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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-24 · 30 (24.7.1896) · p. Seite 505

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
Seite 505 (sequence 7)
Language
German
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Nr 30. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 506. 'cheiien Vorstellung^' Minister die «2? ianSttMA ""^l>°rWenBe- 'S' 1**£ -Ul teriums gerichtet worden ist VTf betSuben ön dr ^dle Bemerkung, derHinber. gemacht, seinen ChaE„ r lortgeblieben, besonders da er Konfessionen zu Schmargenmommen wird, eine Schöpfung mheit ist. Ebenso ungehörig, rsammenhang stehend, ist der der Juden. Der Herr Unterlbwesen sein, derlei allgemeine behandelt zu sehen, die eine - Er kann ja nicht wissen, z Den ungeeignetsten Anlaß was vor vicrtehalb Jahren sustizrat Meyer sich weigerte, von ihm selbst, beschlossene en, weil er dadurch um den Stadtverordnetenversammlung gehorsamsten Vorstellung" ist von der Meinung ausgehen, i 1875 habe die Anstellung rttet, «weil und insoweit sie ligionsunterricht zu erteilen rch nicht geringer, daß die aben, und «den in der Zeit angestellten jüdischen Lehr- Verpflichtung zur Erteilung oupt nicht auferlegt worden -terierung nicht zur Wahr- -m-ch. daß -- , zum Recht werden, selb,t au sich unter gewissen Ge- «B d« eil 8*1«!]«»'» IN w» ütiiMül dach nltl” IW v* °? j» affen'?»«»'“ * „m»s«»ddi-d"»A •**;.", Ls»»« >nd er nach dem - <S)r Bo se den isters Dr. « " $et i, vermieden h Falksche Erlaß vom 8. Juli 1875 ist geltendes Recht. Diese Thatsache kann dirrch ein Citat aus Gneists Schrift über die konfessionelle Schule nicht umgestoßen werden. Der Herr Unterrichtsminister Dr. Bosse hat öffentlich versichert und in seinem Namen versichern lassen, daß er eine Verminderung der jüdischen Lehrkräfte an den Berliner Kommunalschulen nicht wünscht, daß er eine Verminderung der jüdischen Ordinariate nicht verlangt, daß er lediglich den Berliner Magistrat angehalten und darüber Kontrole geübt wissen will, daß der Falkttln Erlaß aufmerksamer als bisher beachtet werde. Dazu ist nichts anderes nötig, als daß die Berliner städtische Schulverivaltnug weniger schematisch verfährt und bei der Verteilung der jüdischen Lehrkräfte auf die Kommunalschulen die Zahl der jüdischen Schüler besser als bisher berücksichtigt. Das ist vielleicht nicht ganz bequem, aber unbillig ist es nicht. Man hat von „Konduitenlisten" gesprochen und davon gefabelt, daß die jüdischen Lehrkräfte unter Observation gestellt werden sollten. In Wahrheit gilt die angeordnete Observation dem Berliner Magistrat, und erst der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat die gutherzige Naivetät gehabt, den Makel dem Magistrat abzunehmen und auf die jüdischen Lehrkräfte zu übertragen. Was wir hier sagen, ist längst publici juris gewesen, als die „gehorsamste Vorstellung" der Berliner Gemeindevertretung beschlossen wurde. Ebenso war bereits bekannt, daß eine Prüfung der „Wirksamkeit" der jüdischen Lehrkräfte an den Berliner Kommnnalschulen schon stattgehabt und ihr Ergebnis den Weg zu dem Chef der staatlichen Unterrichtsverwaltung gefunden hatte. Die Urheber der „gehorsamsten Vorstellung" hätten daher wissen müssen, daß sie im besten Falle sich vergeblich bemühten. Sie hätten sich auch sagen dürfen, daß ihr Petitum „bezüglich der Anstellung und Beschäftigung jüdischer Lehrkräfte in Berlin eine Veränderung der bisherigen Praxis nicht eintreten lassen zu wollen", in dieser Allgemeinheit geradezu anstößig erscheint. Oder ist es etwa nicht anstößig, wenn die Vertretung der jüdischen Gemeinde Berlin dagegen Einspruch erhebt, daß die jüdischen städtischen Lehrer mehr als bisher zur Erteilung jüdischen Religionsunterrichts herangezogen werden? Will die Vertretung der jüdischen Gemeinde Berlin vielleicht die Ansicht verteidigen, daß für jüdische Lehrer die Erteilung jüdischen Religionsunterrichts, — dem sie, nebenbei bemerkt, nach dem Falkschen Erlaß ihre ganze Berufung verdanken — ein pullenänm sei? Tie Beantwortung der „gehorsamsten Vorstellung" wird noch eine Weile ans sich warten lassen, vor dem Herbst wird sie nicht kommen. Die Herren brauchen deshalb nicht ungeduldig zu werden, denn einen ablehnenden Bescheid hört mall noch immer früh genug. Nicht das Unterrichts-Ministerium ist die Instanz, von der in dieser Frage Abhilfe zu verlangen ist, sondern die Schulverwaltung des Berliner Magistrats, die mit verdächtiger Bereitwilligkeit aus der bedauerlichen Verfügung des Provinzial-Schulkolleginms Konsequenzen gezogen hat, die nicht notwendig sind. Daß die jüdischen Lehrpersonen, die bereits angestellt sind, ihre Ordinariate behalten, verdanken sie nicht der „gehorsamsten Vorstellung" der Berliner Gemeindevertretung, ganz und gar nicht. König Midas aber braucht den Verrat seines Geheimnisses nicht mehr zu fürchten — er hat selbst für seine Kundmachung gesorgt. _ M. A. Klausner. Die Deutsch-soMlk Rkformpartci. Der Antisemitismus, der in Deutschland seit beinahe zwei Jahrzehnten seinen unheilvollen Einstuß auf das öffentliche Leben ausübt, scheint in der letzten Zeit in sein letztes Stadium getreten zu sein: die Geschäftsantisemiten finden nicht mehr ihre Rechnung dabei und klagen fortwährend über den schlechten Geschäftsgang. Wie es in solchen Fällen stets zu geschehen pflegt, suchen sich die Hanptunternehmer gegenseitig für den Niedergang der mit so vielem Geschrei ins Leben gerufenen Richtung verantwortlich zu machen. Der Antisemitismus hat verschiedene Formen angenommen und zeigt sich in seinen verschiedenartigen Spielarten, von der atheistischen Judenfeindlichkeit des Philosophen Dühring bis zur fromm-christlichen Unduldsamkeit des Pastors Schall. Alle Schattierungen sind aber durch ihre Kulturfeindlichkeit und ihre politische Bösartigkeit gekennzeichnet. Die Zentrumspreffe, an ihrer Spitze die „Kölnische Volkszeitung", giebt das folgende treffende Bild von dieser häßlichen Erscheinung unseres Jahrhunderts in ihrem Niedergange: „Der Antisemitismus scheint wieder einmal in einer seiner nicht gerade seltenen „Krisen" zu sein. Aus seinem eigenen Lager kommen Stimmen über die „trostlosen Zustände", so verzweifelt und entrüstet, daß man kaum begreift, wie die antisemitische Partei überhaupt noch so lange Zusammenhalten konnte. Der Antisemitismus hat von vornherein laboriert an der Methode und an den Personen. Sobald er als eigene Partei auftrat, war schon sein eigentliches Element das, was der Berliner „Radau" nennt. Maßlose Angriffe aus die Inden in Volksversammlungen und in der Presse, wüstes Geschimpfe und unterschiedloses Schmähen und Verhöhnen aller Juden und alles Jüdischen waren seine Zugmittel. Selbst die religiösen Gefühle der Christen wurden nicht geschont, wenn es galt, den Juden eins auszuwischen. Was die Antisemiten aber eigentlich wollten, darüber war nie rechte Klarheit zu gewinnen, wenigstens gab es da so viele Köpfe wie Meinungen. Die einen wollten sämtliche Juden ausweisen und nach Palästina verfrachten, die andern sie von allen Aemtern u. s. w. ansschließen und sie unter ein besonderes Recht stellen, andere wollten sie nur ans bestimmten Erwerbs- und eruss Zweigen insoweit zurückdrängen, als sie darin einen ihrer- Gesamtzahl nicht mehr entsprechenden Prozentsatz einnehmen, wieder andere wollten nur die Gesetzgebung so ändern, daß die Christen besser geschützt seien gegen jüdische Geschäftspraktiken, und durch Aufmunterung des Selbstgefühls der Christen diese sich von den Inden emanzipieren lassen und die Juden zu „etwas mehr Bescheidenheit" zwingen. Von den Männern, die sich an die Spitze der Bewegung stellten, sind viele bereits wieder verschwunden, andere werden nächstens verschwinden. Eine ganze Anzahl der Hauptlärmmacher waren bloße Geschäfts-Antisemiten. Frieden hat in der Partei nie bestanden. Schon als sie ein paar Reichstags - Mandate erobert hatte, zählte sie so viele Fraktionen wie Ab-

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