Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 29 (17.7.1896)
- Date
- 1896-07-17
- Page
- Seite 487 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 487. *$**•£?£ ' ei k» k ,4a“k “■ et« vergeblich, bis das r Gedenktag der Kenausesamtmonarchie. Und damals genannten Großen und Führer rs Lager der Verfolger über-!olksmafsen die teure Heimat m Stich ließen, das leidender Armut und des Trübere treu zu bleiben. Diese ß sie uns stets in Erinnerung i mit Verständnis die Blätter t Ernst und mit der nötigen!e und wechselreiche Geschichte ine deutliche und lehrreiche > in sie vertiefen, man darf lekin sie im Leseklub bei Bier 'eren Tagen zeigen sich ernste! dringendste Aufgabe wäre. Führern befreien, die unsere m, welchen die Leitung der ihres Ehrgeizes ist, von den lmt nur eine Pfründe sehen, Hern, die unsere Glaubenschr den Emst der Zeit ver- > ywwMirfV es gewissem S ist unsere eit unseres s Wort Schuld : Leide» heißung fehlen )ie Zeit Zu' Nr. 29. Die „drei Wochen der Strafe" sind vorüber, es kommen nun die „sieben Wochen des Trostes" und am nächstfolgenden Sabbat werden in den Gotteshäusern Israels die ergreifenden Worte des zweiten Jesajah erklingen: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott!" Dr. S. Bernfeld. Die Ztaatsjudkn des Iudeichaats. Jahr für Jahr hat das letzte Viertel des XIX. Jahrhunderts traurige Ereignisse gezeitigt und die bei vielen bereits verblaßte Trauer um die Zerstörung Jerusalems wieder aufgefrischt. Diesmal hatte es den Anschein, als ob wir zu Tischah Beaw eine schadenfreudige Jubelhymne über die vollständige Verwesung des längst schon anrüchig gewordenen Antisemitismus — dieser von Zeit zu Zeit immer wieder zündenden Geschästsreklame verschlagener Köpfe — anstimmen sollten, denn wir sahen wieder einmal das alte Sprichwort sich bewahrheiten, daß die Ratten das sinkende Schiff verlassen, und durften uns dieserhalb auf die feine Goldwitterung Ahlwardts verlassen — siehe, da schickt uns Gott eine andere Plage, und mit der vom Propheten verheißenen Umwandlung des Trauermonats in einen Frendenmonat ist es wiederum nichts, ja die Hoffnung darauf ist in recht weite Ferne gerückt. Dafür aber hat sich ein anderes prophetisches Wort glänzend bewährt, das Wort: ixy "punnci "pD"inc, zu Deutsch: „Gott bewahre uns vor unseren guten Freunden", sie mögen nun Makkabäer oder Zionisten heißen oder irgend einen sonstigen heiligen Namen sich beilegen, meinetwegen den ihres neuesten Schutzpatrons Herzl, dieses Pygmalion, der sich einbildet, ein Abklatsch des Atlas zu sein, zwar nicht den ganzen Erdball, wenigstens aber einen Landstreifen, einen selbstgeschaffenen, zu tragen, dessen erster König oder mindestens Reichskanzler zu werden er hoffen darf. Ueber die Reise des Dr. Herzl nach Konstantinopel, woselbst er sich, seine Helfershelfer und sein Unternehmen zu blamieren gedenkt, erfahren wir auf dem Wege durch die antisemitische Presse einige, der „Staatsbürgerzeitnng" aus London zugehende Details: Daselbst hat Herzl in der „Makkabäer-Gesellschaft" einen Vortrag über seinen „Judenstaat" gehalten, dem Inden und Christen beiwohnten. Herzl erklärte, daß der Sultan seinem Plane günstig gesinnt und auch eine große Anzahl seiner Glaubensgenossen auf dem Kontinent ihn zu unterstützen bereit sei. Der jüdische Schriftsteller Zangwill und der englische Maler Holmann Hunt gaben dem Vortragenden recht. Es fehlte jedoch nicht an starker Opposition. Oberrabbiner Dr. Adler verhält sich dem Plane Dr. Herzl's gegenüber höchst ablehnend. — Wir schließen uns dem letzterwähnten Herrn aus vollem Herzen an und sind der Ansicht, daß die Utopien seines halben Namensvetters Hertzka — Herzl nicht haben schlafen lassen und er deshalb eine Art Juden- Freiland schaffen will. Auf weffeu Beifall rechnet Herzl, und für wen will er den jüdischen Staat gründen? Die Orthodoxen, so sehr sie auch die Erstarkung und Befestigung der nationalen Idee durch die zionistische Spielerei begünstigen, dürfen nach traditionellem Ueberkommen die Erwerbung Palästinas auf diesem Wege i. nicht unterstützen. Die liberalen Juden, soweit sie dafür zu haben sein werden, dürften diesen Messias-Doktor nur unterstützen, um event. ihre „mießen" Glaubensbrüder loszuwerden und unbehelligt in Europa bleiben zu können — mitgehen wird keiner von iynen, auf die Gefahr hin, von Herzl I in Cherem gethan zu werden. Und mit diesem Ausschuß will Herzl im „Judenstaate" Staat machen? Selbst Leo Härzberg-Frenkel, welcher die Herzlsche Broschüre sehr wohlwollend bespricht, bedauert, daß sie nicht bei Lebzeiten des Baron Hirsch erschienen sei, „da er allein der Mann war, der die Autorität, den Mut und die Mittel besaß, um ein so großes, kühnes Unternehmen zu fördern und mit allen Chancen des Erfolges an ein Werk zu schreiten, bei dem ein ganzes Volk mitbauen müßte, wenn es zustande kommen soll — während jetzt, ohne Cremieux, Montefiore und Hirsch, die Verwirklichung des großen, von Dr. Th. Herzl angeregten Gedankens sehr problematisch erscheint." Diesem Bedauern fügen wir noch unser Bedauern hinzu, daß diese Broschüre überhaupt erschienen ist und erhitzte Köpfe verdreht hat. Wir bedauern die Verschwendung von Unternehmungsgeist, Mut, Zeit und Geld; wenn die Sache zu realisieren wäre, hätte Baron Hirsch, der ja auch daran gedacht hat und in der glücklichen Lage war, das nötige Kleingeld dazu nicht erst zusammenschnorren zu müssen, dies schon längst gethan. Wäre es nicht besser, das Argentinische Hilfswerk zu stützen, das doch wahrlich auch keinen Uebersluß an geistigem Material hat, aber materiell doch schon fundiert ist, das jetzt nach dem Tode des Baron Hirsch anders geordnet werden und in andere Hände übergehen soll? Nach einer Meldung des „Woschod" wäre die Witwe des Baron Hirsch gesonnen, der Kolonisationsgesellschaft zur Sicherstellung des Unternehmens eine Summe bis zum Betrage von hundert Millionen Francs zur Verfügung zu stellen, sich selbst aber von dem Unternehmen ganz zurückzuziehen. In der vorigen Woche sollten die sämtlichen neuen Leiter der Kolonisationsangelegenheit, Vertreter des Londoner englisch-jüdischen Bundes, der Pariser Alliance israelite, der jüdischen Gemeinden von Berlin, Frankfurt a. M. und Brüssel, sowie einige Gründer der Kolonialgesellschaft, d. h. also sämtliche Inhaber von Aktien der Gesellschaft, in London zu einer beratenden Versammlung zusammentreten zwecks Revision einiger Punkte der Statuten und Feststellung einer Richtschnur für die fernere Thätigkeit der Gesellschaft. Und mit diesem Unternehmen will Herzl in einen Wettbewerb treten! Oder will er das Hilfswerk zersplittern, nur um seine Eitelkeit zu befriedigen? In dieser Beziehung kann er zufrieden sein, denn seine Reise kann als Triumphzug bezeichnet werden. Er darf sich einem Sabbathai Zebi oder Jakob Frank kühn an die Seite stellen — ein weiterer Erfolg ist sowieso ausgeschlossen. Die Reklametrommel wird tapfer gerührt, wie wir durch einen Bericht aus Sofia vom 17. Juni belehrt worden. Der hier schon erwähnte Bericht fängt wie folgt an: „Am 16. Juni brachte der Orient-Expreßzug den seit einigen Tagen avisierten, auf der Durchreise nach Konstantinopel sich befindenden Autor der Schrift „Der Judenstaat", Herrn Dr. Theodor Herzl. Dieser wurde von zwei Personen an der Landesgrenze erwartet. In Sofia harrte eine i