Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 33 (14.8.1896)
- Date
- 1896-08-14
- Page
- Seite 563 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 33. Nr. 33. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 563. 39lmge aus Dmi / ^ll V1* em 8<ä6etet SRoira, fi artenortert gewonnen. Ti 406/8,98, bei einem Ihrem Wunsche entspreche l von den romantischen Ilsen habe, ist nichts wenigei trübend. Wir leben in einet i wie der englische Admiral iut-v“; daß jeder seine Pslichi tig für die Entwickelung des bedauern, daß es so wenig ■ Was helfen alle die littesenschaftlich-populären Vorrr und Geschichte, wenn gelugen der Gemeinde gerichtei mg des Judentums wissen nungen der Rabbiner, was ihwinkel", wenn die (ihren umgekehrt, die Ohren taub, reise blind geworden sind! vohl tagt der D-J. G.-Ä, den Juden zu heben, aber ilich ein evangelischer Pastor Her in der Religion sei ein acht ein Jude? fragte ich. mit noch sechs Glaubensseine christliche Erziehungs- >en Religionsunterricht mit kleine Kohn ist der Sohn . den Mann. Er ist als dem jüdischen Lehrer oer Juden genügt unser alter Siddur vollständig. Der Streit um das Gebetbuch ist ein Streit um des Kaisers Bart. Diejenigen, für die das Gebet verfaßt ist, verstehen weder die altehrwürdigen Gebete des Siddur, noch verstehen sie die für „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens" verfaßten oder umgemodelten Gebete Dr. Vogelsteins. Ja, ich wage zu behaupten, sie wissen nicht einmal, was das Wort „Gebet" in der israelitischen Religion bedeutet. — Und nun, Herr Redakteur, wünsche ich Ihnen so viele „alte Abonnenten", daß Ihre Wochenschrift eine allgemeine Zeitung der Inden werde, deren Erscheinen mit Spannung jeden Freitag erwartet wird. Ich will Ihnen nicht verhehlen, daß in unserer Khille der I). Dalles ein gern gesehener Gast ist. Sunatnom.*) £ Stuttgart, 7. August. Vor einigen Tagen fand hier die Jahresfeier der Württembergischen Mission unter Israel statt. Pfr. Voller aus Groß-Jngersheim erstattete den Jahresbericht. In demselben wies er ans die Thätigkeit des in Persien in den Diensten der württembergischen Mission stehenden Missionars Fr. Zerweck hin, der nicht blos unter den Juden Persiens, sondern auch unter den Nachkommen der in die assyrische Gefangenschaft geführten Israeliten, Glieder des Zehnstämmereichs, die dort in Dörfern beisammenwohnen, „gearbeitet" hat, bis er ans Persien ausgewiesen worden. Besonders wurde dann ans die mit vielem Erfolg begleitete Proselytenpflege hingewiesen, wie sie die württembergische Mission unter Israel betreibt. Die Zahl der Proselyten, an der die württembergische Jndenmission arbeitete, beträgt 70. (Geschieht von jüdischer Seite nichts zur Abwehr dieser Seligmacherei?) 6. Kissingen, 6. August. Herr Louis Ehrlich von hier, der in den afrikanischen Goldfeldern in kurzer Zeit sich ein Vermögen erworben hat, spendete unserer Gemeinde zu einem Synagogen-Reubau die Summe von 8000 Mk. Dem Wunsche des Gebers, daß mit dem Bau baldigst begonnen werde, wird nun entsprochen werden. 6. Straßbnrg (Elsaß), 9. Augnst. In Ausführung der Legate der Eheleute Michel Weil, hat das isr. Konsistorium des Unter-Elsaß in seiner Sitzung vom 23. Juli beschlossen, nachstehende fünf Tugendpreise auszuteilen: 1. 200 Mk. an Frau Witwe Jakob Strauß zu Weitersweiler; 2. 200 Mk. an Herrn Salomon Moch, Vorsänger zu Merzweiler; 3. 200 Mk. an Herrn Benjamin Wolf, Vorsitzender der Sockte mutuelle jit Mülhausen; 4. 100 Mk. an Frau Witwe Marchand zu Metz; 5. 100 Mk. an Frau Witwe Jablonska zu Schalbach. (Was ist das für ein Ding, der „Tugendpreis"? Red.) U. Wien, 0. Juli. Die „Deutsch-Oesterr. Lehrerzeitrrng" schreibt: „Dieser Tage wurden in Wien 246 Unterlehrer- und Lehrerstellen — endlich! — definitiv besetzt. Eine schwere Geburt. Unter deir Ernannten ist kein Jude und keine Jüdin. Da die Zahl der in Wien wohnenden Juden rund 120000 oder den zwölften Teil der Gesamtbevölkerung beträgt, so hätten, bei gleichem Recht für alle, etwa 20 jüdische Namen *) Wir nehmen diesen Brief ausnahmsweise aus, trotzdem er nicht ganz der Stichzeile entspricht. „Briefe vom Rhein" oder anderswoher sind nicht solche, die am Rhein re geschrieben sind, sondern solche, die sich mit den Gemeindeverhällnissen in dem betr. Distrikte befassen. So gehaltene Zuschriften sind uns allezeit sehr willkommen. Red, berücksichtigt werden müssen. Nun keine —!! — es ist eine große Ungerechtigkeit. Wie scharf man es auf die Juden hatte, geht daraus hervor, daß bei einem Bewerber, der einen etwas jüdisch klingenden Namen hatte, nachgesorscht wurde, ob er doch nicht etwa gar getauft sei oder einen getauften Vater habe. Beim nächsten Konkurs sollte eigentlich eine Leibesuntersuchung aller männlichen Bewerber angeordnet werden, denn es könnte ein heimlicher Beschnittener unter ihnen sein. Aber bei den Bewerberinnen? Ja, da giebt es keine Sicherheit". Dieser Sarkasmus würde erheiternd wirken, hätte nicht eine traurige Thatsache ihn gezeitigt. — Der Bund der Deutschen Nordmährens veröffentlicht eine Erklärung, in welcher mit allem nur denkbaren Nachdrucke hervorgehoben wird, daß dem Bunde jeder Akt konfessioneller oder parteilicher Unduldsamkeit fern liegt, daß er vielmehr alle deutschgesinnten Mitarbeiter freudigst begrüße, daß es ihm ganz gleichgiltig sei und sein müsse, welcher Konfession seine Mitglieder seien re. re. Das sind schöne Worte, gute Worte! Ihr Wert wird vielleicht aber ein wenig durch den skeptischen Gedanken getrübt, daß die Deutschen nur dort, wo man die Stimmen der Juden braucht, eine solche ideale Vorurteilslosigkeit bekunden. In Steiermark, wo die Juden in verschwindend geringer Anzahl leben, wird von den Deutschen der Antisemitismus zärtlich gehegt und gepflegt. Dort sind die Inden bei den Wahlen eben von keinem Wert. 11. Wien, 8. August. Wir haben bereits über die neuesten Erzeugnisse der antisemitischen Litteratur berichtet, welche unter dem Namen „Lueger-Vaterunser" und „Lueger-Glauben" seit einiger Zeit massenhaft kolportiert werden. Die ebenso dummen als frechen Parodien der beiden Gebete erfreuten sich einer sehr großen Popularität. Nun ist den Herren aber das Vergnügen verdorben worden; das gestrige Amtsblatt der „Wiener Zeitung" veröffentlicht ein Erkenntnis des Landes¬ und Preßgerichts in Wien, „daß der Inhalt des Druckwerkes das Vergehen nach § 303 St.-G. (Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgenossenschast) begründet und und es wird das Verbot der Weiterverbreitung dieser Druckschrift ausgesprochen, die von der Staatsanwaltschaft verfügte Beschlagnahme bestätigt und auf die Vernichtung der saisierten Exemplare erkannt." 6. Tarnow, 7. August. Die Kanzlei der hiesigen israelitischen Knltusrepräsentanz hat die Behörde versiegelt und alle Bücher derselben sind vom Untersuchungsrichter mit Beschlag belegt worden. Diese Maßregel ist infolge einer Anzeige, welche der k. k. Staatsanwaltschaft in Tarnow zugekommen ist, vollsührt worden. r. Aus dem Salzkammergnte, 6. August. Es giebt hier zu Lande, außer in Linz, wenig ansässige Juden. Dagegen bringt der Sommer viele jüdische Gäste in die Berge, und Ischl gilt als eine Vorstadt von Wien. Während des Sommers und der hohen Feiertage findet in Ischl jüdischer Gottesdienst statt. Juden, die streng nach dem Ritus leben, sind in Ischl und Aussee vortrefflich untergebracht. Das Hotel Austria in Ischl, dessen Besitzer ein Glaubensgenosse namens Sonnenschein ist, ist ein Haus ersten Ranges und die voruehmsten Edelleute steigen dort ab. Auch das Hotel Sounenschein iu Aussee ist vortrefflich eingerichtet.