Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 30 (24.7.1896)
- Date
- 1896-07-24
- Page
- Seite 513 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 613. gehört hatten, baß bort ebenfalls ber Antisemitismus sein Wesen treibe, fragten sie bei ber Babebirektion an, ob sich bies in ber That so verhalte, unb bie Babebirektion antwortete baraus, baß „bie Babeverwaltnng als solche sicher nicht so ist", baß ben Israeliten ber Aufenthalt aber bort nicht angenehm gemacht würbe unb ihnen baher nur zu raten wäre, Juist nicht zu besuchen. X Benthe», O.-S., 22. Juli. Der Oberschlesische Rabbinerverbanb hat bie gegenseitige Vertretung seiner Mitglieber in ben Ferien derart geregelt, baß vom 15. bis 20. Juli bie Herren Rabbiner DDr. Blumenthal-Ratibor, Deutsch-Sohrau unb Rau-Pleß, vom 21. bis zum 27. Juli Dr. Silberberg- Beuthen, vom 27. Juli bis 1. August voraussichtlich Dr. Friebma^rn-Lublinitz unb vom 2. bis zum 18. August bie Herren DDr. Löwenthal-Tarnowitz unb Kaatz-Zabrze in Amtshanblungen vertreten. Die Inhaber ber anberen oberschlesischen Rabbinate gehen ganz in bie Ferien. Kiel, 20. Juli. Die Antisemiten versuchen gegenwärtig in Schleswig-Holstein festen Fuß zu fassen. Hier haben sie bereits eine Reihe von Versammlungen veranstaltet. In einer von ben Antisemiten in Sterup abgehaltenen Versammlung würbe ein Begrüßungstelegramm an bie Kaiserin abgesanbt, wofür ber übliche höfliche Dank durch ben Kammerherrn von bem Knesebeck folgte. — Vor einigen Tagen hat auch ein antisemitischer Verbanbstag für Schleswig-Holstein unb Hamburg hier stattgefunben, ber eine Organisation beschlossen hat, um bie gemeinsame Agitationsarbeit für bie „Deutsch-soziale Reformpartei" zu fördern. Diese antisemitische Organisation ist, wie auch anberswo, in einer Provinz geschaffen worben, bie, von ein paar Städten abgesehen, fast ganz ohne Juden ist. X Gießen, 12. Juli. Als Ergänzung der Korrespondenz aus Frankfurt am Main in der vorletzten Nummer dieses Blattes möge der folgende Bericht dienen: Am 28. Juni hatten sich auf Einladung der israelitischen Religionsgemeinde Gießen eine größere Anzahl von Gemeindevorständen hier versammelt, um zur Frage der Wiederbesetzung des Provinzialrabbinats, das z. Z. durch die Pensionierung des Rabbiners Dr. Levi erledigt ist, Stellung zu nehmeu. Nach längerer Debatte wurde nachstehende Resolution, die vom Gemeindevorstand zu Friedberg eingebracht war, mit überwältigender Majorität angenommen: „Die aus Anlaß der Wiederbesetzung der Rabbinatsstelle in Gießen am 28. Juni 1896 versammelten Vorstände israelitischer Religionsgemeinden der Provinz Oberhessen empfehlen sämtlichen Gemeindevorständen für die von hoher Staatsbehörde an sie gerichteten Anfragen folgende Beantwortung: Der Unterzeichnete Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde in — — beantwortet die an ihn ergangene Anfrage, „ob er eine Teilung des jetzigen Rabbinats Gießen in zwei Rabbinate wünsche, von welchem das eine mit einem Rabbiner orthodoxer Richtung, das andere mit einem der liberalen Richtung angehörigen Rabbiner zu besetzen wäre", mit einem entschiedenen „Nein". Er glaubt hierfür besonders zwei Gründe anführen zu sollen. 1. Einen finanziellen. Die Zweiteilung würde eine solche Vermehrung der Beiträge zur Landjudenschaftskaffe.zur Folge haben, daß die einzelnen Gemeinden diese nur unter den schwersten Opfern aufzubringen imstande wären, ja sogar ihre Existenz in Frage stellen müßten. Die Erhöhung dieser Beiträge würde um so tiefer empfunden werden, da auch noch die Besoldung für den pensionierten Herrn Rabbiner Dr. Levi aufgebracht werden muß, demnach also drei Rabbiner zu besolden wären. 2. Glaubt sich der Unterzeichnete Vorstand auch deshalb gegen eine Zweiteilung aussprechen zu sollen, da ein Bedürfnis hierfür nicht vorhanden. Die Religionslehrer der Gemeinden sind, namentlich wenn ihre materielle Stellung gebessert wird, und demzufolge überall geeignete Lehrer angestellt werden können, imstande, wesentliche Funktionen der Rabbiner zu erfüllen, und wäre eine Erhöhung der Landjudenschaftsgelder also nur unter diesem Gesichtspunkte gerechtfertigt. Der Unterzeichnete Gemeindevorstand ist der Ueberzeugung, daß den Interessen der Religionsgemeinden wohl am besten gedient würde, wenn weder ein Rabbiner orthodoxer, noch reformer Richtung, sondern ein religiöser Rabbiner gemäßigter Richtung an den Posten des Provinzialrabbinats berufen würde, ein Mann, der geeignet und gewillt ist: 1. Das Schulwesen nach pädagogischen, von echter Wissenschaftlichkeit geleiteten Grundsätzen unter pietätvoller Schonung berechtigter Eigenheiten zu überwachen. 2. Das rituelle Schächtwesen unter Beobachtung der religionsgesetzlichen Forderungen zu beaufsichtigen, dabei aber die bewährte und erprobte Autonomie der Gemeinden und die Gewissensfreiheit der einzelnen Gemeindemitglieder als berechtigt anzuerkennen. G. Kettwig, 20. Juli. Am 22. d. M. tagte in Düsseldorf die Bezirkskonferenz des Vereins jüd. Lehrer in Rheinland und Westfalen (Bezirk Düsseldorf und Umgegend.) Der Bezirksvorsitzende, Herr Lehrer Löbenstein-Düsseldvrf gab zunächst einen kurzen Bericht über die vorjährige Versammlung, hieran wurde Punkt 2 der T.-O. dadurch erledigt, daß Kollege Blork-Oberhausen das Referat über das Thema: „Welche Methode ist die geeigneste für den hebräischen Uebersetzungsunterricht?" für die nächste Konferenz übernahm. — Dankend -nahm die Versammlung bei Gelegenheit des nächsten Punktes die Einladung des Kollegen Nußbaum-Duisburg an, die nächste Konferenz am 24. September in Duisburg abzuhalten. Es folgte hierauf ein Vortrag von Lehrer Abraham-Kettwig über „Das „Was" und „Wie" des hebräischen Grammat'ckunterrichts." Referent begründete eingehend die Notwendigkeit des Grammatikunterrichts. Eine Besprechung der von dem Referenten gegebenen Thesen wurde auf die nächste Konferenz, mit welcher eine Lehrprobe des Grammatik-Unterrichts durch Kollege Nußbaum verbunden sein soll, verschoben. — Lebhaft gestalten sich die freien Besprechungen. Hauptsächlichen Gegenstand derselben bildeten die Unterstützungen, welche laut Vereinsbeschluß die einer Unterstützungskasse beitretenden Vereinsmitglieder aus der Vereinskaffe erhalten. Die Versammlung rügte das Vorgehen des Vorstandes, der diese Beihilfen dem betr. Antragsteller unter der Bedingung auszahlen wollte, daß derselbe sich in einem Schuldscheine zur Rückzahlung der empfangenen Unterstützungen innerhalb 4 Jahren verpflichtete. Die Ausführungen des Vertreters des Vorstandes, Kollegen Sulmann-Köln vermochten nicht, die Berechtigung des Vor- *>«! /