Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 32 (7.8.1896)
- Date
- 1896-08-07
- Page
- Seite 541 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 541. Nr. 39. 9 eu9 >>nd herzlos. U aber niemals mich ' that ich; ttn reicher Mann zu werden; nutl sehe ich, daß ich M adern mit meinem Reichtum „Ich sprach dem Baron s'cht aus, daß das Werk in ][ langer Tauer sein werde, rückte jedem die Hand; auch der nach Argentinien zurückversehen werden sollten, um ende von den drei Ringen ot 1771 erschienenen Buche ,enz mit: Es war kurz vor ein Mönch namens Nicoln 1 auf, die „Ungläubigen" in den, zu bekämpfen, dieweil sie >es Christentums seien. „In ihristenhaß gelehrt und ge- Christen begegnet, grüßt er n den Rücken gekehrt, verliefe Wissenschast wollte der m haben. Ter König wollre >er der en, ergelegte >nr i erhabener Fürst", entgegnete Efraim, „die beiden um den Wert ihrer Ringe streitenden Brüder sind der Christ und der Jude. Der Vater beider hat jedem von ihnen einen kostbaren Edelstein, eine Religion, zum Geschenk gegeben, und nur er allein weiß, welche die bessere sei." Der König war von dieser Rede entzückt und versprach dem Efraim, kein Feind der Juden zu sein. Und so lange dieser König lebte, wurden die Juden in seinem Reiche geschützt. — Soweit die Reminiszenz aus dem hebräischen Buche. Herr Dr. Friedländer fügt hinzu: „Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß Lessing seine schöne Erzählung von den drei Ringen dieser hier reproduzierten Legende entnommen hat." Das ist ein Irrtum. Bekanntlich findet sich diese Legende zuerst bei Boccaccio, der im 14. Jahrhundert gelebt hat. Und Lessing wird, trotz seines „Nathan", viel besser im „Decamerone" als im „Scheerith Israel" Bescheid gewußt haben. Feuilleton. Die jüdische Mutter? Von Rahida Ruth Lazarus. Nachdruck verboten, Lazarus hat auf die typisch-symbolische Thatsache hiugewiesen, (1. Aufsatz über Völkerpsychologie), daß bei allen Kulturvölkern die Stammesheroen als Kinder in Gefahr geraten, vernichtet zu werden. Die Rettung geschieht bei den milden Griechen — (Zeus) — durch eine Ziege, bei den rauhen Römern — (Romulus) — durch eine Wölfin, bei den Juden durch die eigene Mutter des Moses, durch Jochebed. Darin spiegelt sich die herzliche Innigkeit des Familiensinnes, welche den jüdischen Stamm von jeher vor so vielen Völkern ausgezeichnet hat, und welche besonders in dem Verhältnis der Mutter zu ihren Kindern sich ausprägt. Die Zärtlichkeit der jüdischen Mutter kennt nur eine Grenze: Die Glaubenstreue. Das siebente Kapitel des 2. Buches der Makkabäer schildert eine Heldenmutter, welche im Lauf des Mittelalters Tausende von Nachfolgerinnen hatte. Kein Bericht ist so charakteristisch als das schlichte Wort der Bibel: „Es wurden auch sieben Brüder samt ihrer^ Mutter gefangen, und mit Geißeln und Riemen gestäupt und gedrungen vom Könige, daß sie sollten Schweiuefleich essen, das ihnen vom Gesetz verboten war. Ta sagte der Aelteste: „Wir wollen eher sterben als gegen das väterliche Gesetz handeln." Es werden ihm Hände und Füße abgehauen und die Zunge ausgerissen und zuletzt wird er in einer Pfanne übers Feuer gesetzt und gebraten. Tie Mutter mit ihren Söhnen muß zusehen. — Fünf andere ihrer Kinder werden unter noch ausgesuchteren Martern hingerichtet, — der letzte, der jüngste ist noch übrig, der blühendste und lieblichste. Antiochus redet ihm zu, wenn er sein Gesetz übertrete, so wolle er ihn reich und angesehen machen, und ermahnt die Mntter auch sie solle ihm zureden, damit dieser Eine ihr erhalten bleibe; doch in ihrer (hebräischen) Sprache, die der König nicht verstand, sagte sie, die den *) Einem vielfach geäußerten Wunsche entsprechend, geben wir einige wichtige Kapitel aus dem Buche „Das jüdische Weib" mit Ir Genehmigung der Verlagsbuchhandlung hier wieder. Red. übrigen Söhnen Mut zugesprocheu hatte: „Du, mein liebes Kind, das ich neun Monate unter meinem Herzen getragen, bei drei Jahren gesäugt und mit großer Mühe auferzogen habe, erbarme dich deiner Mutter und fürchte dich nicht vor dem Henker, sondern stirb gerne wie deine Brüder, damit der gnädige Gott dich samt deinen Brüdern wieder lebendig mache und mir wiedergebe!" Auch der letzte Sohn wird gemordet, — aber die Mutter sieht ihn sterben mit dem Glauben an ihren Gott und an die Unsterblichkeit: Damit Gott dich samt deinen Brüdern wieder lebendig mache und Euch mir wiedergebe." Sie geht jetzt ruhig und gefaßt in den Tod. Heiliger Glaube, bester Trost für den Verwaisten! Wie hunderte anderer Mütter ebenfalls mit ihren Kindern in den Tod gingen, zeigte ein früheres Kapitel. Lieber den Scheiterhaufen als die Zwangstause! Doch durfte man nach Gottes Gesetz leben bleiben, dann hat das jüdische Weib von jeher eine Sorgsamkeit und eine Zärtlichkeit für ihre Kinder bewiesen, welche sie unter liebevollen Müttern als die Liebevollste kennzeichnet. Man kennt den hohen Wert, den der jüdische Sinn auf die Mutterschaft des Weibes legt. Mutter zu werden ist der höchste Ehrgeiz der Jüdin, und die Bibel ist reich an Beispielen, wie die Gattin, die bisher kinderlos geblieben war, bis zur Grenze des Erlaubten geht, um dieses ihr als unerläßliche Würde erscheinende Ziel zu erreichen. Vom heißen unter inbrünstigen Thränen zum Ewigen gesendeten Gebet, wie bei Hannah, Weib Elkauahs, bis zum seltsamen Tauschhandel Rahels, der Kinderlosen, mit der darin bevorzugten Schwester Leah — bis zur unerhörten That der Töchter Lots — ivar nur der Gedanke als Triebfeder lebendig, die Ehre und die Freude des Mutterwerdens zu erreichen. Als Haunah ihren kleinen Samuel geboren, läßt sie den Gemahl nun allein die Wallfahrt antreten, statt ihn wie sonst zu begleiten, und widmet sich Jahr aus Jahr ein völlig dem Knaben, bis sie ihn, getreu ihrem Gelöbnis, dem Priester zum Tempeldienst bringt. Da aber macht sie wider des Sohnes willen alljährlich die Reise und bringt ihm allemal „ein buntes Röckchen" mit. Welche Mutter erinnert sich nicht bei diesem Wort, das fast drollig klingt, der tausend und abertausend Stiche, die nötig waren, dem süßen Kind alle die Röckchen und Hemdcheu und Höschen zu fertigen, die es brauchte, Tausende von Stichen, und während derselben ebenso viele Liebkosungen und Wünsche im Geist für des Kindes Leib und Seele? — Freilich, die neumodische junge Mutter, welche die Wäscheausstattung auch für das Neugeborene aus dem bequemen „Koufektionsladen" bezieht, — kennt die Wonne der tausend Stiche nicht! — Wie Mutter zu sein — die höchste Freude und Ehre war im Leben der jüdischen Frau, so war ihr bitterster Schmerz keine Kinder 51t haben. Aber außerordentlich selten hört und liest man von einer Kinderlosen; — das Vorurteil, ja das eigne Gewissen suchte und sah darin eine Strafe des Ewigen. Daß die jüdischen Mütter ihre Kinder selbst nährten, war selbstverständlich, und nach den Sitten in jüdischen Landen (die mau sogar heute noch zum Beispiel in Italien bemerken kann), wurde das Kind bis an sein drittes Jahr an die