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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-17 · 29 (17.7.1896) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
29 (17.7.1896)
Date
1896-07-17
Page
Seite 491 (sequence 7)
Language
German
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Nr 29. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 491. Nr. 29. Bekenntnis« t uberschriebene «o-JJ'141: H4I1 '2 i 13^58: 21,750! Ä! 1J'669' 79,2861 47fi! 13,775 ’SJ; f788! 12,246, 2 44,348 I £8,003! -00, 4,888 7 949 i 807( 2,833! 3Z1 5'320; iMi2i 'O3 0,673, 19,172; ^771 7,6251 44 54z! 1Vi 14-'' "Ai« 18; 95,349 372,059 4,692 <5: 2,704 42,887 459 6K 3,082; 10,998 48 11 5,786 53,885 50? 46 379 519 324 82; 11,519 9,368 12,639 26,735 25,531 2,182 1,252 1,552 21 1,635; 1,221 1,560: - 45 18 549 . 34 281 j 1,580 12 13,315 10,615 — Die Aera Bismarck-Puttkamer bringt eine Wahl des Provinzialausschusses zu Bromberg in Erinnerung. Ein Mitglied des Bezirksausschusses war gestorben und nun ist zu seinem Nachfolger nicht der Stellvertreter des Verstorbenen, sondern ein in kommunalen Angelegenheiten noch völlig unerfahrener Dritter gewählt worden. Freilich heißt der langjährige Stellvertreter Aronsohn und ist nicht blos Stadtrat, sondern auch erster Vorsteher der Synagogen-Gemeinde; freilich ist es bekannt geworden, daß der Oberpräsident von Posen, Herr von Wilamowitz-Möllendorf, den Wunsch geäußert hat, Herr Stadtrat Aronsohn möge nicht in den Bezirksausschuß gewählt werde«. Dies alles hat aber den Magistrat von Bromberg nicht gehindert, in einer Resolution dem Provinzialausschuß sein Befremden über diese Wahl kundzugeben. Diese Resolution ist auch der Stadtverordneten - Versammlung zu Bromberg mitgeteilt worden. Aber eine aus abhängigen Beamten und Antisemiten bestehende Majorität lehnte ab, an dem Beschlüsse des Provinzial-Ausschusses Kritik zu üben. Die von diesem Ausschuß geschaffene Situation gestaltet sich nun wie folgt: Wenn es sich in der Provinz Posen darum handelt, für öffentliche Dinge Geld zu sammeln, dann ist man stets bereit, Herrn Stadtrat Aronsohn heranzuziehen, obwohl er Jude ist. Für ein Ehrenamt in der Provinz Posen aber wird er für untauglich gehalten, weil er Jude ist. Hätte es der verflossene Puttkamer netter und praktischer einrichten können? — Zwei Briese von Marquis Mores aus seinen letzten Lebenstagen werden in französischen Blättern veröffentlicht. Aus dem erster« entnehmen wir folgendes: „Ich begebe mich jetzt nach dem Süden. Mit Gottes Hilfe (sehr schön im Munde eines Anarchisten) hoffe ich Erfolge zu erringen. Sollte mir etwas zustoßen, so sprengen Sie Gerüchte aus, damit man an den Juden Repressalien übe." In dem zweiten Briefe behauptet Mort-s, unter eine Mörderbande geraten zu sein und fordert gleichfalls im Falle seines Todes zu Repressalien gegen die Engländer und die Juden in Frankreich und England auf. — So wird es gemacht! — Christliche „Ritualmörder." Unter dem Verdacht, Menschenopfer zu bringen, standen seit dem Frühling 1892 mehrere Wotjaken des Dorfes Multan, Kreis Malmysch, in gerichtlicher Untersuchung. Es war der enthauptete Leichnam eines armen Bauern gefunden worden, dem der Kopf von einer chirurgisch geübten Hand abgetrennt war; der Kopf, sowie die Organe der Brust fehlten, und außerdem war dem Leichnam alles Blut entzogen. Es wurde nun der Verdacht rege, daß der Mann von den in der Nähe des Dorfes wohnenden Wotjaken zu religiösen Zwecken abgeschlachtet sei und die Polizei begann lediglich in dieser Richtung zu suchen. Es wurden elf Wotjaken verhaftet, die zuerst sämtlich das Verbrechen leugneten und erklärten, daß allerdings unter den Wotjaken viel heidnische Gebräuche herrschten, sie auch zu gewissen Jahreszeiten Enten, Gänse, Schafe den alten Göttern opferten, daß sie aber nie Menschenopfer gebracht hätten. Später gestanden einige in der polizeilichen Voruntersuchung, die unter Anwendung mittelalterlicher Torturen vorgenommen wurde, das Verbrechen ein, nahmen aber vor Gericht ihre Aussagen wieder zurück. Dennoch wurden sie, mit Ausnahme .... :&• von drei Personen, die schon in der ersten Gerichtsverhandlung freigesprochen wurden (eine Person war in der Voruntersuchung gestorben), wiederholt vom Geschworenengericht schuldig gesprochen, der Staatsanwalt berief sich zur Analogie aus das sogenannte jüdische Blutritual, was selbstverständlich nie seine Wirkung verfehlte, während der Senat jedesmal das Urteil kassierte und sogar dem Bezirksgericht einen scharfen Verweis wegen parteiischer Leitung der Verhandlungen, Beschränkung der Verteidigung u. s. w. gab. Jetzt nun, wie gesagt, wurde über die Angeklagten zum fünften Mal zu Gericht gesessen, und nun endlich fällten die Geschwornen ein freisprechendes Urteil. Unter den Angeklagten befand sich auch ein 91jähriger Greis, der frühere Wotjakische Priester Grigorjew, der in der Untersuchungshaft erblindet ist. Aufgeklärt freilich ist das dunkle Verbrechen noch immer nicht, die russische Presse zeigt sich aber doch sehr befriedigt, daß die jahrelang geführte Untersuchung wenigstens den einen Beweis erbracht habe, daß in Rußland Menschenopfer nirgends mehr vorkämen. — Die russischen Juden schildert ein in Rußland ansässiger Engländer in der englischen Zeitung „Queen" wie folgt: Es ist vollständig richtig, was Sie neulich in Ihrem Blatte veröffentlicht, daß in fast allen Gouvernements des jüdischen Ansiedelungs-Rayons, wenige Ausnahmen abgerechnet, fast alle Handwerke in den Händen der Juden liegen. In England kennt man, trotzdem schon sehr viel darüber geschrieben ist, die wirkliche Plage der russischen Inden noch sehr wenig, ebensowenig ihre große Bedeutung für das Leben der russischen Nation namentlich in den ländlichen Distrikten. Hier sind sie fast die einzigen Handwerker und selbst die eingefleischtesten Judenfeinde können das nicht leugnen und würden in die größte Verlegenheit geraten, wenn die Juden nicht da wären. Vielfach glaubt man in England, daß in Rußland eine starke, ausgesprochen feindselige Stimmung im russischen Volke gegen die Juden existiere. Das ist keineswegs der Fall; wo Exzesse Vorkommen, sind dieselben aus Rechnung der menschlichen Begehrlichkeit zu setzen und auf die Hetzereien einzelner, die auf diese Weise ihren Schnitt zu machen gedenken. Die Angabe, daß die russischen Juden die orthodoxe Kirche zu schädigen trachteten, ist nur ein billiger Vorwand für gewisse höhere Kreise, welche so ihrem Aerger über die jüdische Intelligenz und geschäftliche Tüchtigkeit, der sie nicht gewachsen sind, Luft machen wollen. Thatsache ist auch, daß russische Bauern vielfach lieber bei Juden als bei Christen arbeiten, weil sie von ersteren besser bezahlt und behandelt werden. Es ist zu meiner Kenntnis gelangt, daß ein großer Landeigentümer, ein bekannter enragierter Judenfeind und Inhaber einer hohen Hofcharge, auf seinem Besitze einer Anzahl von Juden gegen hohen Pachtzins Ländereien verpachtet hat, obwohl das Gesetz in diesem Falle dem entgegensteht. Zur Erntezeit geriet der Eigentümer in große Verlegenheit, denn seine Bauern zogen die Arbeit bei den jüdischen Pächtern vor und es bedurfte seinerseits großer Anstrengungen, um für seine eigene Ernte die nötigen Arbeiter heranzuziehen. — Ein neuer Kurs in Rußland? Wie man der „Polit. Korr." aus Petersburg meldet, hat die russische Regierung!

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