Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 31 (31.7.1896)
- Date
- 1896-07-31
- Page
- Seite 521 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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yiv. 3i. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 621 »rt« No « 95Ph, bK(llfc|| «tfoltierta Sh,tri’,,' m erftemnal - auf diese lanblaitfigeii Anschaunnge,, oa luat cs kein geringerer ms" meine Behauptung als lag damals nur ein gend obwohl auch Wichman» gung kam, so war es nicht alorität meine Darlegungen sich Gelegenheit, ein weitsfen, das den behaupteten Bevölkerung unter Beweis nehr geben, der den Mut lar zutage liegt, eweis einer fortdauernden tums. Sie stellen seiner nstigste Prognostikon unb Glaubensgemeinschaft als en Augenblick und für die lauf der numerischen Ent- Ebene fortbewegen wird hren die jüdische Bevölkegroß sein wie jetzt, hlen, die das neueste Heft ht, näher an. 1893 1894 "1274 5373" prozentuelle Verhältnis beinahe ebenso ungünstig wie 1893. Tenn auch die Zunahme der preußischen Bevölkerung überhaupt ist 1894 wesentlich in die Höhe gegangen. Den größten Tiefstand weist allerdings das Jahr 1893 auf. Die Vermehrung bleibt um mehr als die Hälfte hinter dem Durchschnitt zurück. Statt rund 5000, wie der Durchschnitt verlangte, beträgt die Vermehrung nur 2462. Die allgemeine Zunahme beläuft sich aus 1 '/z, die der Juden blos auf % Prozent. Die Besserung in 1894 ist kaum erwähnenswert, denn auch da müßten die Juden eine Vermehrung von 6000 haben, um den Durchschnitt zu erreichen, während sie blos einen Ueberschuß von 3266 aufweisen. (Schluß folgt.) W o ch e n-(£ h r o nt k. Berlin, 29. Juli. — Der „Scheiterhaufen-Brief". Wie der Stöckersche „Scheiterhaufen-Brief" zur Oeffentlichkeit gelaugt ist, erzählt der „Hann. Konr.". Einleitend wird bemerkt, Hammersteiu habe seine Fraktionskollegen oft genug terrorisiert, aber auch wieder als Kitt den widerstrebenden Faktoren gegenüber gedient; er hielt Herrn Stöcker die Stange, vermittelte oftmals zwischen feiner Partei und den Antisemiten und verstand mit Geschick die in Schach zu halten, die wiederholt Lust zeigten, gegen das ertreme Agrariertum, besonders innerhalb der Reichstagsfraktion, Front zu machen. Die Veröffentlichung des Stöckerschen Scheiterhaufenbriefes bereitete den Ausbruch der Krise in der konservativen Partei vor. Daß Freiherr v. Hammersteiu rnit der Weggabe dieses Brieses einen schlechten Streich beabsichtigte, ist nicht anzunehmen. Er beging in Wirklichkeit nur eine Art Fahrlässigkeit. Als er kurz vor seiner Flucht aus Berlin alles Mögliche zu Gelde machte, übergab er u. A. einem Agenten ein Bündel Briefe zum Verkauf und dieser brachte ihm einige Stunden später dafür 500 M. Hätte v. Hammerstein sich darauf besonnen, daß das ominöse Stöckersche Schreiben sich darunter befand, so würde er dieses gewiß zurückbehalten haben, denn gewisse Anzeichen rechtfertigen die Vermutung, daß sich Herr Stöcker gegenüber seinem Freunde Hammerstein in iveit größerem Maße gefällig erwiesen hat, als man bisher wußte, so zwar, daß andererseits auch Frhr. v. Hammerstein alle Ursache hatte, Stöcker nicht ju reizen. — Indische Stiftungen. Unter diesem Stichworte erzählt die „Deutsche Zeitung": „Kürzlich hat das preußische Unterrichtsministerium eilte Statistik der wohlthätigen Schenkungeu und Znwendirngeu au Kirchen, kirchlichen Stiftungen und Anstalten. au Vereine, all Tailbstlliumennub Blindenanstalten, Waisen und Krankenhäuser re. veröffentlicht. Indessen fanden sich in dieser Statistik auffälligerweise nur die Schenkungen und Znwelldnngen für evangelische und katholische Anstalten, nicht auch für jüdische, obwohl diese, insoweit sie 3000 M. übersteigeil, ,vie die übrigen der landesherrlichen Genehmiglmg bedürfen, also dem Kultusministerium bekannt sind. Da gerade die jüdischen Stiftungen nach den Einzelheiten, die gelegentlich bekallnt gegebell werden, zahlreich und umfassend sind, so wird das preußische Kultusministerium hoffentlich seine Versäumnis bald nachholen und in Zukunft auch eme Zusammenstelluug der jüdischeil Stiftungen veröffentlichen, die gewiß vielfach interessieren dürfte." — Der Sperrsatz sowohl als auch die ihm folgenden geheimnisvollen Punkte rühren von der „Deutschen Zeitung" her. Die Punkte sollen andenten, daß der Schreiber über den in dem Sperrsatz angeregten Gedanken noch vieles zu sagen gehabt, aber, aus Gutmütigkeit oder Bescheidenheit, verschwiegen habe. Wir haben nicht die mindeste Ursache, die Thatsache zu verschweigen, daß die Zahl der jüdischen wohlthätigen Stiftungen viel größer ist, als unsere Gegner wähnen. Für unsere Widersacher wird dieses Zugeständnis ein Beweis für den „Reichtum der Juden" sein, uns ist es lediglich ein Zeichen, daß unsere modernen Juden in einem Punkte fast die hohe Stufe unserer Altvordern erreichen: in puncto Wohlthätigkeit. Der jüdische Gelst ist geschwunden, das jüdische Herz ist geblieben — Frau Dr. Lieber, die Gattin des bekannten katholischen Abgeordneten, ist keine getaufte Jüdin, sondern eine geborene Christin, so bemerkt die „Germania" gegenüber der gegenteiligen Behauptung antisemitischer Blätter. Interessant ist der Schluß des Entrefilets, das den antisemitischen Skribenten auf die schmierigen Finger klopft: „Es ist ja nicht das erste Mal, daß Dr. Lieber mit dem Judentum in Verbindung gebracht wird. Hat man ihn doch früher selbst schon einmal zu einem „Judensprossen" etymologisiert, und zuletzt ivurde dreist behauptet, Dr. Lieber habe seine älteste Tochter, die jetzige Armenschwester des h. Franziskus, ein damals achtzehnjähriges Kind, „einem reichen Juden verkauft" — eine andere Variation zu dem „Jirdensprossen" und dem „Mann der Jüdin". Auch bei dem „Calumniare audacter . . .“ scheint ute bei Kriöpanskis Katz das Wort Geltung zu haben: „Bald so, bald so; — wie's trefft." Wie wir übrigens Herrn Dr. Lieber kennen, würde er die Stammverwandtschaft mit Christus und den Aposteln derjenigen mit einem Sigl, Senftl, Zeitler et ul genus omne jedenfalls vor ziehen." — Paulus Meyer, der jüdische Konvertit, welcher dem Pfarrer Deckert auf Bestellung einen „Ritualmord" fabrizierte, in Wien zu einer längeren Kerkerstrafe und später, am 19. November 1894, vom Landgericht Leipzig wegen verleumderischer Beleidigung des Pastors von Bodelschwingh und anderer zu 1 Jahr 10 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ist aus der Strafanstalt Zwickau entlassen und, nachdem seine Bitten um Gestattung des Aufenthalts in Leipzig voit der Regierung abschlägig beschieden wurden, als gefährlicher Pasquillant dauernd des Königreichs Sachsen verwiesen worden. Aus Preußen war Meyer bereits vor dem Strafprozesse in Leipzig als russischer Staatsunterthau ausgewiesen. Vermutlich wird er jetzt wieder Oesterreich zum Schauplatze seiner Thätigkeit machen, von dem er 1894 nach Leipzig zur Bestrafung ausgeliefert ward. — Das sinkende antisemitische Schiff wird immer mehr entvölkert. Auch der Schneidermeister Volkmann hat sich jetzt ans der antijüdischen „Bewegung" zurückgezogen, um im Osten Berlins ein Restaurant zu übernehmen. Volkmanu war neben Dr. Böckel und Ahlward Mitbegründer der vor zwei Jahren ins Leben gerufenen antisemitischen Volkspartei; er machte in allen Handwerkerversammlungen für diese Partei Propaganda. Mit Fritz Volkmann ist übrigens die Geschichte Ahlwardts