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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-08-14 · 33 (14.8.1896) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
Seite 556 (sequence 10)
Language
German
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✓ A HP ff i, rj Seite 556. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 33. fünfzig Jahren erschien Lorms erste Schrift unter dem Titel „Wiens poetische Schwingen und Federn." Es ist ein weiter mühe- und leidvoller Weg der geistigen Entwickelung, welchen der Schriftsteller seitdem in diesem halben Jahrhundert zurückgelegt hat und auf dem er trotz aller Hindernisse zu jener Vollendung des sprachlichen Ausdrucks gelangt ist, welche den „grundlosen Optimismus" in gleichem auszeichnen. — Die „Deutschen Wirtshäuser" in Berlin zeichnet der Korrespondent einer in Philadelphia erscheinenden Deutschen Zeitung wie folgt: Auf meinen Streifzügen durch Berlin führte mich der Zufall in ein solches Lokal. Eine Anzahl Neugieriger, welche durch die Fenster gafften, hatte meine Aufmerksamkeit erregt; aus dem Innern drang Chorgesang mit Musikbegleitung; die Wände waren von oben bis unten mit großen und kleinen Bildern bedeckt und das Buffet vollständig mit Plakaten behängen. Ich beschloß einzutreten.. Die erwähnten Plakate trugen Inschriften, wie: „Willst Du nach alter deutscher Weise Ein Stündchen sein im Zecherkreise, So kehr' im Deutschen Wirtshaus ein. Dort wird niemals ein Jude sein." oder: „Reine Luft — Kein Knoblauchduft!" Dieses waren ungefähr die „anständigen" Verse. Die Bilder waren zotenhafte Karrikaturen-Aquarelle, größtenteils solchen Charakters und mit solchen Inschriften versehen, daß man nicht prüde zu sein brauchte, um schamrot zu werdeu. Ich folgte einer Einladung des freundlichen Wirtes in das Hinterzimmer, wo ein etwa 40 Mann starker antisemitischer Gesangverein unter einem Dirigenten und mit Begleitung eines kleinen Orchesters aus einem antisemitischen Gesangbuch Gassenhauer sang, die mit den Aquarellbildern in innigster Harmonie standen. Ich mußte mir sägen, daß diese Bilder und diese Verse nicht ohne Geschick berechnet seien und auf gewisse Leute ihre Wirkung nicht verfehlen. Wer wollte von dem, der den Teufel an die Wand malen will, feine Malerei verlangen? Dazu wird das tauglichste Instrument wohl der Kaminkehrerbesen bleiben und dieses malerische Instrument wird hier mit Meisterschaft gehandhabt. In den Antisemiten steckt ein gut Teil Jesuitismus, denn der Zoten- und Gassenhauer-Kultus als Götzenopferspeise beweist, daß man in richtiger Würdigung seiner bewährten Wirksamkeit dem jesuitischen Grundsatz huldigt: Der Zweck heiligt die Mittel. Nachdem ich in dieser Gesellschaft ein Glas Bier getrunken hatte, verließ ich das deutsche „Wirtshaus" — welches, nebenbei gesagt, durchaus nicht das einzige dieser Art in Berlin ist, — mit Reflexionen darüber, wie es wohl möglich sei, daß in der Stadt der Intelligenz und frommen Sitte ein derartiger Skandal direkt unter den Augen der Regierung und der Polizei unbehelligt geduldet werden kann!!! Welch ein betrübendes Schauspiel ist es doch, wenn zwischen Mensch und Mensch, je nach seinem Glaubensbekenntnisse, nach seiner Abstammung oder seinem Stande, Unterscheidungsmerkmale ausgestellt werden, wenn Fanatiker und Abenteurer aus der Geistesarmut eines von der Lebenssorge niedergedrückten Volkes einen neuen Kultus bilden, dessen wesentlicher Bestandteil die Anspuck-Zeremonie ist, und es ihnen glückt, aus Petroleum und Weihwasser einen Trank zu brauen, an dem die gedankenlose Masse Geschmack findet. —" — „Kabbalistisches" enthalten seit kurzem unsere Tageszeitungen, indem sie die Namen der unter Kaiser Wilhelm II. entlassenen Minister so gruppieren, daß alle möglichen und unmöglichen Worte und Aussprüche entstehen. Der erste „Kabbalist" las ans den Namen das Kaiserwort „Mit Volldampf voraus!" ein anderer „Guten Morgen, Lucanus!" heraus. Nun kommt die antisemitische Presse und stellt die Namen wie folgt zusammen: von Köller Graf Herbert Bismarck Graf Eulenburg von Friedberg Bronsart von Schellendorf von Scholz Gras Zedlitz von Maybach von Schelling Herfurth Frhr. von Berlepsch von Goßler Graf Caprivi Fürst Bismarck von Lucius von Heyden-Cadow von Verdy von Kaltenborn-Stachau und liest hier: „Kauft nicht bei Juden!" Unser „Kabbalist" hat nun die Antwort der verflossenen 18 Minister auf diese Aufforderung gesunden, indem er ihre Namen wie folgt gruppiert: Heyden-Cadow Eulenburg Bronsart von Schellendorf Friedberg Kaltenborn-Stachau Schelling Maybach Caprivi Herfurth Zedlitz Scholz Berlepsch Köller Fürst Bismarck Goßler Lucius Herbert Bismarck Verdy Die Antwort der Minister lautet: Meute!" — Das „Austrittsgesetz". Die Befürchtung, daß das Gesetz, betreffend den Austritt aus der Synagogen-Gemeinde vom 28. Juli 1876, manche kleine Gemeinde schädigen werde, findet leider oft ihre Bestätigung. Obschon nach § 1 der Austritt nur wegen religiöser Bedenken erfolgen kann und Antisemitische Q. e. d. s 2 ausdrücmcy »< Versicherung erkläre Bedenken, so legi 1 seiner Fa?°n ^reil Gemeinde lästig gleichgültig wird, d •v.*Ä»4rt«rrtilt2TPÖ£ln Gesetz nur wenige u Mch § 6 bewirkt tretene 1) an den den Mitgliedern zu mehr Teil zu nehm persönlichen Angeh zum Schlüsse des au jahrcs verpflichtet' Lasten noch ferner ordentlichen Baues if bis zum A folgenden Kalendei pflichtungen der ' Erklärung dritten für die Tauer v Lasten, welche au! wachsen, an welch benutzung verbleib Angehörigkeit zur auch sämtliche Lei Schulen (jedoch Synagogengemein nicht berührt. Mi | sein Leiter, Ck wohl noch

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