S. R. Hirschs besteht eben darin, daß er kein Herdenmensch gewesen, sondern ein Original und eine selbständige Natur. Er war der Antipode Holdheims und wie dieser gab er ebenfalls ein Landrabbinat auf, um in einer Separatgemcinde, freilich in entgegengesetzter Richtung, zu wirken. Bei Beiden war dies natürlich und logisch. Wie sollten solche eigenartige und selbständige Männer mit großen Gemeinden, mit einem großen Haufen fertig werden? Sie mußten kleine Gemeinden bilden, wo sich gewisse Ideen potenzierten. Würde heutzutage im Judentum eine ähuliche Erscheinung auftauchen, auch diese müßte sich zuerst eine kleine Gemeinde schaffen, um wirken zu können. Innerhalb eines engeren Kreises gleichgesinnter Männer konnte ein Hirsch wirken; im großen Haufen blieb er unverstanden. Man muß immer Hirschs Schriften lesen, um die Welt von Gedanken zu bewundern, die er dem konservativen Judentum abzugewinnen wußte. Daß ihn Grätz den Mann der fortschreitenden Entwickelung nannte, macht nur Grätz Ehre, da er in diesem Falle einen richtigen Blick bewährte. In der That war Hirsch kein Schulchan Aruch-Orthodoxer, sondern ein Mann, der in seiner orthodoxen Anschauung den Schulchan Aruch im großen und ganzen mit in den Kauf zu nehmen verstand. Sonst aber war er fortschreitend in der Auffassung des Judentums gleich Geiger. Rur während sich letzterer nach vorwärts konzentrierte, bewegte sich Hirsch nach rückwärts. Er war kein verschimmelter Orthodoxer, der dort stehen bleibt, wo ihn der Zufall gestellt; er wollte vielmehr das rechtgläubige Judentum aus diesem selbst verjüngen, weshalb er auch die Uranfänge zu berücksichtigen bestrebt sein mußte. Hirsch war ein Reaktionär im edlen Sinne des Wortes; ein Protest gegen den ausdrucklosen Abklatsch eines Judentums, wie es sich heutzutage repräsentiert. Eine solche Reaktion ist jedenfalls heilsamer als unsere „Reform", die ein sinnloses Nachplappern bedeutet und jeder Idee bar ist. Hirsch war ein Schüler von Bernays, dessen konservatives, den großen Massen unverständliches Judentum Heine so gewaltig imponiert hat, während ihm das phrasenreiche „orthographische" Judentum so hohl und fade erschien. Nur hat es Bernays nicht vermocht, sein gedankenvolles Wesen mitzuteilen und sich verständlich zu machen, hingegen war es Hirsch gegeben, in Wort und Schrift nicht die Massen zu begeistern, sondern auf die qualifizierte Minorität zu wirken. Auch seine Gegner gewannen durch die Fülle von Anregungen, die in Hirschs Schriften zu finden sind, und zollten ihnen Bewunderung. Unser Zeitalter ist das der Epigonen. Hüben wie drüben erblicken wir keine kraftvolle Erscheinung, keinen Mann von Enthusiasmus, beseelt vom Mut seiner Ueberzeugung. In beiden Lagern, bei unseren Orthodoxen wie bei unseren Liberalen und Reformern, finden wir nur jämmerliche Leisetreterei und Ladentisch-Politik, stets die Rücksicht auf das geschäftliche Gedeihen des Unternehmens, und deshalb ein rückgratloses sich krümmen und winden. An dieser Charakterlosigkeit krankt das Judentum, von ihr droht die meiste Gefahr. Und da sollen wir doch, soweit uns das eben geschilderte Treiben in der tiefsten Seele anwidert, das Andenken eines Mannes Hochhalten, der in seinem ganzen Leben und Wirken stets nach dem Ganzen und vollen gestrebt hat, der sich günstig abhob von dem Heer der Figuranten und Taschenspieler! Dr. S. Bernfeld. Der jüdische Lehrer. Ein Leiter in Versen. In einer jüdischen Gemeinde Mit vieler Last und wenigem Gewinn, Bracht' einst ein Lehrer ohne Feinde Sein mühevolles Leben hin. Ihr staunt: „Ein Lehrer ohne Feinde In einer jüdischen Gemeinde? Wie ging das zu? Hat ihm ein Talisman Den wundervollen Dienst gethan. Verhindert, daß sie ihn befehden Mit Kritteln und mit ungewaschnen Reden, Sie, die dem Hirten folgen müßten. Auch wenn sie wirklich — was nicht wahr — In Hinsicht auf die Dienste am Altar In manchen Punkten manches besser wüßten?" Der Talisman der Tugend und der Treue, Sein Wissen und sein Wandel hatten. So oft sie sich erhoben, stets aufs Neue Besieget durch ihr Licht die fabelhaften Schatten, Die ihm mit häßlichen Gebärden So häufig angedichtet werden. Er lebte ein zufriednes Leben; Sein Brot — es wußte zu bescheiden Der Lehrer sich — es reichte eben. Sechs Kinder, die ihm Gott gegeben. Mit Not zu nähren und zu kleiden.