Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 27 (3.7.1896)
- Date
- 1896-07-03
- Page
- Seite 466 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 466. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 27. Fürsten der Geister, das Szepter aus der Hand zu winden. O, warum denn sonst, o König Salomo, gabst du inich solcher Schmach preis?" — „Zürne mir nicht, o mächtiger Meister der Schedim!" entgegnete Salomo, „denn die Befriedigung irgend eines ehrgeizigen Gelüstes ist wahrlich nicht die Ursache deiner Gefangennahme, vielmehr war blos die Ehre meines Gottes, der auch der deinige ist, Veranlassung derselben. So zürne mir denn nicht und sage an, wo jener wunderthätige Wurm Schamir, dessen ich zum Behauen des Marmors und Kiesels bedarf, zu finden sei, da man mir allenthalben dein Wissen und Können anpries!" Und Aschmadai, besänftigt, erwiderte hierauf: „Wenn dem also ist, o mächtiger König Israels, so füge ich mich willig meinem herben Schicksale, und will dir auch angeben, in wessen Macht sich der Schamir befindet. So vernimm denn, erhabener Salomo! Der Wurm Schamir ist dem Fürsten aller Meere und Gewässer übergeben, der ihn jedoch nicht in eigenem Gewahrsam behielt, sondern ihn dem Hahne der Wüste, Auerhahn genannt, so seinem Schwur zu glauben ist, anvertraute. Und willst du ihm beikommen, dem Anerhahne, so wisse, er haust in der Wüste auf einem steilen, unfruchtbaren Felsen; dort, in einer dem irdischen Auge unbemerkbaren kleinen Höhlullg verwahrt er den Schamir seit jener Zeit, da er in der Abenddämmerung des sechsten Tages erschaffen worden war." Und Salomo winkte, nachdem er dies vernommen hatte, abermals dem Heldenjüngling Benajahu und redete ihn an, wie folgt: „Vollkommen hast du mein Vertrauen gerechtfertigt, Jüngling aus dem edelsten Stamme meines Volkes! Von deiner Weisheit und der Schärfe deines Verstandes werden noch die Enkel unserer Urenkel und all' unsere Nachkommen erzählen. So bewähre denn vor den Augen meines ganzen Volkes noch einmal dies hohe Lob, das ich dir hiermit erteile, und drücke meinen Worten vollkommen das Siegel der Wahrheit auf. Hier wähle dir ein Gefolge von den schönsten und tapfersten Männern meines Heeres aus, und zieh' hin in die Wüste zu jenem Felsen, wo der Auerhahn haust. Und kehrst du in Frieden zurück, so erwarte einen Lohn, wie ihn nur Salomo zu spenden imstande ist; denn zum obersten Befehlshaber meines Heeres will ich dich machen." (Fortsetzung folgt.) * Das Zukunfts-Parlament in Oesterreich. Eine treffliche Persiflage auf den neuesten parlamentarischen Ton in Oesterreich veröffentlicht ein Wiener Blatt. Der Präsident beginnt: „Der Herr Abgeordnete Hepp solls Maul aufmachen." — Abg. Dr. Hepp: Wenn ich aus dem Quatsch, den mein Vorredner soeben vorgekieselt hat, einen Sinn heranshöre, so denkt der Kerl mit seinem 3stöckigen Quadratplutzer, daß die Regierung jemals die frechen Betteleien der von ihm vertretenen Bagage berücksichtigen wird. Im Namen meiner Partei. . ." (Rufe: Oes Trottel! Andere Rufe: Selber Trottel! Teppen!) „Ach was, ich streng mich da weiter an! Das ist mir ja zu dumm, mit solchen Pülchern ein gescheidtes Wort zu reden." (Beifall und Widerspruch.) — Präsident: „Jetzt kann der Abgeordnete Hetzmaier das Maul aufmachen." — Abg. Hetzmaier: „Das krnmmhaarige Donnerwetter soll dreinschlagen, wenn diese Mistkerle sich unterstehen, mich zu unterbrechen . . ." (Ruse: Pappen halten!) — Abgeordneter (wütend): „Was, Pappen halten? Kommt her, wenns a Kuraschi habts — so lang die Watsch'n nur fünf Gulden kost." (Rufe: Runberbua — Fallot!) — Präsident: „Ich muß daran erinnern, daß eigentlich nur in den Kouloirs gerauft werden darf." — Abg. Hetzmaier: „Alsdann kuschts Enk jetzt; wanns draußen gwassert werden ivollts, könnts ja später 'nauskommen. Ich habe zu dem Antrag nur zu bemerken, daß er ein Blödsinn ist. Nur ein dummer Hund kann so etwas verlangen, aber freilich, so einem Klumpert, wie's in dem Schweinestall da bei'nander hockt, darf man alles zumuten. (Schlägt auf das Pult.) Ich erkläre jeden, der dafiir stimmt, für einen politischen Techtl- Mechtl-Wüstling, für einen g'scheerten Malefiz-Diäten-Mogler, dem man eine aufs Hirn geben soll, daß er mit die Fußsohlen auf die Uhr schaut." (Dröhnender Beifall. Redner wird beglückwünscht.) — Präsident: „Jetzt kann der Abg. Schweselhäusler das Maul aufmachen." — Abg. Schwefel- Häusler: „Hohes Hans! (Lebhafte Oho-Rnfe!) Wenn ich mir die Freiheit nehme, den verehrten Herren (stürmische Entrüstung!) einige sachliche Bemerkungen . . ." (Tumult.) — Präsident: „Ich muß den Herrn Abgeordneten wegen seiner unparlamentarischen Ausdrucksweise zur Ordnung rufen!" (Beifall im ganzen Hause und auf den Galerien.) Hier und dort. * Berlin, 30. Juni. Ein Troß von Antisemiten ist am Sonnabend aus Wien hier eingetroffen; sie werden jedoch herzlich wenig beachtet. Umsomehr versuchen sie, mit ihren hiesigen Freunden selbst Radau zu machen. Nach der „Staatsb. Ztg." haben sie in mehr als 40 Wagen eine Rundfahrt durch die Stadt veranstaltet. Die Räume des Rathauses wurdet: den Wiener Antisemiten durch den Hausinspektor ebenso geöffnet wie allen in Berlin anwesenden Fremden. Das genannte Blatt aber erblickt in dem Einzug der Wiener Antisemiten iirs Berliner Rathaus ein günstiges Anzeichen für zukünftige Wahlen. — Kindliche Auffassung. * Berlin, 30. Juni. Die Liste der antisemitischen Badeorte sei wiederum ergänzt. In Heiligenhafen hat die Badeverwaltung die Verscheuchung der Juden durch ausnahmsweise hohe Kurtaxen angekündigt. Jetzt soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden, an. deren Spitze, nach der Versicherung eines Antisemitenblattes, maßgebende, zuverlässige Männer stehen, „welche absolute Sicherheit nicht nur dafür bieten, daß die auf Namen lautenden Aktien ausschließlich in christlich-deutsche Hände gelangen, sondern auch dafür, daß wir uns während eines somrnerlichen Aufenthaltes in Heiligenhafen thatsächlich — wie es im Prospekte heißt — wie zu Hause fühlen!" — Ueber das Bad Taborz schreibt die „Staatsb. Zrg.", daß es gelungen sei, „die Kinder Israels aus unserem idyllischen