Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 31 (31.7.1896)
- Date
- 1896-07-31
- Page
- Seite 530 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 530. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 31. wesenden Rabbinern und den Synagogenvorstehern getragenen Thorarollen unter Gesang von Psalm 24, 7—10; vor geöffneter heiligerLade: Glaubensbekenntnis^), Einsetzung der Thorarollen, Gesang. Alsdann erfolgt die Ansprache des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes Herrn Professor Dr. Samuel; hierauf Chorgesang des Festpsalms 84; Weiherede des Herrn Rabbiner Dr. Werner. Die Feier endigt mit dem Schlußliede: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn." Zur Teilnahme an der Feier werden Einladungen an die Spitzen der Provinzial- und städtischen Behörden, verschiedener Körperschaften, Vereine und distinguierte Persönlichkeiten ergehen. u. Breslau, 27. Juli. Vor der antisemitischen Agitation auf dem platten Lande zeigt die konservative „Schles. Ztg." große Besorgnis. Sie fürchtet, daß die Antisemiten den Bund der Landwirte zu sich herüberziehen, und spricht von einem antisemitischen Plan, unter Hinzuziehung einzelner Mitglieder des Bundes eine neue Agrarpartei zu gründen. Dieser Plan habe bereits ziemlich greifbare Gestalt angenommen, nur mag es den antisemitischen Akteuren nicht opportun erscheinen, ihre Pläne jetzt schon vor der Oeffentlichkeit zu enthüllen. Die Mitglieder des Bundes der Landwirte müßten sich über die drohende Gefahr klar werden. — Jetzt möchten die Konservativen die Antisemiten, die sie selbst gerufen haben, gern wieder los sein. Hamburg, 26. Juli. Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder hat 53 Knaben und 45 Mädchen zu einem mehrwöchigen Aufenthalt in die Sommerfrische gesandt. Alle Kinder bis auf 4, die in Wandsbek blieben, kamen nach Oldesloe. Die Kinder unternehmen von dort aus unter Leitung eines Lehrers und dreier Lehrerinnen größere oder kleinere Spaziergänge in die Umgegend und erhalten nach ärztlicher Anordnung Soolbäder. Es konnten diesmal so viele Kinder bedacht werden, weil ein Freund des Vereins sich bereit erklärte, die Kosten für zehn zu übernehmen. X Stuttgart, 27. Juli. Nach einem Artikel des Dr. jur. Rettich in den „Württembergischen Jahrbüchern" über die württ. Kriminalität kommen von den 1882—91 Verurteilten auf je 10000 strafmündige Personen derselben Konfession 97,3 Evangelische, 115,3 Katholiken und 78,4 Israeliten. — Die Israelitische Waisenanstalt in Eßlingen hat soeben ihren Rechenschaftsbericht pro 1895/96 erscheinen lassen. Nach demselben erlitten zwar die Gesamteinnahmen einen Ausfall, alleiu er ist durch Ersparnisse in den Ausgaben annähernd beglichen worden. Die Anstalt erhielt im letzten Verwaltungsjahre an Legaten und Stiftungen 5437 Mk., an Spenden 8175 Mk., an Kostgeldern 1757 Mk., an Beiträgen vom königl. Staatswaisenhause 260 Mk., au Zinsen 13 390 Mk. und verausgabte für Besoldungen 4042 Mk., für Lebensmittel 7656 Mk., im ganzen über 18000, und besitzt jetzt außer dem Gebäude 360591 Mk. Der Zögliugsstand ging von 39 aus 37 zurück. Acht Zöglinge traten aus, sechs wurden neu ausgenonlmeu. e. Aus Bayer», 24. Juli. Der israelitische Lehrerverein für das Königreich Bayern hält Montag, den 3. August, nachmittags 3 Uhr, im Anschluß an die XIII. Hauptversammlung des bayerischen Volksschullehrervereins zu München im Beratungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, Herzog Maxstraße 711, seine Generalversammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Begrüßung; 2. Berichterstattung des Vorstandes; 3. Vortrag: Rück- und Vorblick, Referent: Vorstand Goldstein-Heidingsfeld; 4. Neuwahl der Vereinsverwaltung. Gönner und Freunde des Vereins sind zur Versammlung höslichst eingeladen. O Basel, 26. Juli. Seit dem Verbot des Schächtens bezieht die jüdische Bevölkerung der Schweiz das Fleisch aus den Nachbarstaaten. Durch einen vorzüglich organisierten Versand werden sämtliche jüdische Gemeinden der Schweiz drei- bis viermal wöchentlich mit frischem Fleisch versorgt. Selbstverständlich bedurfte es hierzu bedeutender finanzieller Opfer. Während sich die jährliche Mehrausgabe für Basel, das seitdem nur prima deutsche Ware bezogen hat, auf rund 40000 Fr. beziffert, oder bei 250 Familien auf 160 Fr. für jede, beträgt solche für die Zentralschweiz 120 Fr.; für die wenigen in Frage kommenden Gemeinden der französischen Schweiz und des Berner Jura, die teilweise ebenfalls über Basel, teilweise aus dem Savoyischen sich versorgen, etwa 135 Franken. — Rom, 24. Juli. Der neue italienische Finanzminister, Luigi Luzzatti, bekleidet dieses Amt nicht zum ersten Mal, er hatte dasselbe Portefeuille bereits 1891 inne. Er war vorher Professor der Nationalökonomie an der Universität Padua und wurde von dieser Stadt auch zum Abgeordneten für die Deputiertenkammer gewählt, wo er sich in der Budgetkommission auszeichnete. 1885 war er der Vertreter Italiens auf der internationalen Münzkonferenz in Paris. 1887 wurde er anläßlich seiner Thätigkeit in Wien und Budapest von Kaiser Franz Josef sehr ausgezeichnet. Obwohl Jude, ist er jetzt zum zweiten Male Finanzminister, er hätte es schon früher wieder werden können, aber Luzzatti wollte seinen Lehrstuhl an der Universität nicht aufgeben. Nur in Italien und in der Türkei ist es bisher jüdischen Staatsmännern der Gegenwart möglich, bis zu den höchsten ersten Stellen im Staate vorzudringen. So ist einer der höchsten Beamten der italienischen Gesandtschaft in London, Graf Hirsche! di Minerbi, Jude, ebenso der Direktor des Auswärtigen Amtes in Rom, Herr Malvano. Doppelt soviel jüdische Mitglieder als im englischen Unterhause und Oberhause sitzen in der Kammer und im Senat Italiens und, was wohl zu bemerken ist, sie betonen fast alle die feste Anhänglichkeit an den Glauben ihrer Väter. O Prag, 25. Juli. An der hiesigen deutschen Universität wllrde Professor Horaz Krasnopolsky zum Dekan der juridischen, Professor Guido Goldschmidt zum Dekan der philosophischen Fakultät, an der czechischen Universität Hosrat Professor Alois Zucker zum Dekan der juridischen Fakultät gewählt. t- Wien, 26. Juli. In der Wiener Stadtverwaltung beginnen die verschiedenen Fraktionen der Antisemiten sich schon zu zanken. Der ganz aus Antisemiten zusammengesetzte Stadtrat (Magistrat) ernannte auf Antrag Luegers den Magistrats- Vizedirektor Tachau zum Magistrats-Direktor, der an der Spitze des Beamtenkörpers der Stadt Wien steht. Die Ernennung war von einem großen Teil der antisemitischen Presse leidenschaftlich bekämpft worden, weil Tachau der Sohn eines getauften Juden ist. Im Zusammenhang damit steht der