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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-31 · 31 (31.7.1896) · p. Seite 527

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
Seite 527 (sequence 11)
Language
German
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Sit. 31 / Itoteft bebeutcn At Msjua-ti |tl4. J,"""» »>t « -in,, d'»t AKl»,,, durch meine Unruhe dokuhin, dem Herrn Vorredner 1 zu danken, was ich schon , Seil «eher, henke ader habe ich znni iedeukung ich für meine Gelskändlich für den Antrag/ nstimmig angenommen und lahmen des neugegründeten bzuzweigen und die Summe lerwalten zu taffen. Aach tiben sollte die Verwaltung Vereins „Ahaivas Achim" Delegierte aus Krähwinkel s Ehrenamt ablehnen werde, , Lr schlug darum den Präü Religionslehrer" als Verg wisse, daß dieser auch den e, Diesem Vorschläge wurde Tagesordnung wurden dann; a Kräfte für das Vorsteherchrkursus in der Abfassung * Kündigungen und Verweisen.' mch die Abfassung von An-' lndebeamte in den Lehrplanrbgelehnt, da solche Schreiben / - \ ' mit ööi' sj|v 31 Allgnneine Israelitische Wochenschrift. Seile 527. P. 8. Soweit mein Bericht über den ersten Gemeindetag des G.-Bfür Dallesrode und Umgegend. Und nun gestatten Sie mir, einige Worte pro domo hinzuzufügen. Ich hege und pflege in Gemeinschaft mit meiner Frau meine Gedankenkinder, ehe ich sie an Sie nach Berlin schicke — an dem heutigen Berichte z. B. haben wir, meine Frau und ich, 14 Tage gearbeitet — ich schreibe Ihnen noch darüber — aber die armen Kindlein kommen nach Krähwinkel verstümmelt zurück. Dem einen fehlt eine Hand, dem andern ein Fuß - und so treten meine Gedanken vor ein großes Publikum ohne Hand und Fuß. Ist Ihr Setzer so gesetzt, daß er ohne Aufhebens mir die schönsten Gedanken umsetzen läßt? Oder ist Ihre Feder so spitz, daß sie mir alle Pointen abbricht? Oder ist Ihr Korrektor so hart, daß er meine Kinder streicht, anstatt sie zu streicheln? So lange es kein Lazareth für verstümmelte Gedanken giebt, bitte ich Sie, mir keine Gedankenkrüppel mehr nach Krähwinkel zu schicken und meine Berichte nicht mehr zusammenzustreichen. Neulich waren es 26 Seiten — ich schreibe Ihnen noch darüber. Der Fortschritt. Eine galizische Geschichte von S. Horowitz. II. Nachdruck verboten. Reb Isaak Pascheies, ein siebzigjähriger Greis, ging in seinem Zimmer in großer Erregung auf rrnd ab. Seine hohe, imponierende, vom Alter noch nicht gebeugte Gestalt schien die niedere Zimmerdecke berühren zu wollen; sein langer iveißer Bart, vom hastigen Gange bewegt, wallte auf die Brust nieder, und ein Sammetkäppchen bedeckte sein kahles, ehrwürdiges Haupt. Er durchmaß aufgeregt das Gemach, und manchmal bewegten sich seine Lippen leise, wie den ihn bestürmenden Gedanken Ausdruck verleihend. Jnr Zimmer war es sonst ruhig, nur das Ticken einer Standuhr unterbrach die Stille, und durchs Fenster fielen die letzten Strahlen der uittergehenden Sonne, daß die purpurnen Streifen auf Reb Isaaks weißem Barte golden schillerten. Er näherte sich dem offenen Fenster und sog mit sichtbarem Behagen die würzige Abendlust ein. Die Aussicht ging anf einen kleinen Garten, und nur gedämpft drang der Straßenlärm in die abgeschiedene Behausung des Greises. Er wandte seine Blicke gegen den in der glitzernden Pracht der Abenddämmerung prangenden Horizont, und sein Antlitz nahm solch einen mildfeierlichen Ausdruck an, seine Seelenstimmnng wurde eine so gehobene, daß die patriarchalische Erscheinung wie von einem strahlenden Nimbus umflossen erschien. Wie unbewußt falteten sich seine Hände, er wandte sein Antlitz gen Osten und leise bewegten sich seine Lippen, das Mincha-Gebet verrichtend. Er verharrte einige Minuten in dieser stillen Andacht, da öffnete sich die Thüre, Mirjam stellte eine angezündete Lampe aus den Tisch und drückte einen Kuß aus die Hand ihres Großvaters. Sie stand in ihrem neunzehnten Lebensjahre und war eine schöne, blühende Erscheinung. Sie war von mittlerer Statur mit proportionell entwickelten Formen, das Gesicht brünett, rosig angehaucht und voll Liebreiz, von üppigen Lockenwellen umrahmt, und hatte kohlschwarze, für ihr Alter etwas zu ernst blickende Augen. War sie doch eine Waise, hatte in ihrer Kindheit ihre Eltern verloren, und der alte Isaak mußte deren Stelle vertreten. Er leitete ihre Erziehung und wenn sie auch nach den Begriffen des Herrn Nagelfein nicht das Prädikat „modern" verdiente, so war sie dafür eine solide Erziehung. Freilich, eine perfekte Salondame war Mirjam nicht, sie konnte weder das Klavier maltraitieren, noch französisch parlieren, noch mit dem Fächer manövrieren, und ihre zarten Wangen wurden noch nie vom Puder zarter nuanciert. In der frivolen Romanlitteratur war sie nicht bewandert, aber dennoch belesen, und wenn sie auch keine sentimentalen Verse verfassen konnte, so wußte sie sich doch in Prosa treffend auszudrücken. Der alte Isaak gab wenig auf sogenannte äußere Vorzüge, er sorgte mehr für die Ausbildung des Gemütes und Mirjam brachte auch allem Schönen und Guten Interesse und Verständnis entgegen. Der greise Großvater konnte ihr natürlich die Mutter nicht ersetzen, sie fühlte sich deshalb etwas vereinsamt, und das trug dazu bei, daß ihr ganzes Wesen das Gepräge des Ernstes zeigte. Infolgedessen kannte sie keine oberflächlichen Gefühle, und wenn sie sich einmal einer Empfindung hingab, so senkte diese ihre Sonde bis auf ihren Herzensgrund. In erster Reihe war die abgöttische Verehrung für ihren Großvater, und das pietätvolle und zugleich zärtliche Andenken an ihre Heimgegangenen Eltern bildete die Folio ihrer großväterlichen Liebe. Die Szene am Sterbelager ihrer Mutter hatte sich ihrem Herzen tief eingeprägt; sie sah noch die segnend ausgebreiteten Arme und ihr Jugendgefährte Rüben, welcher sich jetzt als Kavalier Robert nannte, mußte konsequenterweise ihrem Herzen nahe stehen. Das neunjährige Mädchen hatte damals freilich kein Verständnis für die Geberdensprache, wußte nicht, wozu die sterbende Mutter ihre Hände ineinander gelegt, aber mit der Zeit mußte selbst dem naiven Mädchen eine Ahnung aufdämmern, umsomehr als verschiedene Bemerkungen ihrer Umgebung diese Vermurung bestätigten. Der Wille ihrer Mutter war ihr ein heiliges Vermächtnis und sie betrachtete sich als Rubens Verlobte; hat doch die sterbende Mutter diesem Bündnis in ihren letzten Atemzügen ihre Weihe verliehen. Das Gefühl für Rüben resultierte also ans ihrer kindlichen Liebe und schon aus diesem Grunde mußte es tiefe Wurzel gefaßt haben. Aber auch Rüben trug dazu bei, daß dieses Gefühl an Jntensivität gewinne, und obwohl Zeit und Verhältnisse sie etwas entfremdeten, so schlug sein Herz doch warm für seine Jugendgespiclin. Selbstredend wußte der Großvater von diesem stillschweigend anerkannter: Verhältnis, und das war eben die Ursache seiner Erregung. Er kannte das tiefernste Naturell seiner Enkelin ebenso gut wie die jetzige Gesinnung Nagelseins, und das machte ihn besorgt. Der Herr Robert war auch nicht mehr der ehemalige Rüben; so wie er jetzt war, mochte er ihn gar nicht als Gatten seiner Mirjam wissen und das erzeugte in ihm düstere Reflexionen. Er nahm in seinem Lehnstuhle Platz und Mirjam leitete das Gespräch mit der Mitteilung ein, daß Frau Nagelsein in seiner Abwesenheit dagewesen sei. „Sie war so niedergeschlagen," fuhr sie fort, „so ganz gebeugt, ihr Blick hatte so etwas Erustwehmütiges, daß ihr was Unangenehmes widerfahren sein muß. Gegen mich war sie wie immer zärtlich, aber was mich am meisten wunderte, ist, daß während sie mich mit mütterlichen Liebkosungen über-

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