Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-08-07 · 32 (7.8.1896) · p. Seite 540

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
32 (7.8.1896)
Date
1896-08-07
Page
Seite 540 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4794838-9609712-9610286--1618-9610294
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 540. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 32. Summarum für die Partei ohne Entgelt gearbeitet. — Und Sie, Herr v. Liebermann?? Wovon leben Sie?? — Um Antwort wird gebeten!" — Hans v. Mosch stellt eine Fortsetzung seiner Auseinandersetzungen mit v. Liebermann in Aussicht. Es kann also noch recht nett werden. — Hinc illae lacrimae. Die „Deborah" in Cincinnatie hat sich wieder einmal über unser Blatt geärgert. Ihr Aerger ist so groß, daß sie nicht imstande ist unseren Namen zu nennen und lediglich wider Ungenannt in Berlin eifert. Der Aussatz „Reform und Ignoranz" in Nr. 27 hat es ihr angethan. Sie weiß auch ganz genau, was uns und unsere Mitarbeiter verbittert. Nicht der Verfall des ganzen jüdischen Lebens, nicht das Vordrängen etlicher Ignoranten und Charlatane — bei Leibe nicht. „Es scheint dieses, wie das Blatt sich in seinem klassischen Deutsch versichert, weniger der Zornausbruch des Fanatismus als das Krächzen des Neides unter den Minderwertigen und Mindergeehrten zu sein." Die „Mehrwertigen und Mehrgeehrten sind nämlich die Herren DDr. Maybaum und Vogelstein, wider die sich das Krächzen unseres Neides richtet. Angenommen dem wäre so, angenommen wir strebten sämtlich nach der Ehre nnd der Lust, Rabbiner in Berlin und Stettin zu werden, — warum krächzt die „Deborah" in Cincinnati über unser Krächzen in Berlin, das sie ja ganz und gar nicht angeht? Wir wollen uns, gleich dem amerikanische Blatte, auf Gedankenlesen verlegen und die Frage dahin beantworten: Unter den in unserem Blatte veröffentlichten Aufsätzen sind die polemischen die einzigen, welche die „Deborah" ihrer Richtung wegen nicht Nachdrucken darf, und „Hinc illae lacrimae“, wie der Lateiner sagt, oder: „Hier liegt der Hund begraben", wie der Deutsche sich ausdrückt. — Das argentinische Hilfswerk. Zu dem von uns in der vorigen Nummer reproduzierten Berichte über den in der Ueberschrift bezeichneten Gegenstand teilt ein russischer Journalist, S. Junghertz, der s. Z. in Paris einer Abordnung russischer Juden als Dolmetscher gedient hat, der „Deutschen Warte" einiges über ein Gespräch mit, das er mit Baron Hirsch geführt hat. Der Baron soll aus eine im Namen der Deputation geführte Beschwerde über gewissenlose Verwalter—zumeist „außerordentlich gewandte und vielseitige rumänische und englische Juden, die die Kolonisten auf das Unmenschlichste bedrückten und sich 'an den von Baron Hirsch zur Verfügung gestellten Geldern bereicherten", — erwidert haben: „Meine Absichten waren die besten, denn ich wollte ernstlich den Versuch machen, meinen bedrängten Glanbensgenossen ein glückliches Vaterland zu schaffen. Ich hätte gern noch zweimal fünfzig Millionen geopfert, hätte ich mich überzeugen können, daß meine Absichten durchführbar waren. Ich habe bis heute auf Euer (der Kolonisten) Verlangen die Verwaltung bereits viermal geändert. Niemals aber habe ich Anerkennung, sondern stets Undank gesunden. Ich weiß, daß wir, ich und Ihr, betrogen werden. Ich allein bin nicht imstande, die Sache zu leiten. Hätte Gott mir nicht den einzigen Sohn genommen, dann wäre dieser zu Euch gekommen und Euch sicher ein gerechter und wohlwollender Freund geworden. Wenn Ihr es könnt, ich bitte Euch, helft mir, steht mir zur Seite. Noch ist nicht alles verloren. Ich wollte, daß im Verlaufe von 10 Jahren jeder Kolonist sein freies Eigentum besitze. Wenn einer geschickter ist als ich, dann soll er sich der Direktion annehmen. Habe ich mein Geld hergegeben, so mögen andere ihren Verstand hergeben. Aber gerade die Verständigen sind am wenigsten philanthropisch — sie werden geldgierig nnd herzlos. Ich habe viel gewonnen im Leben, habe aber niemals mich von Geldgier leiten lassen. Was ich that, that ich aus innerem Drange und nicht in der Absicht, ein reicher Mann zu werden. Der bin ich zwar geworden, aber nun sehe ich, daß ich nicht einmal imstande bin, meinen Brüdern mit meinem Reichtum zu Helsen." Junghertz erzählt weiter: „Ich sprach dem Baron gegenüber unverhohlen meine Ansicht aus, daß das Werk in Argentinien nutzlos und von nicht langer Dauer sein werde. Er entließ uns sehr ernst und drückte jedem die Hand; auch ordnete er an, daß die nicht wieder nach Argentinien zurückkehrenden Deputierten mit Mitteln versehen werden sollten, um in Frankreich bleiben zu können." . * Zum Ursprung der Legende von den drei Ringen teilt Herr Dr. Friedländer aus dem 1771 erschienenen Buche „Scheerith Israel" eine Reminiszenz mit: Es war kurz vor Beginn des ersten Kreuzzuges. Ein Mönch namens Nicola forderte den König von Frankreich auf, die „Ungläubigen" in seinem eigenen Lande, d. i. die Juden, zu bekämpfen, dieweil sie die größten Feinde und Lästerer des Christentums seien. „In allen ihren Schriften wird der Christenhaß gelehrt und gepredigt. Wenn ein Jude einem Christen begegnet, grüßt er ihn freundlich, unb sobald er ihm den Rücken gekehrt, verflucht und verwünscht er ihn." Diese Wissenschaft wollte der Mönch von einem getauften Juden haben. Der König wollte sich aber selbst von der Wahrheit dieser Mitteilung überzeugen. Er ließ einen der jüdischen Gelehrten seines Ortes kommen und sprach zu ihm: „Sage mir, welcher Glaube ist vor Gott de» allein wahre und angenehme, der christliche oder der jüdische?" Der Gelehrte, Efraim Schango mit Namen, erkannte sofort die ihm Und seinen Glaubensgenossen gelegte Falle. Er bat darum den König um drei Tage Bedenkzeit, ehe er die gewünschte Antwort erteilen werde. Diese Bitte wurde ihm gewährt. Nach drei Tagen erschien Efraim niedergeschlagen, mit verbundenem Kopfe vor dem Könige. „Was ist Dir geschehen?" fragte der König. „O, großer Fürst", antwortete der Jude, „vor einem Monate zog mein Nachbar übers Meer, vor seiner Abreise jedoch gab er jeden: seiner Söhne einen reich mit Diamanten gefaßten Ring zum Andenken. Bald gerieten die zwei Brüder in Streit darüber, welcher Ring der ivertvollere sei, denn jeder behauptete, der seine müßte es sein, weil der Vater ihn lieber gehabt hätte, als den Bruder. Endlich ernannten sie mich zum Schiedsrichter. Allein ich war umsoweniger in der Lage, ihnen einen befriedigenden Bescheid zu erteilen, als ich nie im Leben solche täuschend ähnliche Edelsteine gesehen habe. Als die Brüder jedoch in mich drangen, ihnen zu sagen, welcher von den Ringen der kostbarste sei, gab ich ihnen folgende Antwort: „Euer Vater, der sie euch zum Geschenke gegeben, er allein weiß, welcher der kostbarste sei; gehet hin und fraget ihn." Diese Antwort versetzte die Brüder in solche Wut, daß sie mich schlugen nnd verwundeten." — „Nenne mir die Elenden, damit ich sie züchtige," ries der König erzürnt ans. „Großer,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.