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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-06-26 · 26 (26.6.1896) · p. Seite 450

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
Seite 450 (sequence 14)
Language
German
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Seite 450. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 26. nicht ausgeblieben ist, ist wohl selbstverständlich. Das Fest wird allen Beteiligten und Teilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. $$ Nordhanscn, 21. Juni. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde u. a. die Rechnung über die Kosten der letzten hiesigen Sedanfeier entlastet. Dabei wurde durch den Referenten angeführt, daß man auch die in Kirchen u. s. w. der verschiedenen Bekentnisse befindlichen Gedächtnistafeln an gefallene Krieger durch Kränze geschmückt habe. Die meisten Kosten in dieser Hinsicht habe die Synagoge verursacht, da dieselbe nicht weniger als zehn Tafeln von Angehörigen der hiesigen jüdischen Gemeinde anfweise, die in den Kriegen von einschließlich 1806 ab den Tod auf dem Schlachtfelde gestorben seien. Die hiesige jüdische Gemeinde stammt aus dem Jahre 1803 und zählt zur Zeit etwa 450 Seelen. Gleiwitz, 22. Juni. Der Leiter der hiesigen jüdischen höheren Töchterschule, Dr. Mattersdorf ist am 8. d. M. in einer Klinik in Breslau an einer inneren Verblutung 3 Tage vor einer beabsichtigten Operation gestorben. Der Verstorbene, der fast das 66. Lebensjahr erreicht hat, wurde am 23. September 1870 von der hiesigen Synagogen-Gemeinde hierher berufen, als Dirigent für die hier mit dem Charakter einer öffentlichen Lehranstalt ansgestatteten jüdischen Gemeindeschule. Der Verstorbene hatte in Myslowitz schon über 10 Jahre einer derartigen Anstalt vorgestanden und trat seine hiesige Thätigkeit am 1. Oktober 1870 an. Rach der Auflösung der Schule, die ja infolge der Gründung der Simultanschulen nötig wurde, war er Leiter der jüdischen höheren Töchterschule. Außerdem wirkte er als Religionslehrer an der hiesigen Oberreal-Schule. Auch als Präsident der Humanitas-Loge war der Verstorbene erfolgreich thätig. S* Köln, 22. Juni. Nach dem Jahresberichte des „Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache zu Köln" für das Jahr 1895 wurden in der Anstalt 346 Kranke und 41 Sieche und Altersschwache verpflegt, gegenüber 302 bezw. 43 im Vorjahre. Von den Kranken, welche im Asyle Aufnahme fanden, gehörten 208 der christlichen und 138 der israelitischen Konfession an. In der mit der Anstalt verbundenen Poliklinik wurden im verflossenen Jahre 7555 Kranke, ohne Unterschied der Konfession, aus Stadt und Umgegend behandelt. Die Zahl der Verpflegungstage stieg im Jahre 1895 von 19,556 im Vorjahre auf 20,253. Der Rechnungsabschluß für 1895 zeigt einen kleinen Ueberschuß von 47 Mk., indessen figuriert in der Bilanz aus den Jahren 1890 bis 1895 herrührend, ein Defizit von 50,701 Mk. Es ist also für edle Menschenfreunde aller Anlaß vorhanden, die segensreich wirkende Anstalt mit Zuwendungen und Stiftungen zu bedenken. X. Aus Hessen, 22. Juni. Herr Provinzialrabbiner Dr. Levi-Gießen, mit seinen 93 Jahren wohl der älteste Rabbiner Deutschlands, ist kürzlich durch Ministerialreskript unter voller Beibehaltung seines festen Gehalts und unter Anerkennung seiner langjährigen, „sehr ersprießlichen" Dienste — eine in derartigen Schriftstücken nicht allzuhäustg vorkommende Wendung — in den Ruhestand versetzt werden. — Jnbezng aus eine Notiz in voriger Nummer mag noch bemerkt lverden, daß auch Dr. Levi sich hat malen lassen, und zwar von keinem Geringeren als von Lenbach, der ihn bei einem Besuche in München bat, ihm zu sitzen. Das Bild, ein großes Kniestück in der harten Lenbachschen Technik, nimmt im Arbeitszimmer des alten Herrn den Ehrenplatz ein; auf einer Ausstellung hat es meines Wissens noch nicht paradiert. (Wie sollte er auch; der Herr ist ja nicht Prediger in Berlin! Red.) 8. Marburg (Hessen). 21. Juni. Hier tagte die Konferenz der israelitischen Lehrer des Rabbinatsbezirk Marburg. Dieselbe war von 20 Lehrern besucht. Herr Provinzialrabb. Dr. Munk eröffnete die Verhandlungen mit einer Begrüßung und einer Ansprache. Herr Oppenheim-Treysa hielt daraus einen längeren Vortrag über das Thema „Wie ist der Unterricht in der jüdischen Geschichte mit dem der Weltgeschichte und der Geographie in der israelitischen Volksschule zu verbinden." An diesen Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Debatte, die sich besonders über den Punkt erstreckte, ob der Unterricht in der jüdischen Geschichte ein selbständiger Unterrichtsgegenstand oder ein Apendix zur allgemeinen Weltgeschichte sein soll. Schließlich wurde folgeude Resolutiou einstinnnig angenonlmen: Die jüdische Geschichte ist im Anschluß au deu biblischen Geschichtsunterricht bis zum Abschluß des babylonischen Talmuds systematisch zu behandeln, die spätere jüdische Geschichte soll in Verbindung mit dem Religionsunterricht, der allgemeinen Geschichte bezw. Geographie gelehrt werden. Herr Oppenheim wurde ersucht, für die nächste, im Herbst anzuberaumende Konferenz einen Lehrplan nebst Pensenverteilung auszuarbeiten und der Konferenz vorzulegen. Wegen vorgerückter Zeit mußte der zweite Punkt der Tagesordnung ausfallen. Hierauf folgten noch die Berichte der einzelnen Lehrer über die sozialen Verhältnisse in ihren Gemeinden. X Stuttgart, 18. Juni. Für die antisemitische Partei ist im Schwabenlande kein oder doch ein sehr schlechter Boden. Es ist auch durchaus kein Bedürfnis (wenn man überhanpt von einem solchen sprechen kann oder darf) dazu vorhanden, um so weniger, als dann und wann die „Deutsche Reichsp." und auch das klerikale „Deutsche Volksbl." einen schritten antisemitischen Ton erklingen lassen. Seit einiger Zeit erscheint hier so ziemlich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit die „Schwäb. Res." als Organ des Häufleins der Antisemiten. Diese haben aber offenbar kein Glück. Als ein besonderes Mißgeschick ist folgendes zu verzeichnen. Vor längerer Zeit verzeichnete der hiesige „Beobachter" einen Fall, in welchem einer der Führer der Partei eine unschöne Rolle spielte. Mit außerordentlichem Pathos wurde von den Antisemiten erklärt, daß gegen das'volksparteiliche Blatt Klage erhoben sei, ebenso gegen die sozialdemokratische „Schwäb. Tagwacht", die das Vorkommnis gleichfalls erwähnt hatte. Morgen sollte vor dem hiesigen Amtsgericht die Verhandlung stattfinden. Gestern aber wurde von dem Vertreter des Klägers den beiden Blättern die Anzeige gemacht, daß er die Klage wegen Beleidigung zurücknehme. Beide Blätter fügen dieser Mitteilung die Bemerkung bei, daß sie ihrerseits die Sache noch nicht für abgeschlossen halten. Man darf unter anderm nun auch darauf begierig sein, wie der Fall innerhalb der antisemitischen Partei selbst wirken werde. Bezeichnend ist jeden-

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