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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-31 · 31 (31.7.1896) · p. Seite 523

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
Seite 523 (sequence 7)
Language
German
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au. 3i. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 523. Rr. 8i. e für das '^astigte in den letzten Konstantinopel erhielten lnternehmen des Baron zeichnet. Bei der Answcrk von verschiedenen me nicht ausgeschlossen, s Ueberlreibung zu thun 'en ivir aber den Bericht einigen Wochen langen von Baron Hirsch nach en an, die das russische e nach Rußland zu eri§jufteUen. Tie Sache rer haben nämlich seiner- ^erzichten müssen, sieht lungswürdigen Zustande von dem Kolonialleben den, sind kaum glaublich, die Angaben. Schon üe wurden ihnen Blanchreiben mußten. Diese iten ausgesüllt, und die in Stück Land, siir das i hatten, die Summe von ,cn waren. Die Unterbeliebte. Für Naturalien ten sie das Siebenfache ai und russischen Inden n Baracken, um sie den ten, die wohl geträumt Leben führen zu können, Man versuchte cs, sie zu „ sie Frohudienstc leisten mehr dort bleiben. Alle wollen zurück. Von den 550 nach Argentinien ausgewauderten Familien kehren jede Woche ungefähr fünf zurück. Leicht ist es, von so vielen Millionen einige zu verschenken, um ein gutes Werk zu stiften, aber um dieses zu erhalten, bedarf es mehr als der Freigebigkeit." — Hingegen finden wir in der soeben erhaltenen jüngsten Nr. der in Buenos Aires erscheinenden „La Plata Post" eine Notiz, die dem obigen Berichte völlig widerspricht. Das gut unterrichtete argentinische Blatt schreibt u. a.: „Das jüdische Kolonisations- Unternehmen hier in Argentinien lvird, wie man anfangs glauben mochte, mit dem Tode des Begründers desselben, des Baron Hirsch, nicht auseinaudersalleu, sondern in derselben Weise wie bisher und mit deilselbeu bei der Gründung ins Auge gefaßten Zielen, den in Rußland verfolgten Juden eine neue Heimat und Mittel zur Existenz zu gewähren, fortgeführt werden. In Zukunft soll aber mehr als bisher darauf Bedacht genommen werden, daß nur tüchtige und arbeitswillige Elemente sich ansiedeln. Ob die Hoffnungen, die auf dieses geiviß menschenfreundliche Unternehmen gesetzt werden, sich in ihrem ganzen Umfange erfüllen, bleibt nun allerdings abzuwarten. Manchem will es scheinen, daß die auch von dem verstorbenen Dr. Löweuthal ins Auge gefaßte Idee, die Juden im Grau Chaco oder besser noch in dem fruchtbaren, von der Natur so begünstigten Gebiete der Misioues auzusiedelu, die bessere geivcseu wäre. Dort hätten alle bei der Ueppigkeit der Natur den Kampf ums Dasein leichter aufnehmen, und auch in jenen abgeschlosseneren Gegenden dieser Volksstamm gleich in Kanaan ein seinen Anschauungen und feiner Lebensweise mehr entsprechenderes idyllisches Stillleben führen können, als wie auf -der offenen nackten Ebene der argentinischen Pampa, wo das Leben härter und rauher ist." — Die „Jewish (Kolonisation Association", die das argentinische Hilfswerk leiten soll, hat übrigens am 7. d. M. in London ihre Generalversammlung abgehalten, Nach dem Berichte des Vorsitzenden beträgt das Besitztnm der Association in Argentinien 470000 Acres. Die Hälfte dieses Bodens ist in Bearbeitung der Kolonisten, die gegenwärtig 75OO Seelen zählen. Der Rest bleibt für spätere Kolonisation Vorbehalten. In den Vorstand wurden für die Dauer von fünf Jahren geivählt: S. H. Goldschmidt, Leven und Reinach (sämtlich in Paris), ferner Alfred Louis Cohen nnb H. G. Lousada (London.) Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die auch von un§ gebrachte Nachricht, Frau Baron Hirsch habe der „Jewish (Kolonisation Association“, welche ihr verstorbener Gatte ins Leben gerufen hat, 100 Millionen Franken geschenkt, unrichtig ist. Richtig ist nur, daß die Sympathie der Baronin dem Werke gehört und eine spätere Zuwendung nicht ausgeschlossen ist. — Russische Jude» in Amerika. Die russische Zeitschrift „Woschod" veröffentlicht ans einem Reisebriefe eines Russen, namens Kriwitzki, der ganz Nordamerika durchstreift hat, folgendes: „Inmitten der Steppen von Dakota tras ich russische Juden. Es waren zivei Familien, welche hier Ackerbau betrieben. Ich erfuhr auch, daß noch viele russischjüdische Familien in Dakota sich aufhielten und gleichfalls als Ackerbauer ihren Lebensnnterhalt verdienten. Die ersten Ankömmlinge siedelten sich im Jahre 1882 dort an, und seitdem hat die jüdische Bevölkerung daselbst großen Zufluß erfahren. Alle erklärten mir, daß sie sich hier durchaus glücklich fühlten. Man führte mich in den einzelnen Besitzungen herum und ich kann über die mir gewordenen Eindrücke nur Löbliches Mitteilen. Ihre Kinder besuchen die öffentlichen Schulen und sprechen bereits die Landessprache. Eine Thatsache siel mir ans: diese Juden hatten fast nichts mehr von jener Aengstlichkeit und dem gedrückten Wesen, welches sonst dem russischen Juden anhaftet. Die neuen Existenzbedingungen haben diese Eigenschaften fast vollständig zum Schwinden gebracht. Ter älteste dieser Emigranten in seinem bäuerlichen Kostüm machte auf mich den Eindruck eines gutsituierten Besitzers und sein offenes und freimütiges Wesen erwarb ihm meine volle Sympathie. Mein Reisegefährte glanbte seinen Augen nicht trauen zu dürfen. Wie, sagte er, dieser Farmer mit seinem einnehmenden Wesen und guten Manieren, ist das wirklich der jüdische Schacherer, der so verachtete russische Jude!" Wissenschaft und Citteratnr. Das „mMWk Gebetbuch". Eine Antikritik. Die Ausführungen des „freisinnigen Rabbiners", der in Nr. 27 dieser gesch. Blätter das „westfälische Gebetbuch" beleuchtet hat, stellen, wenn auch unbeabsichtigt, dem vielgeschmähten jüngstetl Erzeugnis unserer liturgischen Litteratur das Zeugnis aus, daß es — besser ist als sein Ruf. Denn es kann unmöglich so schlimm um ein Werk dieser Art stehen, weuit gegen dasselbe nichts Anderes zu sagen ist, als was wir in jener Kritik lesen; es sind DV'jV Doch leider auch Mißverständnisse, die unseres Erachtens umsoweniger unbe-' richtigt bleiben dürfen, als sie nicht von einem dogmatisch befangenen, sondern von einem freisinnigen Rabbiner ausgesprochen wurden. Es sind, so weit wir sehen konnten, nur zwei Punkte sachlicher Natur, die in jener Kritik berührt werden. Auf diese soll sich unsere Antikritik beschränken. In der Fassung, welche das Gebet nciT j in dem westfälischen Gebetbuche gesunden hat, wird die Textänderung nrvpnr6l getadelt. Sie soll gegen die Lehre des Judentums verstoßen, da nach dieser Lehre die Seele nicht stirbt, folglich auch keiner Wiederbelebung bedarf. Wir wollen hier nicht die Eschatologie und Nnsterblichkeitslehre des Judentums erörtern. Aber wir meinen, daß alle, die an eine Unsterblichkeit der Seele im Sinne des Judentums glauben, sich unwillkürlich das Leben der Seele nach dem Tode als ein höheres denken, als eine höhere, gewissermaßen neue Beseligung vorstellen, durch welche wir in eine höhere Lebenssphäre erhoben werden. Sollte diese Vorstellung und gewiß nicht minder „unangetastete Anschanung" den Ausdruck nnvnnbl nicht rechtfertigen? Oder sollte der Tod des Leibes spnrlos an der Seele vorübergehen, so daß mir dort oben nicht anders erwachen, als wie jeden Morgen ans dem Schlafe? Sollte gar keine Art von Wiederbelebung und höherer Beseligung für unser Fortleben nach dem Tode erforderlich sein? Doch gesetzt, wir wollten die fragliche Textänderung auf sich beruhen lassen, wie will denn der freisinnige Rabbiner mit dem alten Texte fertig werden? In '2 rrnnnbl kann das '2 sich doch nur auf den toten Leib beziehen, wie ja auch der Schluß des Gebetes in diesem Texte

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