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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-17 · 29 (17.7.1896) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
29 (17.7.1896)
Date
1896-07-17
Page
Seite 490 (sequence 6)
Language
German
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Seite 490. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 29. sich schließlich unter neuem Namen als „Allgemeine Israelitische Wochenschrift" und begann, unabhängig wie er war, gegen verschiedene Mißstände in schärfster Form Front zu machen, eine Art enfant terrible unter den jüdischen Journalen, aber gerade wegen seines aggressiven Charakters interessanter als manches andere, das sich durch nichts aus seiner gelassenen Ruhe und — Langweiligkeit bringen läßt. So erschien denn in der „A. I. W." über den Königsberger Vortrag ein Artikel „Jüdische Wissenschaft fm de siede", der der Hohlheit und den Machenschaften der Litteraturvereine mit einer Deutlichkeit zu Leibe ging, die nichts zu wünschen übrig ließ. Zufällig erklärt — und das ist der Humor davon — genau am selben Tage der Redakteur der „A. Z. d. I." — sie und die „A. I. W." sind geschworene Feinde — in seinem Blatte die Begründung der Litteraturvereine für das segensreichste Werk seines Lebens. Hier natürlich große Entrüstung, Berichtigungen, Erwiderungen; man versuchte sogar ein klein wenig Jntrigue, um den unbequemen Mahner verstummen zu lassen. Indessen schwirren immer neue Klagen aus; die Herren scheinen die Gründlichkeit in der Wissenschaft durch großen Sinn fürs Praktische zu ersetzen: man spricht von Reklame, von Cliquenwirtschaft, von Abmachungen auf Gegenseitigkeit zwischen den Rednern; innige Beziehungen sollen Berlin und Köln mit einander pflegen; besonders im Verein der rheinischen Metropole haben sich, wie es heißt, allerhand Zwischenfälle hinter den Koulissen abgespielt. Vielleicht ist die Ernüchterung nicht mehr fern; dann wäre die Zeit des Litteraturvereins noch kürzer gewesen als die der Loge." ll)ochen-(Lhronik. Berlin, 15. Juli. — Die deutsch-soziale Reformpartei wird von ihrem Anhänger Hans von Mosch in seiner „Deutschen Reform" übel milgenommen. Der Zukunft seiner Partei diagnostiziert er „Trostlosigkeit"; die Vereine samt und sonders, in den Städten wie in der Provinz, — sagt Hans von Mosch, — welken und sinken mehr in sich zusammen, und wenn es so weiter geht, wird auch der letzte lautlos begraben sein! Ein paar klägliche Reste fristen noch durch „Landpartien", „Familienabende", „Stammtische" und durch geschästs-antisemitische Bemühungen niedrigster Art ihr Dasein. Die antisemitischen Blätter, — sagt Hans von Mosch, — treiben „Abonnenten- und Annocen- Politik" und die Kassen sind leer. Der Einigkeits-Schwindel sei daran schuld. „Schroffer denn je stehen sich die volksfreundlichen „Reformer" und die pfäfsisch-gouvernementalen „Liebermänner" gegenüber. Wie der infame preußische Gamaschen-Bureaukratismus uns noch die ganze Reichseinigkeit ruinieren wird, — sagt Hans von Mosch, — so das Gamaschen-Regiment des Herrn von Liebermann die antisemitische Partei!" — Wir sagen nur eines: Es erfüllt sich, wenn auch langsam, was vorauszusehen war: Der Haß allein hält keine Partei zusammen. — Religionsstatistik. Das vom Kaiserl. Etat. Amt herausgegebene statistische Jahrbuch' pro 1896 ist soeben erschienen. Auf Seite 6 bringt das Buch eine „Die Bevölkerung am 1. Dezember 1890 nach dem Religionsbekenntnis" überschriebene Tabelle, die hier folgen möge: Am 1. Dez. 1890 wurden gezählt: Staaten Landesteile i i © s, >g~ « .*£T ÖS - Ö5 § £ «££• e 'S Q »S- & & rr JO 3 ff? öa-sS C 3 0® 1=111 Prov. Ostpreußen . 1,675,792 257,159 11,141 14,411 160 „ Westpreußen . 681,195 717,532 13,158 21,750 46 Stadt Berlin .... 1,352,559 135,407 10,669 79,286 873 Prov. Brandenbg. . 2,431,307 89,910 6,572 13,775 219 „ Pommern . . . 1,476,300 27,476 4,788 12,246 79 „ Posen. 542,013 1,164,067 1,149 44,346 67 „ Schlesien.... 1,921,216 2,247,890 7,142 58,003 207 „ Sachsen .... 2,383,561 183,233 4,888 7,949 379 „ Schlesw.-Holst. 1,190,793 21,807 2,833 3,571 519 „ Hannover . . . 1,970,091 287,476 5,320 15,112 362 „ Westfalen . . . 1,152,985 1,250,603 5,673 19,172 228 „ Hessen-Nassau. 1,156,457 455,477 7,625 44,543 324 „ Rheinland. . . 1,295,673 3,351,864 14,391 47,234 1,229 Hohenzollern .... 2,507 62,917 661 — Königr. Preußen . . 19,232,449 10,252,818 95,349 372,059 4,692 Bayern r. d. Rh. . . 1,172,918 3,647,675 2,704 42,887 459 „ l. d. Rh. . . 398,915 315,266 3,082 10,998 48 Königr. Bayern. . . 1,571,863 3,962,941 5,786 53,885 507 Sachsen.. . 3,351,751 129,382 11,519 9,368 664 Württemberg .... Baden. 1,407,176 609,794 6,723 12,639 190 598,678 1,028,222 3,954 26,735 278 Hessen. 666,118 293,651 7,390 25,531 193 Mecklbg.-Schwerin . 570,703 5,065 373 2,182 19 Sachsen-Weimar . . 312,738 11,695 364 1,252 42 Mecklbg.-Strelitz . . 96,773 | 654 43 489! 19 Oldenburg . 274,410 77,769 1,216 1,552! 21 Braunschweig.... 383,652 16,419 846 1,635 1,221 Sachs.-Meiningen . 219,207 2,789 276 1,560! - „ Altenburg . . 168,549 2,092 160 45! 18 „ Coburg-Gotha 202,444 2,921 565 549 i 34 Anhalt. Schwarzburg- 261,215 8,875 281 1,580 12 Sondershausen 74,615 637 25 228! 5 Schwarzbg.-Rudolst. 85,342 397 43 71 1 10 Waldeck. 54,704 1,658 159 753 7 Reuß ä. L. 61,572 938 173 62 1 9 „ j- L. 118,072 1,181 386 147 25 Schaumburg-Lippe . 38,160 607 30 366 — Lippe. 123,111! 4,332 58 989! 5 Lübeck. 74,544 i 1,143 122 654 22 Bremen. 169,991 j 8,272 1,106 1,031 43 Hamburg. 571,497 23,444 4,836 17,877 . 4,876 Elsaß-Lothringen. . 337,476 1,227,295 3,757 34,645; 403 Sa.: Deutsches Reich 31,926,810 17,674,921 145,540 567,884 13,315 Am 1. 12. 1880 . . . 28,331,152 16,232,651 j 78,031 561,612! 30,615 Von den Bekennern der einzelnen Religionen haben somit in den Jahren 1880—1890 pro Jahr und Tausend zu genommen: Evangelische 9'/?, Katholiken 8^o, sonstige Christen 86V2, Juden IV10, während die „Bekenner anderer Religionen" 56<Yio ab genommen haben. Sowohl dieses Minus als auch das unverhältnismäßig große Plus bei den „sonstigen Christen" erklärt das „Etat. Jahrbuch" in einer Fußnote wie folgt: Zu den „sonstigen Christen" sind 1890 gerechnet: Brüdergemeinde, Mennoniten, Baptisten, Presbyterianer, Methodisten und Quäker, Jrvingianer, Deutsch-Katholische, Freireligiöse, Dissidenten rc. — 1880 war die Einteilung eine etwas andere, woher namentlich die verhältnismäßig großen Differenzen der Zahlen der „sonstigen Christen" und „Bekenner anderer Religionen" rühren.

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