Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 28 (10.7.1896)
- Date
- 1896-07-10
- Page
- Seite 478 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 478 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 28. „Das sind ja Juden und heute ist Sabbat", war seine Antwort. Ich war nicht wenig erstaunt, denn ich dachte mir immer die Subotniki als Sektierer, die ihr Wesen im geheimen treiben. Daß sie ihr Bekenntnis so offen, so zu sage» ans der Straße zur Schau tragen, wußte ich bis dahin nicht. Bald wurde mir aber vergönnt, einen dieser eigenartigen „Juden" näher kennen zu lernen. (Schluß folgt.) Die Wan. Humoreske von Eduard Kulte. Die Trauung war für Sonntag ein Uhr festgesetzt. Im Tempel in der Seitenstettengasse in Wien waren die üblichen Vorbereitungen getroffen, und Mannheimer, der Prediger, war bereits an Ort und Stelle, die Kopulation vorzunehmen. Aber das Brautpaar war nicht da. Es wurde viertel auf zwei, Halbzwei, dreiviertel, man wartete und wartete, aber die Brautleute kamen noch immer nicht. Selbst der sanfte und milde Mannheimer fing an, ein wenig ungeduldig zu werden, aber es nützte nichts, von einer Braut uud einem Bräutigam war keine Spur, und schon hatte es den Anschein, als sollte man unverrichteter Dinge den Tempel verlassen, als endlich um zwei Uhr die Brautleute mit einigen Hochzeitsgästen ankamen. Sie begaben sich in den Zeremoniensaal. Trotz seiner liebreichen Art, mit Menschen zu verkehren, konnte Mannheimer die Bemerkung nicht unterdrücken, daß es doch wohl nicht passend sei, ihn eine Stunde warten zu lassen. „Herr von Mannheimerleben," sagte der Bräutigam, „ich kann, soll ich leben, nichts dafür, daß Sie haben gemußt warten so lang. Schuld an allem ist nur das Geld." „Wie meinen Sie das?" fragte Mannheimer. „Wie soll ich es meinen," entgegnete der Bräutigam, „ich mein' es offen und ehrlich, genau so, wie es ist. Fünfhundert Gulden hat man mir zugesagt, alsdenn will ich meine fünfhundert Gulden haben." „Man hat Ihnen also das Geld nicht gegeben?" fragte Mannheimer. „Da steht er ja," erwiderte der Bräutigam. „Wer?" fragte Mannheimer. „Der Vater von der Braut," setzte der Bräutigam fort, „da steht er, fragen Sie ihn, ob er mir einen Kreuzer gegeben hat." „Sie haben dem Bräutigam fünfhundert Gulden zugesagt?" also wendete sich Mannheimer an den Vater der Braut. „Herr von Mannheimerleben," sagte der Brautvater, „warum hätt' ich ihm nicht gesollt zusagen fünfhundert Gulden?" „Nun, und warum geben Sie ihm das Geld nicht?" fragte Mannheimer. „Herr von Mannheimerleben," sagte der Brautvater, „erst müssen Sie frägen, ob ich's Hab'." „Nun, haben Sie's?" „Nu, Hab' ich's?" „Sie haben es also nicht?" „Von wannen sott ich es haben?" „Und wie konnten Sie fünfhundert Gulden zusagen, wenn Sie das Geld nicht haben?" „Ich bitt' Ihne, Herr von Mannheimerleben," sagte der Brautvater, „was thut ein Vater nicht alles, um ein Kind auszugeben! Die größten Opfer bringt man. Man strengt sich an über'n ,Jechoiles^ (über seine Kräfte)." „Gar so sehr angestrengt haben Sie sich nicht," sagte Mannheimer. „Ich Hab' mich wirklich sehr angestrengt," entgegnete der Brautvater, „herumgelaufen bin ich in ganz Wien zu allen Bekannten und Hab' mir gewollt ausleihen von einem jeden so viel wie möglich." „Die Bekannten haben Ihnen aber nichts geliehen," sagte Mannheimer gutmütig lächelnd. „Oßer einen Kreuzer." „Es ist doch ein großer Leichtsinn," sagte Mannheimer, dessen Miene inzwischen wieder sehr ernst geworden war. „Herr von Mannheimerleben," sagte der Brautvater, „das ist leicht gered't. Leichtsinn hin, Leichtsinn her. Die Hauptfach' ist, wenn ich das Geld hätt', möcht' ich es ihm geben aber wo nichts ist, hat der Kaiser das Recht verloren." „Und was sagen Sie dazu?" wendete sich hierauf Mannheimer wieder an den Bräutigam. „Herr von Mannheimerleben," gab der Bräutigam zur Antwort, „was soll ich dazu sagen? Was ich dazu sagen thu', das Hab' ich doch schon gesagt. Meine fünfhundert Gulden will ich haben." „Und Sie würden der fünfhundert Gulden wegen das Mädchen sitzen lassen?" fragte Mannheimer. „Ob!" sagte der Bräutigam. „Fühlen Sie," fragte Mannheiiner, „gar keine Neigung für das Mädchen?" „Warum nicht," sagte der Bräutigam, „Neigung Hab' ich auch." „Also," sagte Mannheimer, „folgen Sie der Neigung Ihres Herzens und machen Sie der peinlichen Sache ein Ende." „Herr von Mannheimerleben," sagte der Bräutigam, „Neigung ist recht, aber erst muß ich haben meine fünfhundert Gulden. Ich kann doch nicht nehmen ein Mädchen ohn' Geld! Was soll ich anfangen mit ein' Mädchen ohn' Geld? Wissen Sie nicht, Herr von Mannheimerleben, wie das Sprichwort sagt: ,Ohn' Geld ist ka Chassene'. „Und wozu sind Sie denn eigentlich hieher gekommen?" fragte Mannheimer, „Sie mußten das doch schon zu Hause wissen, daß die fünfhundert Gulden nicht da sind!" „Fragen Sie ihn," antwortete der Bräutigam, indem er mit dem Zeigefinger aus den Vater der Braut deutete, „er hat gesagt, wir sollen nur in Gott's Namen hergeh'n, der Herr von Mannheimer wird die Sach' schon in Ordnung bringen." „Ja, mein Lieber, was meint denn der Vater Ihrer Braut?" fragte Mannheimer, „meint er vielleicht, der Prediger hat die Obliegenheit, die Mitgift der Braut zur Trauung mitzubringen?" „Was weiß ich, was er meint," entgegnete der Bräutigam, „da steht er ja. Sie können ihn ja fragen." „Herr von Mannheimerleben," sagte der Brautvater, „die ganze Welt weiß, daß der Herr von Mannheimerleben ist ein seiner Mensch und thut heraushelfen einem jeden; Hab' ich mir gedacht, er wird mich auch nicht stecken lassen, geh'n wir