Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 30 (24.7.1896)
- Date
- 1896-07-24
- Page
- Seite 507 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 30. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 507. fjrp5»*» ■t 7 man lhn einmal. ^^reaktionären Wesen erverdrchn die alte Rolle weiter rrg'ber sich mit der antilstlgkert kumuliert, und der als ^mäßiger Teilnehmer an den M sch man im Foyer häufig den Pastor ohne Amt und mit >rächslen Gesinnungsverwandten. Grazie des Antisemitismus ist Peprägt, die immer triumphieren, 3 ganze Haus in die ihm un- Der dritte im engeren Bunde erster, der von Ahlwardt zu ln seiner Sprechweise fällt das laute auf, das nicht auf einen« unabsichtlicher Angewöhnung ner offenbar für schön hält, die jener Leute, die sich selber ürchteter „Hausleerer". Wenn |- :r noch nicht dahintergekommen F iondesKleeblattsLiebermann- D Fnhalt und Ton erzielt, so sich nicht darüber zu grämen. D Abgeordneten, der Rechlsan- Mg, sticht in Erscheinen und orhin genannten ab. In der V ch Neuling. Von den übrigen g chenruser von derbem Kaliber iev Darsteller int Fache des Ruf. Tie Sachsen aus der ffsenen Tagung, von ein paar delten Zimmermann und des lathischen Blumensabrikantcn Worte gekommen. Hm lause unbekannt, ist nun gm a.w£ «M d.» ialbemoftoW „ Wäre man tm rrai^ -- ,8 roäw »>* W |)oit Hirsch bis örener. M. Frankfurt a. M., 18. Juli. Berlin ist die Hauptstadt von Deutschland, aber Frankfurt ist — Frarrksurt. Und das Neueste in unserem Gemeindeleben hat Anspruch auf das allgemeine Interesse. Die hiesige orthodoxe Separatgemeinde Adaß Jeschurun scheint näinlich doch endlich glücklich aus der Zwangsjacke befreit zu werden, in die sie sich vor sechs Jahren selbst gesteckt. Diese Zwangsjacke hieß — Dr. Breuer. Es war ein verhängnisvoller Schritt von wahrhaft tragischer Bedeutung, als die Adaß Jeschurun-Gemeinde, welche als die Orthodoxie in Glacü bis dahin galt, zum Nachfolger eines Samson Raphael Hirsch den Dr. Breuer wählte. Allen Respekt vor Herrn Dr. Breuer, vor seiner talmudischen Gelehrsamkeit, seiner starren Konsequenz, seiner Begabung im Genre des ungarischen Maggidus, einer Art „Pilpnlistik" auf dem Gebiete der Agada rc. Aber zum Nachfolger Samson Raphael Hirschs paßte er ganz genau >vie — die Faust auss Auge. S. R. Hirsch hatte seine Lebensaufgabe darin gesetzt, die Spannung zu beseitigen, welche durch geschichtliche Zufälligkeiten zwischen dem Judentum und der Bildung des 19. Jahrhunderts sich gebildet hatte. Hirschs höchste Maxime bestand in dem Satze: „Wir müssen unserer Jugend die Bildung unserer Zeit zuführen, nicht obgleich, sondern weil wir Juden sind." Er war durchdrungen von der Neberzeugung, das Judentum habe die wahre Wissenschaft nicht zu fürchten, und nur die Scheinbildung, die Halbbildung sei eine Gefahr für unser Bekenntnis. Nicht Toleranz, sondern Verehrung verlangte er für die Wissenschaft; nicht weil die gesteigerten Anforderungen unserer Zeit eine gediegene Bildung znm Fortkontmen im strug-gle of life der persönlichen und religiösen Bestrebungen notwendig machen, soll das Judentum Bildnngssrenndlichkeit ans sein Panier schreiben, sondern iveil das Judeittum die Vermählung nrit der wahren Bildung eines jeden Zeitalters als religiöse Pflicht fordert. Gesetzt, es käme eine Zeit, wo das praktische Leben der wissenschaftlichen Bildung entbehren könnte, so würde das Judentum mit demselben Nachdruck, wie Beschäftigung mit der Gotteslehre, auch Beschäftigung mit der Wissenschaft verlangen. S. R. Hirsch hatte ein unbegrenztes Vertrauen in die Wahrheit des Judentums, und insofern die echte Wissenschaft nur die Wahrheit lehrt, konnte, Hirschs Ueberzengung nach, eine Kollision zwischen Wissenschaft und Judentum — zwischen wahrer Wissenschaft und wahrein Judentum — niemals entstehen. Dagegen war er andererseits der Neberzeugung, daß ohne gediegene wissenschaftliche Bildung ein richtiges Verständnis des Judentums, eine volle Würdigung seines Geistes und seiner moralisch-pädagogischen Bedeutung ganz unmöglich sei. — Das war Hirschs Lebensprogramm; dieses Programm hat er theoretisch auf der Kanzel und in seinem „Jeschurun", und praktisch in seiner Schule, der Realschule der israelitischen Religionsgcsellschast, sowie in der Organisation und Führung seiner Gemeinde Adaß Jeschurun darzustellen gesucht. Den gerade entgegengesetzten Standpunkt nimmt Dr. Breuer, der Nachfolger Hirschs ein, obgleich er ein Schwiegersohn Hirschs ist. Dr. Breuer erkennt an, daß die wissenschaftliche Bildung für unsere Jugend eine Notwendigkeit sei, aber eine — traurige. Wissenschaftliche Bildung ist für Breuer eine Forderung des praktischen Lebens unserer Zeit, aber keine Forderung des Judentums. Das Judentum müsse leider diese Forderung des praktischen Lebens berücksichtigen, es muß sich zu Konzessionen verstehen, aber — „der Not gehorchend, nicht dem innern Triebe". Mit der Not würden auch die Konzessionen aufhören. Breuer ist der Neberzeugung, der die alten Gegner der Mendelssohnschen Schule waren und die Anhänger des „Heiligen" des ungarischen „Unterlandes", des Rabbi Hillel Szikß noch huldigen: die wissenschaftliche Bildung sei eine Gefahr, ja die größte Gefahr des Judentums; zwischen Judentum und Wissenschaft könne nie eine Brücke geschlagen werden; die wissenschaftliche Bildung der Bekenner des Judentums müsse das Judentum erschüttern und das Judentum müsse darum die wissenschaftliche Bildung auf das unbedingt Notwendige, auf das unerläßliche, vom praktischen Leben unbedingt geforderte Maß beschränken. Und Dr. Breuer selbst ist der personifizierte Vertreter dieser Theorie; seine wissenschaftliche Bildung steht thatsächlich auf dem Niveau dieses unerläßlich notwendigen Maßes. Seine größten Gegner können ihm nicht den Vorwurf machen, daß feine Persönlichkeit mit dieser seiner Lehre nicht in Harmonie stehe. Er bildet keine Ausnahme, die diese seine Regel bestätigt, sondern ist die ganz kongruente Realisation dieser Regel, gleichsam eine Jdealgestalt dieser seiner Idee von der prinzipiellen Feindschaft zwischen Judentum und Bildung. Ist für Breuer die Wissenschaft der „Amalek", der Israel bei dem Auszuge aus den -mittelalterlichen Verhältnissen angefallen und die Schwachen unter den Zurückgebliebenen zur Fahnenflucht gebracht hat, so ist er selbst nicht der Saul, der für irgend ein Wesen dieses Amalek ein Herz hätte, sondern der unerbittliche Zelot, der diesen „Amalek" mit Stumpf und Stiel ausrotten möchte. „Gedenke stets dessen, was dir die — Wissenschaft gethan!" Darum „Kampf für den Ewigen gegen die Wissenschaft von Geschlecht zu Geschlecht" — in diese Variation des Bibelverses könnte man den Standpunkt des Herrn Dr. Breuer am zutreffendsten einkleiden. Und dieser Dr. Breuer wurde der Nachfolger Samson Raphael Hirschs! Der Mann, der prinzipiell als der Antipode Hirschs bezeichnet werden darf, wurde berufen, übernahm den Berus, das Lebenswerk Hirschs fortzusetzen! Damit ist die tragische Situation der Adaß Jeschuritn-Gemeinde während der Aera Breuer gekennzeichnet. Breuer besaß zu diesem Berufe nur — die Tochter Hirschs, und es war kein glänzendes Zeugnis für den Erfolg der Lebensarbeit Hirschs, daß die Gemeinde, die sich mit Stolz nach dem Namen Hirschs nennt, den Herrn Dr. Breuer darum als zum Nachfolger Hirschs berufen erachtete, weil er fein Schwiegersohn war. Das ist ein Rätsel der „Gemeinde-Psychologie" — wenn ich in Analogie zu „Volks-Psychologie" so sagen darf — das zu denken giebt. Sechs Jahre hatte die Gemeinde an der Suppe zu löffeln, die sie sich eingebrockt hatte. Nun scheint die Situation sich ja harmonisch auslösen zu wollen, da Herr Dr. Breuer einen Ruf an die „Schiffschul" in Wien angenommen haben soll. Nicht nur das Gros der Gemeinde, sondern auch Herr Dr. Breuer selbst hat endlich die Erkenntnis gewonnen, daß