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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-03 · 27 (3.7.1896) · p. Seite 464

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
27 (3.7.1896)
Date
1896-07-03
Page
Seite 464 (sequence 12)
Language
German
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Seite 464. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 27. Als Typus der freierfundenen rhytmischen Melodien bezeichnet Redner einige „Pismon-Melodien". Unter den 30 Pismonim, die er historisch erklärt, hebt er besonders drei hervor, die merkwürdigerweise einen Verfasser und dieselbe Melodie haben, während die anderen übertragene, zumeist böhmische Volksmelodien aufweisen. Die Melodie des Salomon b. Jehuda ha Bawli (980) zu seinem Pismon "n );;n sei als die älteste unter den Original-Pismonmelodien zu erachten. Das dem Texte nach älteste Pismon *]-“!" von Jose b. Jose (vor dem 9. Jahrh.) werde nach der >^L'-Melodie von Neujahr gesungen, stelle aber eine Psalmodie dar. Zur Entwickelungsgeschichte des modernen Synagoge ngesanges übergehend, bemerkt Redner, daß nach der Schlacht bei Leuthen 1757 in der Synagoge zu Berlin zum ersteumale ein (von M. Mendelssohn gedichtetes) deutsches Lied zum Vortrage gebracht worden. Mit dem Anfänge des 19.Jahrhunderts, einer Zeit, in der man auch über dieEmanzipatron der Juden nachzusinnen begonnen und politische und kirchliche Freiheitsbestrebungen allgemeine Verbreitung gefunden, habe der Synagogengesang in Deutschland einen Aufschwung genommen, der in Sulzer und Lewandowski den höchsten Gipfel erreicht hat, jener, der unvergleichliche, gottbegnadete Sänger und erster Wegweiser auf dem Gebiete der Tonkunst, dieser, der mächtige, vielseitige Tonschöpfer, der Heros unter den Synagogen-Komponisten, der seine ganze Produktionskraft vornehmlich in den Dienst der Synagoge gestellt. Einem talmudischen Worte nach soll mit der Zerstörung des Tempels das Lied verstummt sein; der Blick aus jene beiden Sangeshelden zeige aber, daß sobald Israel seine Geschichtsblätter aufschlage, um sich seiner herrlichen Tonkunst zu erinnern, auch die Saiten der alten Harfe Davids wieder erzittern. Feuilleton. Aschmadai. (Aus dem jüdischen Legendenschatz.) Von Joachim Rosenauer. (Fortsetzung.) Nachdem die Schedim also gesprochen hatten, schweifte der Blick Salomos lange in dem weiten Saale unstät umher, endlich aber blieb er au einem Jünglinge, kräftig von Gestalt und lieblich vou Ansehen, und den Ausdruck des kühnsten und entschlossensten Mutes in dem schönen Antlitze, mit unverkennbarem Wohlgefallen haften. „Benajahu, Sohn Jehojadas!" so redete ihn Salomo freundlich an, „ich kenne dich schon längst als den Mutigsten meines Heeres, als den Kühnsten und Klügsten meiner Umgebung. Sieh' nun, welch' schöne Gelegenheit sich dir jetzt darbietet, mein ganzes Volk von der Wahrheit dieser meiner Aussage zu überzeugen Sprich! Willst du es wohl wagen, mir den Aschmadai gefangen auszuliesern, und dich dadurch nicht nur um mich und mein ganzes Volk, sondern auch um deinen Gott hoch verdient zu machen?" „Wohl wage ich es, o mein König und mächtiger Gebieter!" so rief der Jüngling, indem seine Augen den feurigen Mut widerstrahlten, der in seinem Innern zu einer hellen Flamme aufloderte, „wohl wage ich es!" „Nun, so geleite der Herr dich, mein Sohn!" so endete Salomo, „denn diese deine Heldenthat geschieht ja nur zur Verherrlichung seines Namens. Er möge deine Schritte bald zum Ziele leiten, und dein Unternehmen durch seinen Segen beglücken." Benajahu, Sohn Jehojadas, verließ hierauf die Verammluug. Auf sein Geheiß wurde eine goldene Kette angesertigt, auf deren jedem Gliede der Name Gottes in chaldäischen Schriftzeichen eingegraben war, dann nahm er viel seine Wolle von den fetten Lämmern Gileads, auch Spaten und Schaufel und endlich einige Schläuche voll des köstlichsten Rebensaftes vom Weingarten zu Bal Haman, der dem Salomo gehörte; dergestalt ausgerüstet machte er sich mit einem kleinen Gefolge auf den Weg. Nach einer langen und abenteuerlichen Reise durch die Wüste gelangte er endlich an den in einer lieblichen Landschaft gelegenen Berg Aschmadais. Mit Frucht beladene Palmen schmückten dessen Gipfel, auf dem ein ewiger Sommer zu herrschen schien, und den beinahe runden Fuß umschlängelte ein klares, reines Bächlein, das von Fischen verschiedener Art und Gattung erfüllt war. Auf dem Abhange des Berges ersah man bald den Brunnen des Meisters der Schedim, den eine hölzerne Scheibe, mit einem großen Siegel versehen, vor dem Zutritte der Sonnenstrahlen bewahrte. Sinnend verweilte der Blick Benajahus eine geraume Weile auf dem mit gräulichen Figuren und geheimnisvollen Hiroglyphen bemalten Petschaft, endlich aber sprach er, zu seinem Gefolge sich wendend, also: „Freunde! Das Ziel unserer Reise ist nun zwar erreicht, aber noch nicht deren Zweck. Entschlossener Mut und rohe Kraft kann uns hier wenig nützen, wo es nicht den Kampf mit einem sterblichen Geschöpfe, sondern den mit dem Könige und Meister der Schedim gilt. Aber Gott, der Herr, hat uns Einsicht und Verstand verliehen, und mit Hilfe dieser beiden göttlichen Spenden, köstlicher als Gold, Perlen und Edelsteine, werden wir doch jenes mächtige Wesen, das hier hauset, besiegen; denn Gott ist unsere Hilfe und wird uns beistehen, da es doch nur die Verherrlichung seines Namens gilt. Wenn es uns nun gelänge, anstatt des Wassers Wein in diesen Brunnen zu bringen, so hätten wir wohl gewonnenes Spiel, aber das ist mit großen Schwierigkeiten verbunden; denn wollten wir blos die Scheibe wegheben, und dann das Wasser ausschöpfen, so würden wir durch Verletzung des Siegels den Verdacht Aschmadais erregen. — Nein, Freunde! Aus eine andere Art müssen wir dem beikommen. — Kommt! Gelobt und gepriesen sei der Herr, dessen Geist jetzt milde auf mich niederstrahlt! Kommt und thut so, wie ich euch befehle! Und Benajahu, Sohn Jehojadas, ließ nun zuerst eine Grube uuterhalb des Brunnens Aschmadais machen, setzte die beiden, beinahe gleich tiefen Gruben durch eine kleine Bohrung mit einander in Verbindung, so daß nun bald alles Wasser aus dem Brunnen des Aschmadai in die neu gemachte Grube hinübergeflossen war. Nachdem dies geschehen und die Bohrung durch Wolle verstopft war, wurde eine ähnliche Höhlung auch oberhalb des Brunnens gegraben und wieder

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