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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-07-03 · 27 (3.7.1896) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
27 (3.7.1896)
Date
1896-07-03
Page
Seite 459 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 469. mit der Er Herr K>- »^ nichi IJ Er wollte den W m ^"lalen, eines Ami Herz/' sagte er, „der hat ein mxh Tir das Geld borge» M brauchst/ ’ der „jüdische Korruption', 'i " ^uben Cornelius Herz, bei! damit MorÄ am Lebe»? m Ession sich widmen könne. ' ck und der Pistole, doch der ' und das ist das Pech, das ' ,on seinem Besuch bei Herz ‘ n> der Antisemit, den Juden; Karriere in Paris ein Ende. ' >n Herz gemacht, sondern von mit infernalischem Hasse ver-; emenceau habe englisches Geld » Verleumdung nicht beweisen, I s habe „jüdisches" Geld gef belastende Beweise, daß Morös!s ämpfer wurde durch diese Ent- >as war für ihn schlimmer als m undankbaren Vaterlande den miten" im dunklen Afrika aus, auch tragisches, Ende gesunden. j c Länder liegt es nun ob, eine t .'dern und der .Klmnce israeiit-' j London, 25. Juni mswanderungs- -iitinien zurückverstorbenen nit Herrn Tr. Kolonisationsjaron gegrnnern des Freinsligcn Ahnung gehabt hatten. Aber die Schuld war augenscheinlich nicht aus ihrer Seite, wenn überhaupt von einer Schuld die Rede fein kaun. Und der Beweis dafür ist, daß sie, als ihnen die Mittel zur Kultivierung des Bodens gegeben wurden, einen Eifer und einen Fleiß entwickelten, welcher ans ihnen im Laufe von zwei Jahren, brauchbare Landwirte gemacht hat. Auf meinen Wanderungen durch die Kolonien begegnete ich mehreren Familien, die ich in Rußland persönlich gekannt hatte. Ich erkannte sie nicht wieder. Das war nicht der magere und armselig anssehende Jude, mit hohlen Wangen und gekrümmtem Rücken, als wenn eine schwere Last auf ihm ruhte, mit einem Gesichte das den Stempel einer undefinierbaren Trauer und beständigen Sorge trug, mit einem Worte, das war nicht mehr der Mann, der sein tägliches Brot suchte, ohne es jemals zu finden. Diese Leute bebauten nun ihr Land, und jeden Abend besichtigten sie hoch zu Roß ihre Felder, als wenn sie geborne Landwirte wären. Tie freie und gesunde Luft des Landes, körperliche Arbeit n. s. w. haben sie vollständig verwandelt. Es ist erfreulich, zu beobachten. wie schnell die Assimilation sich verwirklicht hat. Wir wissen, wie viel die Legende, daß der Jude die körperliche Arbeit und ganz besonders die Landwirtschaft nicht liebe, wert ist, da wir ja in Rußland allein mehr als 50.000 jüdische Landwirte haben, die vortreffliche Arbeiter sind. Die in Palästina erzielten großartige Resultate — die Palästina-Abteilung ans der Berliner Gewerbe-Ausstellung liefert einen unanfechtbaren Beweis dafür — wollen wir dabei garnicht einmal in Betracht ziehen. Aber es ist nicht nutzlos, immer und immer wieder die „mala fkles“ unserer Verleumder sestzunageln. Wenn diese Leute die Wahrheit über die Juden kennen lernen woller, sollten sie einmal die jüdischen Ackerbau-Kolonien besuchen. Aber selbst unter unseren Freunden, und ich sage es frei heraus, unter unseren Glaubensgenossen, spricht man oft nur skeptisch und ironisch von den jüdischen Landwirten. Das ist durchaus ungerecht. Meine letzte Reise war für mich in dieser Hinsicht entscheidend. Als russischer Jude hatte ich ja schon seit langer Zeit absolute und unumstößliche Beweise. Aber selbst ich glaubte nicht, daß der jüdische Hausierer sich so rasch in einen Landwirt verwandeln könnte. Jetzt sind die Zweifel nicht mehr am Platze. Ich will die Thatsache nicht unterschlagen, daß es in den jüdischen Kolonien auch Ausnahmen giebt, daß Leute vorhanden sind, die von der Feldarbeit nichts wissen wollen. Aber dieses Element existiert mit im Verhältnis von 10% bis 15 °/0. Wir haben es zur Regel gemacht, dieses Element aus unseren Kolonien auszuscheiden, und in dieser Hinsicht sind wir ganz unbarmherzig, weil es der Entwickelung unseres Werkes hinderlich ist, und jeder wird zugeben, daß das allgemeine Interesse zuerst in Betracht kommen muß. Ich will noch bemerken, daß mehrere Leute die aus unseren Kolonien ausgeschlossen worden, von den eingeborenen Farmern als Feldarbeiter engagiert worden sind. Ich sprach mit mehreren dieser Farmer, und sie erklärten mir, daß sic mit ihren jüdischen Angestellten durchaus zufrieden sind. Die Ergebnisse haben also unsere Erwartungen übertroffen. Die Kolonisten sind in zwei Kategorien geteilt: solche, die schon seit zwei öder drei Jahren in Argentinien sind, und deren Zahl etwa 300 Familien beträgt, und Neu- Ankömmlinge in der Zahl von 800 Familien. Die erste Kategorie läßt nichts zu wünschen übrig. Es sind ausgebildete Landwirte, in jedem Sinne des Wortes. Die Niederlassung der neu angekommenen Kolonisten bietet noch Schwierigkeiten aller Art, aber diese werden mit der Zeit verschwinden. Für den Augenblick liegt es nicht in unserer Absicht, neue Kolonisten in Rußland anzuwerben. Wochen-Lhronik. Berlin, 2. Juli 1896. — Ein „Ritualmord" in Ostpreußen. Einem in Tilsit erscheinenden konservativ-antisemitischen Blatte wird aus dem Kreise Niederung geschrieben: „In dem Hause eines jüdischen Geschäftsmannes in dem benachbarten Kirchdorfe S. diente ein christliches Mädchen. Nachdem dasselbe in einer Nacht mit ihrer Freundin die auf der Bleiche befindliche Wäsche ihrer Dienstherrschaft bewacht hatte, wurde ihr, als sie am Morgen nach Hause kam, von ihrer Herrin Thee dargeboten, weil, wie letztere sagte, es in der Nacht kalt gewesen sei. Nachdem das Mädchen den Thee getrunken, verlor dasselbe das Bewußtsein, und als es wieder zu sich kam, befand es sich in seinem Bette, fühlte sich aber so schwach, daß es sich nicht erheben konnte. Was nun mit dem Mädchen während seiner Bewußtlosigkeit vorgegangen, darüber sind die verschiedenartigsten Gerüchte im Umlause. Die weiteste Verbreitung scheint die Behauptung gefunden zu haben, daß dem Mädchen aus verschiedenen Stellen des oberen Kopfteiles Blut entzogen worden ist, und zwar nach vorhergegangener Anbohrnng des Kopfes. Thatsache ist, daß die Haare des Mädchens nach dem Erwachen desselben voller Blut klebten, die obere Kopfhaut auch Wunden aufwies und an den betreffenden Stellen die Haare abgeschoren waren . . . Daß dem Mädchen auf Veranlassung seiner Dienstherrschaft — wie verlautet, durch den «jüdischen Knltusbeamten — Blut entzogen worden, scheint festzustehen. Wenn nun diese schändliche That auch keinem religiösen Brauche entsprungen ist, so wird es doch nicht als ausgeschlossen betrachtet, daß schändlicher Aberglaube die Veranlassung zu derselben gewesen ist." Es ist merkwürdig aber bezeichnend, daß auch Ritualmorde klimatischen und lokalen Verhältnissen unterworfen sind. Während nach dem Schulchan-Aruch der Antisemiten aller Länder und Zeiten dieses gottgefällige Verbrechen durch den sogenannten Schächtschnitt ansgeführt werden soll, war neulich in Mähren eine Dienstmagd von diesem Ritus abgewichen, indem sie erklärte, ihr sei an den Füßen Blut abgezapft worden — was sie später vor Gericht als frei erfunden erklärte — und hat jetzt unten in Littauen irgend ein Schmierer wider den Ritualkodex der Antisemiten verstoßen, indem er mitteilt, seinem „Opfer" sei zum Zwecke der Bluteutziehung der Kops angebohrt worden — was er bis heute als frei erfunden noch nicht bezeichnet hat. Man wird dem Verfasser des Berichtes aus dem Kreise Niederung und seinen konservativen Hintermännern in Tilsit das Zeugnis nicht versagen können, daß sie die bewährteste Schlauheit, die Schlauheit nämlich, zur rechten Zeit dumm zu erscheinen, mit großer Virtuosität beherrschen. Während sie sich in dem letzten Satze salvieren. 6177

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