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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-08-07 · 32 (7.8.1896) · p. Seite 537

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
32 (7.8.1896)
Date
1896-08-07
Page
Seite 537 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 537. i Nr. 32 ' a zu cinem Gesandten - ""7 Wch sich cichtte, : und Christ - mit nsch Herrn Pobjedono^zeiv it", nahe genug, um das;nncn- Auf diesen Toten ' berufen, denn es leben ' Kunde geben können, tokmendig schienen, werden $ erwähnten Auslassungen inen, daß er es für ratsam Fanatiker zu scheinen. Er der seinen Fanatismus zu auch abzukommandieren U A. K. dies» feitttm ^iitetoieio« cher kann den Renichen geschehen, n>e verkörnert zu sehen. 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Im grauen Altertum und auch später nach der Auflösung des Römerreiches, als die alte klassisch-heidnische Kultur in Trümmer lag und sich neue Völkerschaften anschickten, das Erbe der alten Welt anzutreten, vollzog sich die Gründung eines staatlichen Wesens auf dem Wege der brutalen Gewalt, die damals im Zeitalter der barbarischen Unmittelbarkeit durchaus logisch und zeitgemäß war; heutzutage ist dies unmöglich und sinnlos. Damals konnte sich ein Volksstamm mit Kind und Kegel und mit aller beweglichen Habe ausmachen, um sich ein Heim zu — erobern, sei es, weil ihm sein alter Wohnsitz nicht mehr behagte, oder daß er von dort durch einen mächtigern Stamm vertrieben worden wäre. Der wandernde Stamm brauchte bei dem Betreten der neuen Heimat keinen Reisepaß vorzuzeigen; auch plagte er sich nicht viel mit dem Gedanken herum, ob er irgend welches Anrecht auf den Boden, den er erobern wollte, besäße. Und nicht nur den Boden wollte er haben, er nahm auch, wenn angängig, die Habe der besiegten Ureinwohner mit in den Raub, mitunter sogar deren Körper als leibeigen. So wurden damals neue Staaten „gegründet", mit brutaler Gewalt, mit Blut und Eisen, mit derben Fänsten und Fußtritten; jedenfalls aber nicht im Frack und in weißer Binde. Die staatliche Unabhängigkeit wiederum haben in unserem Jahrhundert sozusagen vor unseren Augen Volksstämme erlangt, die Jahrhunderte hindurch auf dem eigenen Boden unter dem Fremdenjoch gelebt, bis ihnen durch eine günstige politische Konjunktur gelingen konnte, das Joch abzuschütteln. Auch diese Analogie trifft aber bei uns nicht zu. Da sollen die Juden ihre Heimat verlassen, ganz auf legalem Wege, mit Reisepässen versehen, sich einschiffen oder die Eisenbahn besteigen, ihre Habe nach dem üblichen Tarif verfrachten und in Palästina bei der türkischen Zollbehörde verzollen, dort Boden ankaufen, sich langsam zu Bauern ausbilden, um nach Jahren eine große Ansiedlung in Palästina zu schassen, die später sich würde selbständig machen können. Auf diesein Wege kann keine Nation, kann kein Staat entstehen. Dies ist der bare Unsinn, weil sämtliche jüdische Millionäre nicht die Mittel besitzen, auch nur hunderttausend Familien auf diese Weise auzusiedeln. Abgesehen davon sind auch die politischen Verhältnisse der Türkei nicht so einfach, daß man glauben könnte, so ohne weiteres eine große jüdische Kolonie in Palästina gründen zu können- Herr Dr. Herzl hat zwar zugestanden, der „Judenstaat" könne auch anderswo gegründet werden; nur hat er leider vergessen, uns irgend einen geeigneten Erdpunkt dafür zu bezeichnen. Mit dem Mond haben wir vorläufig noch keine Kommunikation. Baron Hirsch hat mit hundert Millionen Francs die Begründung von jüdischen Kolonieen in Argentinien versucht; es sollten sich etwa fünftausend Familien dort ansiedeln. Der Mißerfolg, dessen Ursache noch immer nicht bekannt ist, zeigte eben klar, wie schwer es ist, solche phantastische Gründungen ins Leben zu rufen. Das sehen wir auch bei den modernen Kolonialschöpsungen europäischer Großmächte, welche doch wenigstens über große Mittel, politische Autorität, große Flotten und materielle Macht verfügen. Und doch sind die meisten Kolonieen die Schmerzenskinder ihrer Gründer. In früheren Jahrhunderten konnte eine verwegene Schar mit der Flinte in der Hand in von „Wilden" bewohnten Ortschaften Vordringen, während heutzutage jeder Flintenschuß unter den europäischen Nationen einen lauten und daher oft unliebsamen Widerhall findet. Ist schon der Plan des „Judenstaates" kindisch genug konzepiert, so muß man noch mehr das Haupt über die Imponderabilien schütteln, welche dabei inbetracht kommen. Herr Dr. Herzl und seine Nachbeter meinen, der Haß gegen die Juden werde nie aufhören, weshalb für die Juden ein Asyl gegründet werden müsse. Ich bin noch nicht vollständig sicher darüber, ob die Prämisse ganz richtig sei. Das Antisemitenfieber, von dem die meisten europäischen Völker gegenwärtig durchschüttelt werden, beweist noch immer nicht, daß in wenigen Jahren die ganze Epidemie nicht erloschen sein könnte. Vielleicht tritt sogar bald die Krise ein, welche sich uns als die Vorboten einer baldigen Genesung ankündigen wird. Shakespeare giebt eine alte Ersahrungsregel wieder, wenn er sagt: Vor der Genesung einer heftigen Krankheit, Im Augenblick der Kraft und Beff'rung, ist Am heftigsten der Anfall; jedes Nebel, Das Abschied nimmt, erscheint am übelsten. Man droht uns immer mit dem „roten Gespenst", mit dem Umstand, daß die „Judenfrage" eine ökonomische Frage sei. Nun, deshalb muß man nicht gleich allen Mut verlieren. Trotz der vorhandenen Spannung ist die soziale Frage gegenwärtig in keinem gefährlicheren Stadium als früher, in dem sie oft nur durch blinde Wut zum Ausdruck kam. Gegenwärtig wird doch mit vielem Ernst versucht, die soziale Frage auf dem Wege der wissenschaftlichen Ergründung zu lösen, die mit dem Rassen- oder dem Religionshaß nichts zu thun hat. Das internationale Proletariat hat auch klugerweise mit der antisemitischen Hetze nichts zu schaffen, diese dem gebildeten Pöbel und der krankhaften nationalen Unduldsamkeit gewisser geistig verkrüppelter Volksklassen überlassend. Die Pfleger des antisemitischen Sports sind imgrunde genommen unfern „Zionisten" sehr ähnlich: „Schreier ohne Fähigkeit", wie Lichtenberg sagt. Und wie wir das krankhafte Gebahren der nationalen Empfindung drüben widerwärtig finden, so müssen wir uns ebenfalls davon fern zu halten trachten. Aber selbst wenn iuderthat die sogenannte „Judenfrage" auch aufhöreu sollte, die Gemüter in Europa und in allen Kulturstanteu zu beschäftigen, so ist zwar die Frage, wie immer bei solchen Fällen, „verflucht wichtig", die Lösung jedoch so abenteuerlich als möglich. Denn man wird sich doch im Ernst nicht einbilden wollen, daß hunderttausend Juden an irgend einem Winkel in politischer Selbständigkeit, wenn man dies eine politische Selbständigkeit nennen kann, den andern Juden in der Diaspora einen Rückhalt geben würden. Wenn es der russischen Regierung einsallen möchte „ihre" Juden zu drangsalieren, so glaube ich nicht, daß sie

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