Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 30 (24.7.1896)
- Date
- 1896-07-24
- Page
- Seite 511 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 30. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 811. Nr. ingestellt, '°nfraualsde7^^'^ ,er "Feindin" KM. etr'^ gerichtete Sarnuna , n ncfiijicii7' ' r^"»®«tu» d>» &«„«,[, onU I""»«.««bim «Ich« * "**«" i° tarn »■« fenmij i»tM(ntlItn ie eure 'It] ö%memen mit 45ol%amie hat nur die Form etrieben." welche die Verfasserin aus dem n denen die Mutter den, Vater auf kindlichen Gehorsam und Vt wird. Ueberhaupt erscheint ■ der Mutter. Von dieser ihrer : psängl Eva l„Mutter alles >oinit vielleicht angedeutet ist, scheu um das Paradies gebracht s als Begründerin der Familie, \ aber die Mutter so hochgestellt \ Mplatz in der Gesellschaft ein-! selbst vor sittlicher Verderbnis - idischen Volke die Verheiratung I ge Männer und Frauenzimmer! r hinaus nicht vor.. Für den § iester, war die Vorschrift, verdaß ihm, wenn er sich sieben in das Heiligtum begab, um ereilen, eine andere Frau für dieser Zeit sterben sollte, ansich nicht vorstellen, daß ein ler rechte Änwalt sei, um die )tt zu erwirken, und wenn es rschrist von dem Hohenpriester iinischen Auslegung an dieser das will sagen: seine Frau." ung erzählt der Schüler un estorbenen Mainzer Rabbiners Gattin nie anders als „meine mW ® J« «”» ittifte SM“' “1111"9 32rJ*8» w— , p,iet ist nun der **+ L :lt an b e welche die- Mahnung ^^lche selbst «»>*" ß»bi r*»»bei( M S"' ÄH-”* Mutterpflichten getadelt wird, so muß ihnen doch die Entschuldigung zugebilligt werden, daß sie nur dem allgemeinen Beispiele folgen, und wie sagt das Sprichwort? Schlechte Beispiele verderben gute Sitten." Der Fortschritt. Eine galizische Geschichte von S. Horowitz. 1, Nachdruck verboten. „.Und ich sage Dir, Louise, unser Robert muß ein großer Mann werden rmd sich einen feinen christlichen Chic zu eigen machen. Nicht umsonst habe ich ihn studieren lassen und dazu einen französischen Mentor gehalten. Er ist ein feiner Salonherr, tanzt so - wie heißt es doch gleich? — richtig: so graziös, daß die Mädel ganz in ihn vernarrt sind und macht überall — wie heißt es doch gleich? — Furie — ach nein, Fourore. Also, was ich sagen wollte: Der studierte Robert kann doch nicht mit diesen Leuten verkehren, das wirst Du doch auch einsehen, Lea — will sagen Louise — denn dann wäre mein schönes Geld nur zum Fenster hinausgeworfen. Also, wie gesagt, Robert kann sich mit den Pascheles nicht abgeben, trotzdem sie unsere, eigentlich Deine Verwandten sind. Dazu ist er zu fein, zu nobel und Du thätest auch gut daran, Dich allmählich von den Leuten zurückzuziehen denn daß ich es Dir nur sage, die altfränkische Familie geniert mich. Schon unserem Sohne zu Liebe müssen wir uns in höheren Sche ... ja, Sphären bewegen und unsere alte Gasse vergessen. Heutigen Tages ist es die Hauptsache, dem Fortschritte zu huldigen, und deshalb habe ich auch mit meiner Vergangenheit gebrochen. Heute gelten nur moderne Leute, die nichts auf die alten Ammenmärchen geben." Und als Louise nichts erwiderte, fuhr er fort: „Siehst Du, ich weiß den Fortschritt zu würdigen und bringe ihm sogar Geldopfer. Habe ich doch meine altväterischen Kleidungsstücke um einen Spottpreis verkauft, mir eine neue deutsche Garderobe anfertigen lassen, neue moderne Möbel bestellt, ja sogar auf zwei Zeitungen abonniert, obwohl ich, wie Du weißt, kein großer Freund vom Lesen bin. Aber dafür muß jeder sagen: Das Haus des Herrn Philipp Nagelfein ist gebildet und in jenen Räumen weht der Geist des Jahrhunderts. Also was ich sagen wollte: Ich habe mir so viel Kosten gemacht, um nur mich und meine Umgebung zu modernisieren, daß mir im Stillen das Herz zusammenschnürt, und Du mußt schon mir zu Gefallen die Pascheles fallen lassen. Und noch eins, liebe Frau! Siehst Du, wir haben es so weit gebracht, daß junge feine christliche Herren unfern Robert besuchen, und da mußt Du schon erlauben, Dir zu sagen, daß Deine jüdische Perrücke ihm ein Dorn im Auge ist, und ich muß ihm natürlich nur Recht geben. Denn bedenke selbst: Was für einen Begriff können solche Kavaliere von unserer Bildung haben, wenn Du in Deiner Toilette um ein halbes Jahrhundert zurück bist und in einem Kostüm einhergehst, über welches sie sich nur lustig machen müssen. Also, weg mit der Perrücke, weg mit der altmodischen Haube; einen schönen Hut sollst Du Dir anschaffen mit vielen blauen und grünen Federn und dazu Kleider nach der neuesten Mode, daß man auf den ersten Blick erkenne, daß Du die Frau des Herrn Nagelfein bist", Herr Nagelfein schnappte nach Luft; die langen zivilisatorischen Auseinandersetzungen hatten ihn erschöpft, und Frau Louise bemühte sich vergebens, einen tiefen Seufzer zu unterdrücken. Herr Philipp Nagelfein war eine hohe, knochige Gestalt in den Fünfzigern, mit einem alltäglichen, von einem rotblonden Backenbarte umrahmten Gesichte. Auf seinen Fingern glitzerten mehrere Brillanten, eine strangdicke Goldkette baumelte auf der geblümten Seidenweste und er hatte die Gewohnheit, seinen herunterhängenden Zwicker von Zeit zu Zeit auf die Nase zu drücken, weil das, wie er sagte, seinem Aeußeren etwas „Jnstinktquiertes" verlieh. Er hatte in seiner Jugend nichts gelernt und verstand auch uichts, aber ein Vermögen hatte er sich zusammengebracht, und wenn die Macht des Geldes nirgends unterschätzt wird, so übt sie in Galizien einen überwältigenden Einfluß aus. Im Bannkreise dieser Sonne erbleichen alle Sterne, und mit sklavischem Servilismus erweist alles dem Emporkömmling seine Reverenz. Wie viele seiner geistesverwandten Standesgenossen wähnte unser Herr Nagelfein „mit dem Strom der Zeit zu schwimmen", dem „Zeitgeiste Rechnung zu tragen" und wie all die Schlagworte, welche er irgendwo abgelauscht und bei passender und unpassender Gelegenheit im Munde führte, heißen — wenn er das Judenviertel verließ, nach der inneren Stadt zog, seine Tracht, wie er es nannte, zivilisierte, sich schönes Mobiliar anschaffte und seine „altfränkischen" Bekannten aus der Judengasse mit Nichtachtung behandelte. Seiner Frau aber war dieses reformatorische Streben in der Seele zuwider und ihr gläubiges Gemüt litt Tantalusqualen. Sie konnte seinen „modernen" Ideen kein Interesse entgegenbringen, pietätvoll wurzelte in ihrem Herzen das Andenken an die Vergangenheit, und wäre ihr Wille maßgebend gewesen, sie würde vorgezogen haben, lieber in der niedrigen Stube der engen Gasse zu wohnen, als hier in den Salons des fashionablen Stadtviertels sich so verlassen, fremd und unbehaglich zu fühlen. Ihre jetzige glänzende Umgebung kam ihr so wenig anheimelnd vor, daß sie eine Bangigkeit beschlich, und inmitten der Herrlichkeiten schlich sie wie ein Schatten dahin. War sie doch so jäh, so unvermittelt aus ihrer alten liebgewordenen Umgebung herausgerissen, sollte so plötzlich jede Verbindung mit ihrem Heim, mit ihrer Wiegenstätte aufgeben und all dies dem „Fortschritt" zulieb. Wenn ihr Mann diesen Ausdruck mißverstand und den Flitter für das innere Wesen nahm, so war alles danach angethan, ihr dieses Wort, von dessen Bedeutung sie sich natürlich auch keine richtige Vorstellung machen konnte, zu verleiden. Soviel wußte sie, daß sie dieser Chimäre ihre bisherige Lebensweise, ihre Gewohnheiten opfern müsse; Grund genug also, daß die bloße Bezeichnung sie nervös machte. — Außerdem regte sich in ihr auch religiöses Bedenken. 'Es kam ihr da alles so unjüdisch vor, daß dieser fremde, eisige Hauch ihr die Luft benahm. Ihr Mann hatte mit dem langen Rock alles, worauf sie Gewicht legte und was ihr zur zweiten Natur geworden war, abgestreift, daß das Band, welches sie bis jetzt umschlang, schier gelockert erschien. Sein ganzes Benehmen, seine ganze Denkart, kam ihr so befremdend vor, daß ihr angst und bange wurde. Er wollte nichts mehr vom Sabbat, nichts von den alten Gebräuchen wissen; er beantwortete ihre dies-