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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-31 · 31 (31.7.1896) · p. Seite 528

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
Seite 528 (sequence 12)
Language
German
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Jte- Seite 528. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr 31. häufte, ihre Augen sich umflorten und ihrem Herzen schwere Seufzer sich entrangen. Ich merkte, daß ein großes Leid die gute Frau drücke, frug sie auch nach dem Grunde ihrer Niedergeschlagenheit, ist sie doch meine zweite Mutter; aber sie schloß mir den Mund mit Küssen, und um nicht indiskret zu erscheinen, konnte ich natürlich nicht weiter in sie drängen. Sie erkundigte sich auch fürsorglich nach Deinen! Befinden, Großväterchen, und man sah es ihr an, wie unlieb es ihr war, Dich nicht angetroffen zu haben. Vielleicht wollte sie sich über den Kummer, der sie drückt, mit Dir aussprechen und Deinen Rat einholen. Ich versprach ihr, daß wir sie recht bald besuchen werden, aber seltsamerweise erwiderte sie nichts daraus und mir kam es vor, als käme ihr unser Besuch nicht gelegen. Du thätest trotzdem gut, wenn Du hingeheu möchtest. Dir wird sie sich anvertrauen und Du wirst ihr Rat und Trost spenden." Reb Isaak hörte schweigend der Mitteilung seiner Enkelin zu und seine Stirne umwölkte sich. Er glättete sich mit der Handfläche seinen langen Bart, zog Mirjain an sich und drückte einen Kuß auf ihre Stirne. „Du weißt, mein Kind, daß ich der Faniilie sehr gut bin und daß ich besonders für Frau Nagelfein alles thun möchte, wenn sie meiner je bedürfen sollte. Aber das ist nicht der Fall, ihr fehlt gottlob nichts, und ich will Dir den Grund ihres veränderten Benehmens sagen. Du, mein unschuldiges Kind, weißt nicht, daß die Leute, oder richtiger, daß die geänderten Verhältnisse die Denkweise der Leute ändern und das ist der Schlüssel zum Benehmen der Frau Nagelfein. Sic mit ihrem gutmütigen, gläubigen Gemüte hängt noch an uns, kann sich in die neue Umgebung nicht hineinfinden und das macht, daß sie mit sich selbst unzufrieden ist. Ihr Mann aber ist keiner tiefen Empfindung fähig, er hascht nur nach grellen Effekten, und der materielle Erfolg macht ihn rücksichtslos. Er schämt sich seiner Vergangenheit, er schämt sich der „Gaffe", in der er geboren, erzogen und auch reich geworden. In seiner Eitelkeit genieren ihn seine alten Bekannten, ja selbst der heilige Glaube unserer Väter ist ihin ein Hemmnis und von seiner eingebildeten Größe geblendet, möchte er alle und alles, seine Familie und seine Herkunft vergessen. Wie ich aber Frau Nagelfein kepne, kann sie diese modernen Ideen ihres Mannes nicht teilen, denn ihr Wesen wurzelt in der alten Umgebung. Andrerseits aber ist sie zu schwach, um gegen den Willen ihres Mannes ankämpfen zu können, und das verdüstert ihr Ge:nüt und raubt ihr jeden Halt. Ich vermute, daß ihre Besuche bei uns von ihrem Manne nicht gntgeheißen werden, und das macht sie auch besangen. Das aber sind Familienangelegenheiten, in die sich niemand mischen darf. Darum ist es für sie und für uns besser, wenn wir ihr allmählich die völlige Trennung erleichtern. Sie passen nicht mehr in unsere und wir nicht mehr in ihre Mitte, und wenn Frau Nagelsein merken wird, daß auch wir gleichgiltiger, kühler iverden, wird sie vielleicht den Bruch weniger schmerzlich empfinden. Und auch Robert kann nicht mehr die Sympathien Rubens für uns teilen; trägt doch sein Vater dafür Sorge, aus seinem Innern jede Erinnerung an die Vergangenheit auszumerzen, und wenn er uns dennoch von Zeit zu Zeit besucht, so geschieht es, weil er von Natur ein guter Junge und mehr der Mutter als dem Vater ähnlich ist. Doch werfen wir einen Schleier über die früheren Projekte." Der Greis hauchte schnell einen Kuß auf die Stirne des Mädchens uud verließ hastig das Zimmer. Wie aus einem Traume erwachend, schaute Mirjam ihrem Großvater nach. Der Schluß der langen Rede hallte ihr in den Ohren wieder, sie versuchte die wirren Gedanken zu sammeln und es dämmerte ihr eine Ahnung auf. Ja, sie kannte ihren Großvater, wußte, daß er jedes Wort überlegt und mußte deshalb auch dem Schlußpaffus „werfen wir einen Schleier über die früheren Projekte" ein tiefer Sinn zu Grunde liegen. Also es war sein Wille, daß sie Rüben vergesse, daß sie ihr pietätvoll gepflegtes und großgehegtes Gefühl aus ihrem Innern reiße und das alles, weil Philipp Nagelfein jetzt reich ist, weil er andere Ansichten, andere Gedanken hegt? Aber was hat denn das mit ihrer — ja mit ihrer Liebe zu schaffen? „Die Leute schämen sich ihrer Vergangenheit, die alten Bekannten sind ihnen im Wege", hat der Großvater gesagt, und er weiß auch Menschen zu beurteilen. Aber Rüben, ihr Rüben, kann das auch auf ihn augewendet werden? Warum sollte er nicht der Alte geblieben sein? Weil er jetzt andere Gesellschaft aufsucht? Nein, er ist noch iminer der Alte, hat er ihr doch erst jüngst so seelenvoll ins Auge geschaut, daß Beider Hände in einander zitterten. Sie nähert sich dem Fenster, streicht sich das Haar aus der gedankenschweren Stirne, ihre Augen suchen das sternbesäete Firmament, wie um sich da Gewißheit zu verschaffen. _ (Fortsetzung folgt.) Epigramme iinb S'rntntp. Ein Mensch, der von Jugend ans verkehrte Grundsätze eingesogen hat, ist wie ein uneben geschliffener Spiegel, der nur verzerrte Bilder zurückwirft. Die Heldentugenden unserer Vorfahren sind Schaninünzen von edlem Metall, die zwar nicht mehr im Kurse sind, aber als kostbare Kleinodien von Geschlecht zu Geschlecht aufbcwahrt werden. Wie viele Schalen muß man oft von einer Seele abwickeln, um endlich zu dem winzigen Kern zu gelangen. Wenn der Frühling wieder einzieht, so streut er auf seiner Bahn neues Lebe«, neue Herrlichkeit aus; aber tausendfaches Ungeziefer lauert schon über und unter der Erde, um Tausende von Keimen zu ersticken: So pflegen Neid und Schmähsucht ihre kalten Fangarme vergiftend und erdrückend uin das Schöne und Edle zu legen. Der höchste Verlust ist, sich selbst zu verlieren. „Kauft nicht bei Inden!" A.: „Höre einmal, Du predigst immer: ,Kauft uicht bei Juden', und doch sehe ich Dich fortwährend in jüdischen Geschäften aus- und eingehen!" B.: „Wer sagt, daß ich dort kaufe?" A.: „Was thust Du dann dort?" B.: „Ich pnmpe." * Eine Jüdin als Wachtmeister in den Freiheitskriegen 1813—14. Man weiß, daß auch einige Mädchen im Jahre 1813 den! Ruf des Vaterlandes folgten und in Männerkleidern Nr. 31. f A '1 lß 3,M<« >» d°> --!-i »r ä t|l »W ° für i.,re Tapferkeit er 9. Dezember 1815 schr lief, Esther Manuel jüdischer Abkunft un! Arafemus im Regim ihrem Manne, der sil 10 Jahre und einen SS Jahre 1813 nach Sch der Hilflosigkeit, wori halle,' selbst Kriegsdien ward, als sie in M das Königsberger zio dem Major von Hm 1811, erst als Frein wurde zweimal vernr der Gegend von Metz, 1811 im Arnieekorp Dennewitz das eifern 1811 mit ihrem Mann itand, bei Montmatr salzenden Tage burd Wunden und Auszeii Zeugnissen des Wohl | halte in Berlin, l ihren Kindern; mit eben der 1 seiner Maiesia erwarb. * dmit sie, ihre -s ich sie zu ihre: f zu durchlaufen! b

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