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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-10 · 28 (10.7.1896) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
28 (10.7.1896)
Date
1896-07-10
Page
Seite 477 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 28. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 477. _Nr. 28. int “f 9<Wta, »,i!vt»l<i« ->4-» Effekt hat bas flog, flute »Mö_elt0pf(1 Tagen vorausgesagt, n 'Erde, und sie ist ge-' r Herausgeber der Libre offenen Briefe zeic 5)rumont aüe§ ju leisten Tod des Marquis Mores / die Juden der nieder- ■ Die Juden sollen Mores Oberst Flatters und seine seiner Begleitung befand notorischer Jude). Aber : und die Logik gleichfalls en Umständen ist es qr Judenhaß Sie jede Elsas Sie früher geschrieben and I, Seite 42, schreiben von Geburt und er starb isen Idee wie seiner eifrigen md heute ist Flatters ein leses Citat aus dem Evangeniigt, um an den Fingern chritte Sie bereits gemacht )t, was man mehr beivun- Leser oder die Unverfroren- Dunst vormachen.";e. Nach einer Mitteilung Graf Leo Tolstoi über die des Kaiser Nikolaus II. zu Au: „34 *" fcrtti, »«4 dd »<1111 „Ich, di-»»«!-»»«--- Kftch Ä-9 -ff-mM» «en «lll-, daß d>< «" mi, btt WMh-il d« s”'?«**«*?£ dies Recht festgei S htb--b-4» ’n M^ Jiloiau? Maß i“ Feuilleton. Die Siiliotnilii. Bon 21. N. Stein, Dwinsk (Rußland). In der vorigen Nummer dieses Blattes ist ein kurzer Bericht aus den „St. Peterburgsk. Wiedomosti" über die in der lleberschrift bezeichuete judaisierende Sekte in Rußland reproduziert worden. Dieser kurze Bericht giebt mir Veranlassung, etwas ausführlicher auf das Leben dieser Sektierer einzugehen und das mitzuteilen, was ich unter ihnen erlebt und über sie erfahren. Die Subotniki („Sabbatianer") sind in den Wolgagouvernements und den Kosakenprovinzen am Don, im Kuban und in Kaukasien anzutreffen. Woher diese Sekte mit mosaischen Traditionen und jüdischen Sympathien in den entfernten Wolgafteppen und in Urwäldern des östlichen Rußland gekommen ist, ist noch nicht hinreichend erörtert worden. Die Annahme, daß sie ihren Ursprung habe in der geschichtlich bekannten jüdischen Propaganda der Juden Zacharias, Joseph Samuel Skariawy und Moses Chapuscha, welche im 15. Jahrhundert in Nowgorod das Judentum predigten und zahlreiche Anhänger fanden — eine Annahme, welche die meisten russischen Geschichtsforscher vertreten — ist nicht stichhaltig, da die genannten Männer sich wie bekannt ausschließlich aus die gelehrte Geistlichkeit und die höheren Volksklassen — den tzof des Zaren Johann III. in Moskau nicht ausgenommen — erstreckte. Tie Subotniki dagegen sind durchweg Bauern und Kleinbürger, denen die Bücherwelt jener Zeit völlig fremd war. Versuchen wir es jedoch, gestützt ans den Erfahrungssatz, daß zwischen Vergehen und Entstehen zweier völkerpsychologischer Erscheinungen oft eine Kausalverbindung zu entdecken ist, mit der Frage: Ist denn wirklich das Chazarenvolk mit seinen mosaistischenTraditionen und geistigen Errungenschaften untergegangen, ohne jegliche Spur zu hinterlassen? Sollte das Chazarenvolk von der Bildfläche verschwunden sein, ohne Trümmer oder Splitter einer jüdischen Tradition hinterlassen 51t haben? Nein. Wenn wir in den von dem Chazarenvolke ehedem bewohnten Landstrichen einer Sekte mit jüdischer Tradition begegnen, müssen wir notgedrungen zu der Annahme gelangen, daß diese Sekte ein Ueberbleibsel des Chazarenvolkes ist, dessen geistiges Erbteil sie bis auf den heutigen Tag pflegt. Tie Regierung drückt bei dem Treiben der Sabbatianer ein Auge zu, da sie in ihnen fleißige, nüchterne und arbeitsame Bürger findet. Kaiser Nikolaus I., der ein Feind aller Sektiererei war, hat mehreren Sabbatianersamilien erlaubt, öffentlich das Judentum anzunehmen. Er duldete lieber das Bekennen der jüdischen Religion, als das verpönte Sektierertum. Die Sabbatianer haben — dafür zeugt schon ihr Name — ursprünglich von allen ihren Traditionen nur die Heiligung des Sabbats als Ruhetag behalten. Sympathien aber für Juden und Judentum, die sie fast gar nicht kannten, haben sie Jahrhunderte hindurch in ihrem Herzen getragen, ähnlich wie wir Liebe und Anhänglichkeit für unsere in der Ferne lebenden, persönlich uns unbekannten Verwandten hegen. Die Neuzeit aber, welche auch das innere Rußland den Juden teilweise erschlossen hat, wie auch das Eisenbahn- und Telegraphennetz, das die entferntesten Gegenden, Nationalitäten und Geistesrichtungen einander näher rückt, haben auch die Subotniki dem jüdischen Wesen näher gebracht. Alles, was sie von jüdischer Weise erfahren, haben sie sich angeeignet und halten daran mit einer Zähigkeit fest, die einzig in ihrer Art ist. Die in letzter Zeit unternommenen Uebersetzungen der jüdischen Gebetbücher ins Russische hat dazu beigetragen, daß die Sabbatianer sich die jüdische Liturgie angeeignet haben, und wir werden es vielleicht noch erleben, daß auch unter ihnen Sekten entstehen, die über die Frage: aschkanesischer oder sephardischer Ritus? mit einander streiten und die Regierung zu einem Votum auffordern werden, ob Baruch scheamar vor Hodu oder Hodu vor Baruch scheamar zu beten sei. . . . Meine erste Bekanntschaft mit einem Sabbatianer konnte ich vor etwa 20 Jahren verzeichnen. Ich war eines Morgens so gegen 5 Uhr nach Warschau gekommen. Das Hotel, in welchem ich immer zu logieren pflegte, war stark besetzt, da es gerade Wollmarkt war. Der Verwalter des Hauses wies mir vorläufig ein Zimmer an, welches bereits einen Insassen hatte. Ich ließ mir die Theemaschine reichen und schlürfte den erwärmenden Trank. Währenddessen war mein unbekannter Zimmergenosse erwacht. Er stand aus, wusch sich und fing an etwas vor sich hinznmurmeln in einer Sprache und einer Weise, die mir fremdartig waren und meine Neugierde erregten. Ich fragte den jüdischen Hoteldiener, wer der Fremde sei. — „Das ist ein Subotuik", antwortete er mir leise, „und er betet Psalmen in hebräischer Sprache". Jnderthat, der Fremde war einer von den unter Kaiser Nikolaus I. Bekehrten und als Voll-Jude auch des Hebräischen nicht ganz unkundig. Aber — welch ein barbarisches Hebräisch! Armer König David, so wurden deine herrlichen Psalmen noch nie vorgetragen! Müde von der Reise hatte ich mich aus das Sopha hingestreckt und war bald eingeschlafen. Plötzlich erhielt ich einen heftigen Rippenstoß. Ich sprang aus — vor mir stand der Sabbatianer wutschnaubend. „Jüdische Fratze," ries er zähneknirschend, „hast deine Füße aus meinen Taliß und Tefilin gelegt!" Wahrhaftig, mea culpa, in meiner Schlaftrunkenheit hatte ich wirklich die geheiligten Gegenstände in der Ecke des Sophas nicht bemerkt und sie mit meinen Füßen profaniert. Obwohl der Rippenstoß des Sabbatianers nicht sehr sanft und das Epitheton nicht sehr schmeichelhaft für mich gewesen, so hatte doch die ganze Szene für mich etwas Belustigendes; das Schimpfwort „Jüdische Fratze" (shydowskaja charia) im Munde des fanatischen judaisierenden Bauern hatte mich mehr amüsiert als gekränkt. Ein Freund erzählte mir folgende interessante Erlebnisse: Ich war, sagte er, nach Wladikawkas gekommen, wo ich verschiedene Lieferungen für das Militär hatte und einige Monate zubringen mußte. Der zweite Tag nach meiner Ankunft war ein Samstag und es befremdete mich ungemein, aus dem Platze vor dem Hotel eine Menge Burschen und Dirnen festlich gekleidet und miteinander schäkernd, flanieren zu sehen. „Warum treibt sich das Volk da müßig herum, heute ist ja nicht Feiertag?" fragte ich den Hotelschweizer. —

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