Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 33 (14.8.1896)
- Date
- 1896-08-14
- Page
- Seite 559 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 33. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 559. ^igi» nicht viel der im Talmud waltet, sigkeit gegenem Falle nur vom Vater die gerte, seine Pflicht gegen die er auf die verschiedenste Art oder wo dies bejttmmt vorgeschriebener > beschämt. Von der Mutter wiß nicht aus Versäumnis, 1 wissen all und jedes zu md feste Netz ihrer Gesetzes¬ und Talmud gehen von der ^unmöglich ihre Pflichten sie verletzen. Ein glänzenrng des Weibes vonseilen; der des Vaters , die Mutter zu Mose 21, 12). ter" (3. B. R iu ein Abschnitt i ist dem Allmehr ehrt und iter auch wie iat das Kind Strenge zur rrcht erst die es kindliche c die un- .Verfluchl und das ite, mein von der ir. §al »Tas .. zeit die Sinnf Later, | ' t Ungerechtigkeiten, bte L K - "le, um ein altes Beispiel prs mit Jsniael um Jsaakz ' be§ geliebteren Hau^- t6Pl)e verzeihlicher Vorliebe dann kommt der kluge Knabe bald in die Lehre und die Gesellschaft der Männer und wird dort die Freude des Vaters; mißrät sie, dann bleibt der Junge im Hause an der Schürze der Mutter hängen. Dieser Einfluß der Mutter auf die erste Entwicklung des Menschen zeigt sich auch zum Teil im jüdischen Sprachgebrauch; er redet wie der Deutsche, von Mutterschoß und Muttersohn; so nennt die hebräische Sprache auch oft die Mncterbrust als Sinnbild von Hohem und Höchstem, so z. B. wird sie mit der Wissenschaft verglichen: „Die Mutterbrust ist das Sinnbild der Wissenschaft. So oft der Säugling sie ergreift, findet er neue Nahrung! Auch die Wissenschaft gewährt immer neue Gedanken, so oft man sich mit ihr beschäftigt." Charakteristisch ist auch, daß viele Familiennamen nach der Mutter gebildet sind, z. B.: Jeiteles, Eskeles, Raines, Raizes. „Ja, das einfache Wort: „Mutter" wird als auszeichnendes Lob gebraucht; um die berühmte Prophetin Deborah noch besonders zu ehren, wird sie eine „Mutter in Israel" genannt. (Richter, 5. Kap. V. 7). Schön ist auch folgendes: Das jüdische Sprüchwort zählt unter den vier Dingen, bereu sich auch der Vornehmste nicht rühmen kann, „daß er aussteht vor seiner Mutter". — Welch' ein Gegensatz dazu die Auffassung bei den hochzivilisierten Griechen! — Um einen allbekannten Namen zu wählen: das Bürschchen Telemach in der Odyssee gebietet seiner Mutter, der „göttlichen" Penelope: „Auf! Zum Gemach hin gehe! Besorge die Spindel! und den Webstuhl! Und gebeut den dienenden Weibern, fleißig am Werke zu sein. Das Wort gebühret den Männern, allen, und mir am meisten, denn mein ist im Hause die Obmacht!" Statt ihrem Söhnchen eine derbe Rüge zu versetze«, beeilt sich die königliche Dame Penelopeia ihm zu gehorchen- Wenig fehlte, er hätte ihr besohlen, das Haus überhaupt zu räumen. Solche und andere Situationen, wie zum Beispiel Medeas Mord an den eigenen Kindern aus reiner Rachsucht gegen deren Erzeuger, wären in der jüdischen Dichtung unmöglich. Dagegen benutzt sie die Mutterwürde und Mutterliebe unzählige Mal als Gleichnis. Häufig wird der Juden höchstes Besitztum, der Ort wo ihr Gottestempel steht, ihr heißersehntes Wallfahrtsziel, „die heilige Stadt" Jerusalem mit einer Mutter vergliche», die ihre Kinder ruft, oder die Verlorenen, Verirrten beweint: „Das Wohl der Kinder zu erkunden, richt ich Den Blick nach Ost und West, nach Nord und Süd; yiux der Gedanke lindert meine Trauer, Daß auch ihr Herz sich hin zur Mutter zieht. Was drängst Du so den Namen zu erfahren. Der einsam Traurigen mit kummervollem Sinn? Ich will ihn nennen Dir! — So wisse, daß ich Tie Tochter Zions, Jernscholajim bin."*) Rahel wird die „mütterlichste aller Frauen" genannt nicht der Zahl der Kinder wegen, da sie deren nur zwei hatte sondern der Fülle ihrer Liebe wegen. *) Abraham Gottlober, aus der Sammlung: „Die Zionsharfe" von Gustav Karpeles. Daß Laban ihm die Schwester zuerkannte; Grausam getäuscht war Hoffen und Vertrauen, Und weil mein Herz nach meinem Freunde brannte. Gab ich ein Zeichen ihm, mich zu erkennen- (Daß uns des Vaters List nicht übermannte). Doch ich bezwang die Gluten, die wie Brennen Der Eifersucht mir in die Seele schleichen. Und wohl den Menschen tief verwunden können. Der Schwester übergab ich jene Zeichen- Ja, in der Nähe hielt ich mich verborgen — Und sprach für sie, das Herz ihm zu erweichen." Also oblvohl ihr Herz nach ihrem Freunde „brannte", siegt die Schwesterliebe über die Eifersucht der jungen Eheverlobten. Der Streit zwischen Braut- und Schwersterliebe wird überivunden durch die mütterliche Empfindung der Opserwillrgkeit. Eine jüdische Mutter verzichtet für sich selbst auf das Notwendigste, um nur ihren Kindern etwas zukommen zu lassen: wenn sie es sich auch des Respektes wegen, der ihr gebührt, nicht merken lassen wird: sie will lieber darben, als daß ihrem Kinde zu seinem leiblichen oder geistigen Wohl etwas abgehe. Sie ist unermüdlich im Nachsinnen und Vorarbeiten, wie es anzustellen sei, um ihren Sohn zu Stellung und Studium zu verhelfen; ist sie Witwe, wird sie die Schüchternheit überwinden, die jedem alleinstehenden, bessergesinnten Weibe eigen zu sein pflegt, und ihrem Knaben Lehrer und Gönner suchen und sich seinetwegen manches Opfer, manche Demütigung auferlegen. Ihr Knabe ist ja, nach jüdischer Thatkraft und jüdischem Selbstvertrauen, mit zehn, zwölf Jahren schon von einer Reife und praktischen Anstelligkeit, die der nichtjüdische Jüngling in vielen Jahren oft nicht erreicht, — aber „der Mitbewerber sind viele" — und „der Tag ist kurz", so muß sie sorgen und schaffen, und kein Weg ist ihr zu weit, kein Warten zu lang, keine Rede zu bitter, keine Last zu schwer, keine Arbeit zu sauer, — es gilt Wohl und Wehe des Kindes und sie hält aus, wenn es sein muß bis zum letzen Atemzuge. Aber dank dem Fleiß und dem Verstand ihres Sprößlings, — in wenig Jahren, in dem Alter, da der nichtjüdische junge Mann am schwersten mit seinen Anforderungell auf der Seele und dem Geldbeutel seiner Eltern liegt, wird die jüdische Mutter von Sohn oder Tochter schon reichlich nach allen Kräften erhalten und gepflegt. Sie darf nun ausruhen und ruht dennoch nicht. Bald kommt das eine, dann das andere Enkelkind und so wächst ein blütenreicher Kranz heran und umgiebt das kommende Alter mit dem Duft und den lichten Farben dankbarer Kindesliebe. Mutter und Großmutter haben nicht fragen brauchen: „Bin ich allein, was bin ich?" denn die jüdischen Mütter sind nicht allein. Immer sind dallkbare Söhne oder Töchter da, die sich fragen: „Wenn nicht jetzt, wann dann?" (Sprüche der Väter.) (Schluß folgt.)