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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-31 · 31 (31.7.1896) · p. Seite 526

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
Seite 526 (sequence 10)
Language
German
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Seite 526. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. ÜHv. 31. „Mein Herr! (Unruhe des Delegierten aus Krähwinkel.) Je länger ich unsere Gemeinoen anschaue, desto mehr finde ich, daß sie meinem Karoussel gleichen. Sehen Sie sich mein Karoussel morgen auf dem Jahrmarkt in Jammerthal genauer an — eine Fahrt kostet blos 5 Pfennig — da stehe ich unsichtbar in der Mitte, umgeben von 16 hölzernen Rossen. Die Rosse sind frisch gestrichen und gewähren ein Bild des Lebens. Leben sie denn aber in der That? (Der Delegierte aus Krähwinkel: „Nein!") Können sie sich bewegen? (Der Delegierte aus Krähwinkel: „Nein!!") Können sie ihren Reiter in die Runde führen? (Der Delegierte aus Krähwinkel: „Nein!!!") Da setze ich die Kurbel in Thätigkeit, und als hätten meine Rößlein Leben gewonnen, bewegen sie sich schaukelnd vorwärts und rückwärts und führen den Reiter in die Runde, immer schneller, immer schneller, daß es eine Lust ist zu schauen. Plötzlich wird das Tempo langsam und langsamer ... bis die Langsamkeit ihren Höhepunkt erreicht und es bis zum völligen Stillstand gebracht hat. Wie kam das? Sind die Reiter der Fahrt überdrüssig geworden? (Der Delegierte aus Krähwinkel: „Nein!") Sehr richtig: Nein! Ich kenne meine Jammcrthaler; für ihre 5 Pfennig möchten sie eine halbe Stunde herumkutschieren. Oder sind die Rosse müde geworden? (Der Delegierte aus Krähwinkel: „Nein!!") Sehr richtig: Nein!! Ihre kühn gerundeten Nüstern zeugen von Thatendrang und Reiselust. Ich habe blos meine Hand von der Kurbel zurückgezogen — und still stehen Roß und Reiter, als hätten sie nie eine luftige Fahrt unternommen auf der Rundbahn von Dallesrode und Umgegend. Wer also ist impliciw das Karoussel? Sind es die Rosse? (Der Delegierte aus Krähwinkel: „Nein!") Sind es die Reiter? (Der Delegierte aus Krähwinkel: „Nein!!") Sehr richtig: Nein!! Denn das Karoussel bin ich!!!... Mein Herr! (Unruhe des Delegierten aus Krähwinkel.) Also die Gemeinde Tallesrode, also die Gemeinde Krähwinkel, also die Gemeinden Israels. Die Rosse sind die Balebattim, die Reiter sind die Repräsentanten, der Kurbcldreher aber ist der Gemeindevorsteher. So lange dieser die Kurbel dreht, ist überall Leben und Bewegung. Zieht er seine Hand zurück — was sind dann die Repräsentanten? (Der Delegierte au§ Krähwinkel: „Nischt!") Was die Balebattim? (Der Delegierte aus Krähwinkel: „Ooch nischt!!") Wer also ist die Gemeinde? Sind es die Repräsentanten? (Der Delegierte aus Krähwinkel: „Nein!") Sind es die Balebattim? (Der Delegierte aus Krähwinkel: „Nein!!") (Mit gehobener Stimme, fast schreiend): Sehr richtig: Nein!! Die — Gemeinde — sind — wir — die Vorsteher. Und da nach diesem unumstößlichen Beweise die Invalidität der Vorsteher eine Invalidität der Gemeinde bedeutet, so ist es heilige Pflicht unserer Gemeinden, für ihre eigene Invalidität zu sorgen. Und darum müssen Sie, mein Herr, (Unruhe des Delegierten aus Krähwinkel) meinem Anträge zustimmen: darum werden Sie, mein Herr, (Unruhe des Delegierten aus Krähwinkel) meinem Anträge Ihre Zustimmung nicht versagen!" (Rauschender Beifall, in welchen auch der Redner einstimmt.) Der Delegierte aus Krähwinkel: „Meine Herren! Wundern Sie sich nicht, daß ich die Anrede in der Mehrzahl gebrauche. Sie soll einen Protest bedeuten gegen die Anrede in der Einzahl, wie sie der Herr Vorredner beliebt hat. Wie vorgestern die Schauspielerin der bei uns gastierenden Theatergesellschast in dem Stücke „Der Dallesmall"*) sagte: „Du bist ein König — auch in Unterhosen!" so sageich: Wir Vorsteher sind immer „wir", auch wenn wir in einem Exemplar verrreten sind, Nach dieser Ausstellung, die ich übrigens schon während der Rede durch meine Unruhe dokumentiert habe, kann ich nicht umhin, dem Herrn Vorredner für seine geistreichen Ausführungen zu danken, was ich schon während der Rede durch meine Bemerkungen gethan habe. Seit dreißigJahren bin ich Gemeindevorsteher; heute aber habe ich zum ersten Male erfahren, welch eine Bedeutung ich für meine Gemeinde habe. Ich stimme selbstverständlich für den Antrag." (Lebhafter Beifall des Vorsitzenden.) Der Antrag wird nunmehr einstimmig angenommen und es wird beschlossen, von den Einnahmen des neugegründeten Gemeindebundes alljährlich 10°/o abzuzweigen und die Summe durch eine besondere Kommission verwalten zu lassen. Nach dem Vorschläge des Bundesvorsitzenden sollte die Verwaltung dieses Fonds dem Vorstande des Vereins „Ahawas Achim" übertragen werden. Allein der Delegierte aus Krähwinkel führte aus, daß jeuer Vorstaud das Ehrenamt ablehnen werde, weil die Summe zu geriug sei. Er schlug darum den Präsidenten des „Reichsverbandes jüd. Religionslehrer" als Verwalter vor, weil er aus Erfahrung wisse, daß dieser auch den kleinsten Beitrag mit Dank annehme. Diesem Vorschläge wurde zugestimmt. Die folgenden Punkte der Tagesordnung wurden dann ohne Diskussion angenommen: Punkt 2: Ausbildung jüngerer Kräfte für das Vorsteheramt, eveut. Einrichtung eines Lehrkursus in der Abfassung von Vakanz-Anzeigen, Kontrakten, Kündigungen und Verweisen. Ein Amendement, nach welchem auch die Abfassung von Aller kennungs schreiben an Gemeindebeamte in den Lehrplan .. ausgenommen werden solle, wurde abgelehut, da solche Schreiben in der Verwaltungs-Praxis jüdischer Gemeinden nicht Vorkommen. Punkt 3: Ankauf aller alten Gebetbücher in Westfalen, wo diese nach Einführung des nellen Gebetbuches überflüssig geworderl siud. Dieser Alltrag bedeutete aber einen Schuß ins Blaue, denn ivie der Vorsitzende des Bruderbundes in Westfalen unserem Direktor in Dallesrode inzwischen mitgeteilt hat, ist in-Westfalen ein altes Gebetbuch nicht aufzutreiben. Alle, die das neue Buch angeschafft, haben ein altes nie besessen. Damit war die Tagesordnung erledigt. Zum Schlüsse wurde noch die Absendung einer Begrüßungspostkarte an den Gemeindebund in Berlin beschlossen. Der Antrag lautete ursprünglich auf Absendung eines Telegramms, allein der Vorsitzende führte in längerer Rede aus, daß ein Telegramm 50 Pfennig koste, während eine Postkarte für 5 Pfeilnig zu haben sei. Die 45 Pfennig könnten ja als Grundstock für die Vorstehcr-Jnvalidenkasse gestiftet werden. Schluß 4 Uhr 33 Milluteu 8^« Sekunden Nachm. *) Das Stück heißt: „Der Talisman" — ich schreibe Ihnen noch darüber. Dalles. I t- Ulr. 31. P. S, Soweit m -es G.-B. für Talles: Sie mir, einige Bortt pflege in &emeinfct)aft ehe icf) fie an Sie ttad täte j. B. haben w arbeitet — ich schreib, Kindlei» fontmen nacl einen feftt eine Hand, meine Gedanken vor M. Ist Ihr Setzei die schönsten Gedanke! so spitz, daß sie mir Korrektor so hart, das streicheln? So lange danken giebt, bitte ich nach Krähwinkel zu znsammenzuslreichen. schreibe Ihnen noch d Eine galizisö Er n barem Mg auf «traßenli Er wani der nahm so stimmun Erschein m i, Minch, imponierende, | niedere Iimme | vom hastigen' I ein Sammetkä I Er durchmaß sich seine Lipp Ausdruck vert das Ticken eil Fenster sielen die vurr

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