Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 32 (7.8.1896)
- Date
- 1896-08-07
- Page
- Seite 539 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 82. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 539. Nr. U ufWmung. tieS^b(" "■ ®intra|%« aj0ifg. " n“ »«««Ende ®<*(le sihr lilch g„ Uflebotener wird bunt di, idjten 600 Seelen jchi^ ein "°rmaler Zuwachs von mmscheu Folgen gänzlich ".hen Aufnahmen ': zur Zeit, Juden stand. ln Preußen 141737, die 153688 Juden. Ter 8851, was eine jährliche otz der wirklich grausigen rals verursachten, wurde : obigen Zahlen berichten, :e 1867 blieb die Turchich konstant. Nach vier ich stark herabgegangen, rufen in jenem Zeitraum n Ermittelungen ergeben m der letzten Jahre auch .867 und etwas darüber iwuchsen als die Christen, eruntergegangen, daß sie jen Prozentsatzes beträgt, jüdischer Seite auf 1 3 e Zunahme der Taufen ve relative Abnahme der derung ebensowenig die erika hat allerdings eine nderung aus Europa zu h russische Juden haben stger Jahre Europa den 1 die durch die russiichen Jahre wiederum eine uzüge außerordentlich m nerika in einer Beztehunz Lachstum der Juden von nähme begriffen m hm- .-I.nelle Volkszählung' en vorgenommene »-wt# 'lo dechlb-» «»liG pieS 60 000 «Jj 1 A»'®" fi diea-d---»'.* das f* f“* Kinderreichtum des Juden hat. Die jüdischen Ehen bleiben weit hinter dem Durchschnitt zurück und die Tendenz der Bewegung ist immer noch eine sinkende. So wurde 1893, wenn man die Hälfte der Mischehen den Juden zurechnet, in Preußen 2723 und im Jahre 1894 nur 2538 Ehen geschlossen, ein um so ungünstigeres Resultat, als 1894 die Eheschließungen überhaupt zahlreicher als 1893 gewesen sind. Ueberhandnehmendes Junggesellentum und meist in vorgerückterem Alter geschlossenene Ehen bilden die ausreichende Erklärung für das Zurückgehen der jüdischen Bevölkerung. Ohne aus die entfernteren Ursachen dieser statistisch erhärteten Thatsachen einzugehen, begnüge ich mich auf einen Umstand hinzuweisen, der gewiß nicht ohne kausalen Zusammenhang mit jenen steht. Die Verminderung der Juden trat im Jahre 1870 zuerst in die Erscheinung. Im Jahre vorher wurde die allgemeine Freizügigkeit auch für die jüdischen Unterthanen proklamiert und damit jenes Wettrennen in die größten Städte inszeniert, das bis auf den heutigen Tag noch seinen Abschluß nicht gefunden hat. Die Konzentrierung und Kasernierung — die Ansammlung in großen Städten bedeutet bei den heutigen wohnlichen Verhältnissen nun einmal nichts anderes — in den Kapitalen geht immer mit leiblicher Degeneration Hand in Hand, ja es giebt Volkshygieniker, die das Aussterben der städtischen Bevölkerung in wenigen Generationen als ein physiologisches Gesetz hinstellen. Wenn das richtig ist, dann ist das Judentum in Westeuropa auf den Aussterbeetat gesetzt, denn der Zug in die Industriezentren vollzieht sich seitens des jüdischen Stamnies mit einer derartigen Vollkommenheit, daß die „kleineren Gemeinden" immer mehr zusammenschmelzen und massenweise ganz eingehen. Dieser Zug in die Kulturzentren ist zwar dem geistigen Fortschritt sehr dienlich, führt aber zum Verfall der Volkskräfte, und zwar um so sicherer, je mehr die Massen von den Wetten der Zivilisation erfaßt werden und unter geistiger Ueberbürdung allmählich verkümmern. W 0 ch e n - (£ l? r 0 n i t Berlin, 29. Juli. — Statistisches. Die konfessionellen Verhältnisse im höheren Unterrichtswesen Deutschlands stellen sich wie folgt: Es kommen auf je 10000 Einwohner im ganzen Reiche 50 Schüler höherer Lehranstalten, auf je 10000 Protestanten 55, aus je 10000 Katholiken 32, auf je 10000 Dissidenten 49 und aus je 10000 Juden 333. Für die einzelnen größeren Bundesstaaten stellt sich das Verhältnis folgendermaßen: Von 10000 Preußen besuchen 45 eine höhere Schule, und hierbei kommen auf je 10000 Katholiken 27, auf je 10000 Protestanten 50, aus je 10000 Juden 333. Von 10000 Bayern besuchen 53 eine höhere Schule; es kommen auf 10000 katholische Bayern 42, auf 10000 protestantische Bayern 67, auf 10000 jüdische Bayern 370 Schüler. Die Verhältniszahlen sind für Württemberg: 84, 53, 93, 590; für Baden: 64, 41, 86, 417; für Hessen: 68, 50, 67, 333; endlich für das Königreich Sachsen: 40, 23, 40, 357. — Darum .... Auch unsere Antisemiten beklagen sich über unsere Rabbiner, und zwar nicht etwa über deren Vorbildung und Amtsführung, sondern .'. . . doch lassen wir sie selbst sprechen. Von dem frommen „Reichsboten" sekundiert, schreibt nämlich die „Deutsche Wacht": „Das Rabbinertum hat dagegen niemals in den dreißig Jahren, seitdem die Sozialdemokratie durch die Juden Marx und Lassalle in Deutschland entfesselt wurde, ein Wirken gegen den Umsturz bezeugt; sie (wer? „die" Rabbinertum? Red.) hatte weder ein Wort des traurigen Erstaunens über die auffallend große Anzahl von jüdischen Agitatoren, noch ließ sie (?) ein Wort der Warnung in die jüdischen Gemeinden und Familien dringen, wie es ihre religiöse Pflicht gewesen wäre. Eine Priesterschaft aber, die in diesem Kampf Waffenruhe hält, ist für Volk und Obrigkeit nicht nur von keinem Segen, sondern sie belastet noch den sittlichen Status der Gesamtheit mit dem Fluch einer schweren Unterlassungssünde. Handlungen nämlich, vor denen nicht autoritativ gewarnt wird, hält jedes Volk nicht ungern für erlaubt, und so scheint es, daß viele Juden im Hinblick auf das Stillschweigen ihrer religiösen Instanzen . . . eine sozialdemokratische Agitation in Deutschland nicht nur nicht für sündhaft und verboten, sondern sogar für erwünscht und ehrenvoll halten." — Ist es angeborene oder erheuchelte Dummheit, die aus diesen Zeilen spricht? Wir wollen zur Ehre des Blattes das erstere annehmen und aus die allerneueste und alleralbernste antisemitische Anklage kurz erwidern: „Die" Rabbinertum „kämpft" unseres Wissens deshalb nicht auf der Kanzel wider die Sozialdemokratie, weil der politische Kampf nicht in das Gotteshaus gehört. — Die Antisemiten unter sich. Aus eine Auslassung Liebermanns in den „Deutsch-sozialen Blättern", in welchen v. Mosch sogenannter „Führer der Antisemiten" genannt und die Moschsche „Reform" als ein Blättchen, von dessen Vorhandensein neunundneunzig Hundertstel der Antisemiten keine Ahnung haben, hingestellt wird, antwortet Hans v. Mosch dem Herrn v. Liebermann: „Das ist eine echt Liebermannsche Leistung: Hochtrabend, mit sogenannten „Witzen" gespickt, oberflächlich und — unwahr! Nun, wir lassen uns nicht „blenden", wie so mancher andere, sondern wollen Herrn Liebermann v. Sonnenberg mit einigen kühlen Fragen und Antworten aufwarten: 1. Ein „sogenannter" Führer, und sei es auch nur ein ehrlicher, einfacher Korporal, im Vortrab des Heeres, ist jedenfalls für die Sache besser, als ein General, der fortwährend in feindlichen Lagern umherschwenzelt und dabei „politische Geschäfte" macht! 2. „Ein Blättchen, von dem "/100 der Antisemiten keine Ahnung haben und das einer Gebelaune seine Scheinexistenz dankt?" Nun, Herr v. Liebermann, die „Deutsche Reform" hat ebensoviele Abonnenten wie Ihre hochwerten „Deutsch-sozialen Blätter". Den Aufschwung verdankt es meiner Arbeit. Ihr Blatt hat Th. Fritzsch groß gemacht! Sie können nur Blätter kleinkriegcn, — wie wars doch s. Z. mit Ihrem Berliner Blättchen?? „Das Blatt fristet durch eine Gebelaune eine Scheinexistenz?" Nun, Herr v. L., welche Gebelaune hat denn s. Z. Ihre Scheinexistenz gefristet und wer fristet denn heute Ihre Existenz?? Sie haben wohl ein sehr schlechtes Gedächtnis?! Wenn es Not thut, bin ich bereit, es einmal aufzufrischen! Ich bin ohne Schulden in die Bewegung eingetreten und habe außer meiner Pension 3- bis 4000 Mark baar hingegeben, habe also Summa