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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-08-14 · 33 (14.8.1896) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
Seite 553 (sequence 7)
Language
German
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Nr :\3 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 553 fe 33. >»»»«« ,r M \ Jj® i“ verhinden,. ■ Ter solch klaren politischen f wirklich auf den Kopf dez |.der Sache ein klein wenig >rd neuerdings der Wert des cngt. Die Grazer Fakultativen ^, dm Wiener Obligatorischen 1,e geben sich redliche Mühe, ischlen eines Besseren gn irenhänten liegen und noch impfen. Aus der grünen eichtingers und die nationale >mmt nämlich die Aufklärung, des eigen!' lnd seines fakultativen Anti' r Angliederung „Neutraler' worden, und diese Neutralen astlichen Berkehr mit anli-; Gründe der Antisemiten abe der fakultative Antitellungnahme der Nationalnese wieder als weitere antim der Deutschen Bolkspartei mit der einfache Erfahrungslungskrätze ebenso ansteckend leiten, während sich leider ander durch seine bloße Am gälte. des fakultativen Antisemins hat die Grazer Weisheü lldepten gefunden. Uns isl ze Wirkung der fakultative )eutschen Schulverein erzielt j ■ein der Gefahr vorgebeugt l des deutschen Unterrichtes r den fakultativen Schulnnzelnd müssen die Unbereitwillig,t deutsche Kinder g nur gelang, einem ^udenne Thüre der Beremsschule en. Grausen an! E'-b-» " t > ®on*>’[ ah»'- #" ' f««“1”“ c»«» Mir muten M . im (Zu den Trostsabbaten.) II. In Egypten, wo Israel ans dem Stadium der Familie heraustrat und ein Volk wirrde, bestand das Einheitsband der israelitischen Volks-Psyche in der gemeinsamen Abstammung, den gemeinsamen religiöseir Vorstellungen, dem gemeinsamen Druck und der gemeinsamen Hofsnung auf Erlösung. — In dieser Zeit war der gemeinsame Druck wahrscheinlich das „Herz" der israelischen Volksseele. Denn das war die sinnlich fühlbare, unmittelbare Gegenwart, während das übrige idealer Natur war und der Vergangenheit oder Zukunft angehörte. Mit dem Auszuge aus Egypten war dieses Haupt-Element geschwunden, und mit dem stärkeren Hervortreten der gemeinsamen Abstammung trat die Offenbarung und die Eroberung eines Vaterlandes in den Vordergrund. Waren dies auch nicht ganz neue Elemente, in dem gemeinsame religiöse Ideen und in der Hoffnung auf Erlösung auch dunkle Vorstellungen von einem Vaterlande vorhergingen, so muß man doch zugeben, daß dies Vorhergegebene sich zur Offenbarung und zur Eroberung Palästinas nur wie der schwache Keim zur ausgewachsenen stolzen Zeder verhält. In der Richter-Periode war die Einheit der Volksseele Israels eine äußerst lockere geworden, nur von Zeit zu Zeit konnte ein gemeinsanier Feind, der die zersplitterten Stämme in die Einheit einer Unterjochung zwängte, ein vorübergehendes Band Herstellen. Ein starkes einheitliches National-Gefühl entwickelte sich unter Davids sieggekrönter Herrschaft. Was war da das „Herz" der israelitischen Volks-Psyche? Vor allem der gemeinsame Siegesruhm und der gemeinsame König. Wie sehr das Davidische Königshaus gleichsam das Zentral-Organ der israelitischen Volks-Einheit gewesen, ist schon daraus ersichtlich, daß der „Messias, der Sohn Davids", nicht mehr aus dem Einheits-Ideal Israels geschwunden ist. Und doch war dieses ein ganz neues Element, von dem in der vorhergehenden Zeit naturgemäß keine Spur vorhanden sein konnte. Zur Zeit Salomos trat wiederum ein neues Element, das bis dahin in anderer Form von nur nebensächlicher Bedeutung war, in den Mittelpunkt des israelitischen Volkslebens: der Tempel zu Jerusalem mit seinem festen Opfer-Kultus. Dieser Mittelpunkt behielt Jahrhunderte hindurch seine Bedeutung, und er gewann ein solches Uebergewicht im Laufe der Jahrhunderte in der Volksseele Israels, daß „Jerusalem und Zion und der große und heilige Tempel, über dem der Name des Ewigen genannt wurde", ebenso unzertrennlich wie „das Reich Davids, des Gesalbten", mit den israelitischen Volkseinheits-Idealen aller Zeiten verbunden blieben. Nun versetze man sich — wir überspringen das Zehn- Stämme-Reich — in die Zeit der Katastrophe, die durch Nebukadnezar hereinbrach. Jerusalem erobert, der Tempel zerstört, der Opferdienst eingestellt: was blieb da von Israel übrig? Ein Israel ohne König und Jerusalem, ohne Tempel und Opferdienst, das mußte einem Zeitgenossen Jeremias' rein undenkbar erscheinen. Mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels mußte unbedingt die Prognose auf Untergang Israels gestellt werden. Und diese Prognose fand ihre Bekräftigung noch in der Wegführung des Volkes aus der Heimat und in dem Heimischwerden Israels in Babylonien. Israel war gestrichen aus der Reihe der Völker, Israel hatte sich selbst als Volk aufgegeben, Israels geschichtliches Leben war also abgeschlossen. Versuchen wir es, uns in der Gegenwart ein Israel zu denken, das den Sabbat entweiht, das die Festtage nicht feiert, das auch seinen Versöhnungstag aufgiebt, das sich an die Speisegesetze nicht hält, das keine gottesdienstlichen Andachten mit Thoravorlesung u. s. w. veranstaltet, kurz: ein Israel, das alles das, was als Rest vom jüdisch-religiösen Leben noch übrig ist, vollständig über Bord wirft-können wir ein solches Israel noch als Israel, noch als geschichtlich lebendig, noch als eine geschichtliche Lebenserscheinung uns vorstelleu? Gewiß nicht, das ist uns ganz unmöglich. Ebenso unmöglich — und noch viel mehr: weil wir durch die Erfahrungen der Geschichte schon off von nebensächlichen Lebensäußerungen abstrahieren gelernt haben, was das Geschlecht des babylonischen Exils noch nicht gelernt hatte — ebenso unmöglich mußte es dem babylonischen Exilanten sein, ein Fortleben Israels für möglich zu halten, nachdem Staats- und Volksleben ausgehört hatte und das Zentral-Heiligtum der Vernichtung anheimgefallen war. Das Israel, das trotzdem noch als eine Besonderheit existierte, das war eben — kein Israel. Nur der prophetische Geist des Deutero-Jesaia stemmte sich dieser Tod verkündenden und Tod bezeugenden Anschauung entgegen, und zwar nicht weil er ein „sonderbarer Schwärmer" war, der über die Wirklichkeit verächtlich die Achseln zuckt, sondern im Gegenteil: weil er ein Realist war, weil er die „Idee", die „graue Theorie" geringschätzte und sich an die Logik der Thatsachen hielt. Er durchschaute das Sophisma seiner Zeitgenossen, die „List der Idee", die der Wirklichkeit immer gerne was am Zeuge flickt. Seine Zeitgenossen hatten sich nach dem Muster der letzten Vergangenheit ein Israel in der Idee konstruiert und dieser Idee entsprach freilich das Israel der Gegenwart nicht. Kein Wunder: war ja diese Idee nach dem Muster der Vergangenheit gezeichnet, einer Vergangenheit, die eben durch die Elemente dieser Idee notwendig der Gegenwart schroff gegenüber stand. Die Wirklichkeit zu Gunsten der Idee leugnen — nun, das ist eben „Idealismus", Idealismus, der in der Philosophie in seinem äußersten Extrem zu der Fichteschen Negation aller Realität der Sinnenwelt geführt hat. . Das ist aber eben die Größe unserer großen Propheten, daß sie immer auf dem festen Boden der Realität standen und auch „die Leiter, deren Spitze in den Himmel reicht und auf welcher Engel Gottes auf und nieder steigen, aus der Erde stehend" erschauten. Das Israel der Wirklichkeit war dem Israel der Idee nicht kongruent — das erkannte auch der Prophet; aber er schloß daraus nicht, daß Israel nicht existiere, sondern er zog den viel näher liegenden, natürlicheren Schluß: die Idee ist falsch konstruiert, oder vielmehr: die Ideen sind wandelbar, die Ideen der Vergangenheit können nicht als Maßstab an die Gegenwart angelegt werden, jede Zeit trägt ihren Maßstab in sich, und was von beu Ideen der Vergangenheit den Thatsachen

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