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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-10 · 28 (10.7.1896) · p. Seite 473

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
28 (10.7.1896)
Date
1896-07-10
Page
Seite 473 (sequence 5)
Language
German
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i. c Nr. 28. ** fern hich-, 'fY"""k" «>»» «f *n Siet,« «^ »»«Itmbtj miebtr *1'« »enfa, u«b »ie[er j»Ech . E lch im Jahre 1865;,e" Stunden noch immer obwohl er damals schon n der ehemaligen harmschon keine Spur mehr -nsteinbetriebe gekommen? n sehr wohl, daß auch das > barg, häufig wurde bald ick gefunden. Auch das bergenden „blauen Erde' Geld gehabt hätten, um >ach Bernstein zu graben, edeutend'er Gewinn zu eran einen unternehmenden, en Mann, der mit dem Wen Unternehmen beteiligte, ft und gemutet; allein der nmal die Tageskosten deckte, hinzu. Der Kahnschiffer Firma - war mit Becker der zu ihm eines Tages bei s quälst Tn Dich ab mit :n aus dem Boden des Haffs mußt Tu ihn suchen." Becker, „ich wüßte das zu können, sind Bagger s wir beide besitzen." ien, „man muß aber auch ch weiß es, wo er seine , mache Dich zum reichen Ienossen sich das notwenrmStantienL Becker;f eine Anzahl Jahre das le des HaP nach Bern- Nr. 28. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 473. welche er der Familie widmete, wurden immer seltener. Sein Geist war in steter Unruhe und Aufregung. Hunderte von Projekten trug er mit sich herum, und ließ sie in seinem Gehirne Revue passieren, um sie auf ihre Ausführbarkeit zn prüfen. Dabei verfolgte er unablässig und mit eiserner Konsequenz ein einziges Ziel: — für seinen Bernsteinbetrieb ein Welt Monopol zu gewinnen. Auch der Charakter des Mannes hatte sich mit der Zeit von Grund ans geändert. Der harmlose, gemütliche, gutmütige Mensch, — freilich Grnndstimmnngen, welche er nie ganz verleugnete — konnte jetzt auch hart und rücksichtslos werden, absprechend anderen Menschen gegenüber, herrisch gegen Untergebene. Was ihn aber ganz besonders unbeliebt machte, das war sein allzugroßer Ehrgeiz, welchen er zu übertünchen und zu verschleiern gar keine Anstrengung machte. Er hatte sein nenerbautes Haus höchst elegant ansstatten lassen und veranstaltete zuweilen darin glänzende Gesellschaftsabende und Festlichkeiten. Freilich die maßgebenden Großkanflente blieben fern. Das schmerzte ihn sehr, das war mit die Veranlassung, daß er sein hübsches Anwesen seinem Schwager überließ und mit dem Hauptgeschäfte nach Königsberg übersiedelte. Desto lieber verkehrten bei ihm die Beamten, diese wußte er sich stets warm zu halten. Um nun dieses Weltmonopol des Bernsteingeschäftes ganz allein besitzen und genießen zu können, mußte Becker zunächst die Gemeinschaft mit seinen Genossen zu lösen suchen. Das war eine leichte Sache. Genosse Stantien war am leichtesten zn befriedigen. Der nahm sein bereits erspartes Vermögen mitsamt seiner bedeutenden Abfindungssumme und setzte sich zur Ruhe. Einmal, gar nicht lange vor seinem Tode, habe ich Stantien gefragt: „Sagen Sie mir einmal ihre volle aufrichtige Meinung, Sie müssen ihn doch am allerbesten kennen, was halten Sie von Becker?" „Becker ist," anwortete mir der Gefragte, „ein durchaus guter, aufrichtiger und ehrlicher Kerl; man muß ihn nur zu nehnien wissen. Er wird nur zu viel geärgert und verhetzt, mit Neid und Chikanen verfolgt — da kann er denn auch boshaft werden. Zudem, meint er, alles was er denkt und sagt und verlangt, das sei das beste, und wenn man anders denkt und anders thnt, glaubt er immer, es geschieht ihm znm Trotz und znm Aerger und wird grob und verletzend." „Und nun noch eins," fragte ich, „ist Becker im Geschäftsverkehr, besonders in der Wahl der Mittel zur Erreichung seiner Zwecke, derselbe ehrliche, aufrichtige und auch wohlwollende Mensch, wie im Lebensverkehr?" „Ja, dieses Ding," meinte Stantien, „hat seine zwei Seiten. Wenn ich es Ihnen frei und offen bekennen soll, so muß ich sagen, ich hätte mich solcher Mittel nicht bedient, wie er es thnt und gethan hat. Ich bin aber kein Geschäftsmann und kann darum als solcher auch garnicht mitreden. Doch eins hat mir nie an ihm gefallen, das habe ich auch garnicht verschwiegen. Mehr als einmal habe ich ihm vorgehalten: „Warum bist Du so rücksichtslos gegen andere Menschen, besonders gegen die Konkurrenten und willst mit Gewalt alles an Dich reißen. Andere Menschen wollen doch auch leben!" — „Ja," war dann seine Antwort, „sie wollen leben und sollen leben; aber von mir sollen sie leben! Das ist mein Geschäft und das lasse ich mir nicht aus den Händen winden." „Becker, sollen Sie wissen, hatte da einen Gedanken gefaßt, den ließ er sich nicht ausreden, der war ihm geradezu zur fixen Idee geworden. Er behauptete nämlich, daß vor uns eine solche Bernsteingewinnung und ein solches Bernsteingeschäft garnicht existiert habe, daß wir die Schöpfer und Erfinder des gesamten Betriebes seien." „Wenn jemand ein Buch schreibt, sagte er, oder eine Erfindung macht und läßt sie sich patentieren, so hat er daran ein Urheberrecht, das ihm niemand streitig machen kann. Wir, das will sagen: ich, denn Ihr seid ja reich genug abgefunden, habe an dem Bernsteingeschäft ein Urheberrecht, das werde ich zu behaupten suchen, es koste, was es wolle." Jetzt verstand ich vieles, was mir sonst in des Mannes Handlungsweise unbegreiflich geblieben wäre. Wie den Stantien, so hat Becker auch die anderen Genossen durch große Geldsummen abgesunden — zuerst den Kaufmann, der die ersten Vorschüsse gemacht hatte und mittlerweile zu einem der bedeutendsten Großkaufleute und Schiffsrheder am hiesigen Platze geworden war, und zuletzt den ältesten Genossen, den er als tüchtigen Sachkenner nicht gern entbehren wollte. Schließlich hat Becker auch so ziemlich erreicht, was er hat erreichen wollen, eine Art Weltmonopol. In allen größeren Städten der Welt ist die Firma vertreten, verarbeitet das Rohmaterial und verkauft ihre Fabrikate und wer Rohmaterial haben will, der muß es bei der Firma entnehmen. Und Becker selbst, was hat er nun von alledem? Nichts als Kummer und Sorge, Verhetzung und Verunglimpfung. So von Anfang an, da er diesem Traum nachzuhängen anfing, so bis zu dieser Stunde. Als nun der Antisemitismus sich zu regen begann, da ging sein Leiden erst recht los, da ließ man ihm schon gar keine Ruhe mehr. Und Becker war innerlich nicht genug gefestigt, war nicht edel und hochdenkend genug veranlagt, ihm fehlte auch die feinere, umfassendere, über alle solche Uebel und Aergerniffe hinaushebende Bildung und Erziehung; es konnte gar nicht ausbleiben, daß er schwer geschädigt an seinem sittlichen Halt und Bewußtsein aus Viesen Anfechtungen hervorging. „Alles begreifen ist alles verzeihen"; ich kann's begreifen, darum kann ich es auch verzeihen. Becker hatte es mit seinen Arbeitern sehr gut im Sinne. Die Sorge für ihr leibliches und geistiges Wohl durch Wohnung und Verpflegung in gesunden wie in kranken Tagen, sowie ihre Gewöhnung an Nüchternheit und Sparsamkeit lag ihm sehr am Herzen. Seine Veranstaltungen zu diesem Zwecke waren musterhaft. Nicht einmal, nein hundertmal hatte ich mich selbst hiervon zu überzeugen Gelegenheit. Die Bernsteinkolonie in dem Seebade Schwarzort war, wie der ganze Ort selbst, der seinesgleichen nicht hat an der ganzen Ostseeküste, eigen- und einzigartig. Becker besaß daselbst, im Viertel der Gast- und Logierhäuser, eine prächtige Villa mit Gartenanlagen. Am nördlichen Ende der Oase befand sich die B e r n st e i n k o l o n i e. Dort hatte Becker einen geräumigen und geschützten Hafen anlegen lassen für seine Bagger, Prähme, Dampfschiffe und andere Fahrf

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