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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-17 · 29 (17.7.1896) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
29 (17.7.1896)
Date
1896-07-17
Page
Seite 486 (sequence 2)
Language
German
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Seite 486. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 29. in ihrer ganzen Unmittelbarkeit, in ihrer frivolen Nacktheit, ohne Scheinheiligkeit, ohne Feigenblatt. Die „Fürsten Sodoms", welche Jesajah mit so bittern Worten tadelt, haben sich nie als edle Patrioten ausgegeben, sie haben sich nie die Führerschaft aus Grund ihrer Verdienste angemaßt; sie waren harte Tyrannen, welche ihre Herrschaft mit Gewaltmitteln zu behaupten suchten. Und die öffentliche Moral? Sagt an, wie würdet ihr mit Leuten verfahren, die euch so die Wahrheit ins Gesicht schleudern würden? die euch zurufen möchten: eure Gotteshäuser sind dem Götzendienste geweiht, weil sie die wahre religiöse Heiligkeit entbehren, weil die Liturgien unverstanden abgeleiert werden, weil ihr stets nur auf die leere Aeußerlichkeit seht, auf den faden Pomp, mit dem ihr den „Andern" imponieren wollt, weil ihr in der letzten Zeit sogenannte Rabbiner auf die Kanzel schickt, die weder das nötige Wissen noch den nötigen Ernst für diesen heiligen Beruf besitzen, die nur schlechte Komödianten sind, welche das Volksgewissen, das noch etwa vorhanden ist, vollständig zu betäuben sich bestreben. Sagt an, die ihr auf eure Tugend so stolz seid: wie würdet ihr mit solchen Männern verfahren? Unsere Vorfahren haben sich schwer an der Lehre Gottes versündigt; sie sind der am Sinai übernommenen welthistorischen Mission untreu geworden; sie haben sich dem Götzenkultus und den niedrigen Gelüsten ergeben — aber ganz entartet waren sie doch nicht. Sie haben ihre Sünden reichlich gesühnt, in einem Meer von Blut und Thränen, in unzähligen Leiden, in einem nicht enden wollenden Martyrium, in tausenden von erlittenen Verfolgungen. Aber sie gingen geläutert aus diesen schweren Prüfungen hervor, die Gott über sie verhängt. Merkwürdig! Was alle gottbegeisterten Propheten mit all ihren flammenden Reden nicht erreichen konnten, fünfzig Jahre des babylonischen Exils haben es bewerkstelligt. Mitten unter den götzendienerischen Babyloniern warfJsrael seine selbstgeschaffenen Götzen mit Abscheu von sich, um zu dem erquickenden Quell der reinen Gotteslehre zurückzukehren! Diese Erscheinung hat sich in Israel oft wiederholt. Auch nach der Zerstörung des zweiten Tempels durch Titus ging ein mächtiger Zug der Reue durch das Volk, das nun einsah, wodurch es dem politischen Untergang anheimgefallen. Damals war es nicht mehr der entsittlichende Götzendienst; aber es waren andere Götzen, denen Israel gefröhnt: Herrschsucht und Sittenverderbnis der Großen, während die Massen von den griechisch-asiatischen Lastern sich frei zu halten wußten. Gleichsam als ob die Vorsehung es unternommen hätte, mit Feuer die Pestbeulen aus deni Körper des jüdischen Stammes auszubrennen, verschwanden nach der Katastrophe vom 9. Ab all die Auswüchse, all die häßlichen Erscheinungen, die schnöden Laster, die moralische Verkommenheit aus dem jüdischen Stamm. Weitsehend haben damals die jüdischen Lehrer eine Schutzmauer ausgerichtet zwischen der das Leben verheißenden Lehre Israels und der sogenannten „Kultur" der kleinasiatischen Griechlinge. Während des Mittelalters hat der jüdische Stamm nur noch einmal wieder jene Höhe erklommen, auf der er träumen durfte, daß es nun mit seiner Leidenszeit vorüber sei. Aber auch damals ging mit dem materiellen Glück eine moralische Verkommenheit Hand in Hand. Die Zeit der geistigen Blüte der spanisch-arabischen Judenheit fiel in eine Epoche von Ver- A 29' solgungen und Leiden. Gabirol, Jehuda Ha-Levi und die beiden Jbn-Esra haben unter bitteren Leiden ihre unvergeßlichen Gesänge gedichtet, Moses Maimonides ist unter schweren Verfolgungen ausgewachsen; in Deutschland wüteten im Zeitalter Raschi's die Kreuzzügler. Aber es kam im 14. und 15. Jahrhundert für die Juden in Spanien eine Zeit des materiellen Aufschwungs und mit ihm ein moralischer Niedergang. Nur wenige sahen das kommende Unheil um ein Jahrhundert voraus, erhoben ihre warnende Stimme und versuchten das Volksgewissen wachzurufen. Leider vergeblich, bis das Unheil mit voller Wucht hereinbrach. Der 9. Ab ist auch der Gedenktag der Judenaustreibung aus der spanischen Gesamtmonarchie. Und damals hat es sich gezeigt, daß die sogenannten Großen und Führer mit wenigen Ausnahmen in das Lager der Verfolger übergingen, während die großen Volksmassen die teure Heimat aufgaben, ihr Hab und Gut im Stich ließen, das leidenvolle Los der Verbannung, der Armut und des Trübsals wählten, um der ererbten Lehre treu zu bleiben. Diese Erscheinung ist so bedeutsam, daß sie uns stets in Erinnerung bleiben müßte! Möge die lebende Generation mit Verständnis die Blätter der jüdischen Geschichte lesen, mit Ernst und mit der nötigen Nutzanwendung. Die wundervolle und wechselreiche Geschichte des jüdischen Stammes führt eine deutliche und lehrreiche Sprache. Freilich muß man sich in sie vertiefen, man darf nicht warten, bis irgend ein Harlekin sie im Leseklub bei Bier und Tabak verzapft. Auch in unseren Tagen zeigen sich ernste Anzeichen, die zu verstehen unsere dringendste Ausgabe wäre. Wir müssen uns zuerst von den Führern befreien, die unsere Verführer sind, von den Männern, welchen die Leitung der Gemeinden nur eine Befriedigung ihres Ehrgeizes ist, von den falschen Priestern, die in ihrem Amt nur eine Pfründe sehen, von dem Heer von Phrasenmachern, die unsere Glaubensgenossenschaft umschmeicheln und ihr den Ernst der Zeit verhüllen. Unser Stamm hat ein Jahrhundert des materiellen Wohlergehens hinter sich. In diesem Jahrhundert hat Israel nichts auf dem Gebiete der Fortentwicklung des Judentums geschaffen, sondern vielmehr einen großen Teil des ererbten Gutes gewissenlos verschleudert. Dies war unsere Schuld — das ist unsere Trauer. Nun ist die Zeit der Sühne da, die Zeit unseres Trostes bricht an. Möge diese Zeit ein Geschlecht finden, das sich in männlicher Festigkeit und Beharrlichkeit bewährt. Die alten Lehrer der Agadah sprachen ein sinnreiches Wort aus: Unsere großen Propheten sprechen von Israels Schuld und von Israels Sühne; sie haben uns eine Zeit der Leiden vorausgesagt, aber zugleich im Namen der göttlichen Verheißung uns versprochen, daß der göttliche Schutz uns nimmer fehlen werde; auf die Zeit des Verfalls wird auch wieder die Zeit der Neubelebung folgen. Die Leiden sind eingetroffen, die Voraussage der Propheten hat sich in ihrer ersten Hälfte als wahr erwiesen. Nun dürfen wir auch die Gnade Gottes erhoffen. Es ist auch unser Trost das Bewußtsein, daß solche Zustände nicht die bleibenden Institutionen Israels werden können. Es wird, es muß anders, das heißt besser werden. jji, ,bni ®‘+n b' mtm m K» w' bis jntiM 3*1“’ „Tröstet, tröstet Hit M Jahr für Jahr Hunderts traurige Er verblaßte Trauer ut Diesmal Tisch ah Beau, eine ständige Verwesung Antisemitismus - zündenden Geschäfts sollten, denn wir so sich bewahrheiten, di und durften uns db wardts verlassen - Plage, und mit der des Trauemonats nichts, ja die Hossn Dafür aber hat sic! bewährt, das War „Gott bewahre uns nun Makkabäer ode heiligen Namen sic Schutzpatrons Abklatsch des Ätla wenigstens aber eil tragen, dessen erst werden er hoffen d Ueber die Rei selbst er sich, sein blamieren gedenkt, semitische Presse' London zugehende ,,Makkabäer-Gefells gehalten, dem Juin baß der Sultan st sine große Anzahl ihn zu unterstützen! und der englische "agendeu recht. , -berrabbiner Tr gegenüber höchst' erwähnten Herr« die Utopien se h-b,n ^'"7 Ich». .... "uf wessen Staat a, die 'Aich. Sbi«: Ueberk wnnnen b

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