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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-17 · 29 (17.7.1896) · p. Seite 493

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
29 (17.7.1896)
Date
1896-07-17
Page
Seite 493 (sequence 9)
Language
German
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Mittlerweile ist der Familie steht vor dem Handwerksgerät sind für Barbarei der rumänischen Judenbekehrung gerabezu phänomenale Erfolge zu verzeichnen gehabt unb Männer wie Frauen hätten ihm in höchster Begeisterung Diamanten unb Perlen vor bie Füße geworfen, bamit er weiter wirken könne. — Der betreffenben Zeitung erschienen biese Bekenntnisse einer schönen Seele boch wohl etwas zu phantasievoll. Man zog Erkunbigungen ein bei dem Rabbiner zu Denver, Rev. Dr. Friebmann, und dieser, der den Burschen genau kannte, gab ebenfalls der Zeitung ein Lebensbild desselben, das sich aber ganz anders ausnahm. Danach ist Mr. Warszawiak als junger Mensch aus Furcht vor der Rekrutierung aus Rußland entflohen. Niemals war er Rabbiner, im Gegenteil besitzt er nicht das geringste religiöse und profane Wissen. In Amerika rvußte er einige fromme Seelen, darunter mehrere orthodoxe Geistliche, zu beschwindeln, die ihm Geldmittel für seine angeblichen Bekehrungszwecke übergaben. Natürlich wanderte das Geld in seine Tasche und auch wieder heraus, aber nicht für die Ziele, die er den leichtgläubigen Amerikanern vorgeschwindelt hatte. Bis jetzt hat W. noch keinen halbwegs respektablen Juden bekehrt. Im Gegenteil hat er mit Juden nicht gerne zu schaffen, da es jüdische Zeitungen waren, die seinerzeit seine unsauberen Praktiken ans Licht gezogen. Als der famose Judenbekehrer diese seine wirkliche Lebensgeschichte in der Zeitung las und man ihn darauf hin scharf ins Gebet nahm, mußte er allerdings unter Stöhnen und Winden seine Flunkereien im allgemeinen zugeben. Weiteren unliebsamen Fragen entzog er sich durch schleuniges Verduften. Trotz alledem war der Bursche noch unverfroren genug, eine große Bekehrungsversammlung abzuhalten. Das Bekanntwerden seiner wahrheitsgemäßen Lebensgeschichte hatte jedoch seine Wirkung nicht verfehlt, denn es fanden sich nur sehr wenige Zuhörer ein. Da unter diesen Umständen der klingende Lohn jedenfalls kein allzu beträchtlicher sein würde und Hermann Warszawiak als Mann, der sich niemals mit Kleinigkeiten abgiebt, weniger als Dollars mit einem Male zu unterschlagen wahrscheinlich seiner nicht für würdig hält, so ging der Klingelbeutel dieses Mal nicht um in der Versammlung. Jedoch erklärte sich W. bereit, Spenden für die gute Sache auch im Hotel entgegen nehmen zu wollen. Ob die smarten Amerikaner auf diesen Schwindel wohl hineingesallen sind? — Christenhaß in China. Der zur Zeit, in China sich wieder regende Haß der Eingeborenen gegen die fremden Missionare hat wieder eine Reihe alter Beschuldigungen ausgefrischt. Wer die Geschichte der christlichen Missionen in China kennt, weiß, daß es nur „olle Kamellen" sind. Auch der Vorwurf der Zauberei ist nicht neuen Datums. Im Jahre 1877 war in Ning-Ko eine fremdenfeindliche Bewegung inszeniert worden. Die „Kathol. Missionen" (Freiburg i. B. 877, S. 13) schrieben damals darüber: „Um eben diese Zeit machte eine grause Mähre in Tschen-kiang, Nan-king, U-Hu und den Dörfern Aang-tse-kiang die Runde. Haarzöpfe wurden in unerklärlicher Weise abgeschnitten durch daumenlange Papiermännchen, hieß es, die man durch die Luft habe flieigen sehen. Auch bis Ning-to drang die Kunde und ward von den Feinden des christlichen Namens dahin vervollständigt, die Missionare besäßen die Kunst die Zöpfe wegzuzaubern; sie brauchten nur ein Stückchen Papier in die Luft zu werfen und darauf zu blasen, und fort sei ein Zopf, dessen unglücklichem Besitzer dann auch drei Tage später das Lebenslicht ausgehe. Allgemeiner Schrecken. Kinder suchten den Zauberer zu bannen, indem sie an ihre Zäpfchen Zettel mit abergläubischen Sprüchen hefteten; Erwachsene hielten den Zopf beständig in der Hand oder schoben ihn vorsichtig unter ihre Kopfbedeckung zurück. Alles das steigerte die Aufregung und den Haß und bereitete das Terrain für Jang-ton-lin's (ein ben Christen feindlich gesinnter General) und seiner Freunde Gewaltstreiche vor." — lieber die Juden in Marocco und ihre Bedeutung für die Ausbreitung des französischen Einflusses in Afrika schreibt der letzte Jahresbericht der Loeiete de Geographie: „Die israelitische Bevölkerung in Marocco ist auf dem besten Wege, dem französischen Einfluß einen neuen wichtigen Ansporn zu geben. Man erinnert sich, daß in der Konvention von Madrid am 3. Juli 1880 ein Kollektiv-Memorandum der europäischen Mächte ausgenommen wurde, welches für die maroccanischen Juden volle Religionsfreiheit forderte. Seitdem hat sich unter dieser eingeborenen Bevölkerung ein mächtiger geistiger Umschwung vollzogen, und dieser Umschwung, der sich auch äußerlich schon kundgiebt durch das Tragen europäischer Kleidung, wird ganz besonders durch die Schule begünstigt. Außer Jmoschar, wo 12000 Juden leben, zählt man 5000 Juden in Fez, 60OO in Tetuan, 8000 in Mogadar. Tanger besaß seit 1864 Schulen für Knaben und seit 1879 für Mädchen; die Schulen zu Tetuan waren schon 1862 begründet; andere Schulen wurden eröffnet im Jahre 1883 in Fez und im Jahre 1888 in Mogadar. In diesen Schulen, welche von der Alliance israelite subventioniert werden, wird der gesamte Unterricht in französischer Sprache erteilt. Die Knabenschule in Tanger enthält 403 Schüler und hat ein Budget voll 15000 Franks. Die Haltung der Klassen, der Lehrer und Schüler ist eine vorzügliche, die Aussprache des Französischen ausgezeichnet. Die ganze Bevölkerung beginnt sich unter französischer Aegide sichtlich moralisch und geistig zu heben. Die Mädchenschule in Tanger mit einem Budget von ungefähr 10000 Franks, zählt 240 Schülerinnen, die Schulen in Tetuan werden von 324 Knaben und 260 Mädchen besucht, die in Fez von 143, in Mogadar von 90. Eine große Anzahl europäischer Zeitschriften werden von Korrespondenten bedient, die aus diesen Schulen hervorgegangen sind, in Tanger selbst erscheint seit 14 Jahren eine kleine Wochenschrift in fränzösischer Sprache. Feuilleton. Jeremias. (Nach dem Hebräischen.) Trauernd, mit zerriss'ner Seele Wankt nach Hebrons Grabeshöhle Jeremias, der Prophet; „Könnt Ihr schluinmern, und im Staube Seufzt mein Volk, dem Feind zum Raube, Schmachtet Zions Majestät?"

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