Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 26 (26.6.1896)
- Date
- 1896-06-26
- Page
- Seite 448 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 448 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Vir. 26. jüdischen Bal4>ooss (Hausherr oder Familienvater) heraus und übernahm sogar mehrere Ehrenämter. Ich wurde Thoravorleser, Schoferblaser, Mohel, Neila-Vorbeter, Ma5kir neschomoth (Totenfeier), Vorstandsmitglied des Krankenverpflegungs¬ und Frauenvereins, deren Mitbegründer ich bin rc. Dafür aber zeigte sich meine Gemeinde, die zugleich meine ehemaligen Schüler waren, bei allen meinen Familien- und amtlichen Festlichkeiten sehr dankbar. So erhielt ich bei der Feier meines 25 jährigen Amtsjubiläums 2000 Mk., acht Tage nach dem Tode meines 24jährigen Sohnes Felix einen anonymen Trostbrief, in welchem 1000 Mk. lagen, bei meiner 70jährigen Geburtstagsfeier 1850 Mk. außer vielen Gold- und Silbergeschenken von einzelnen Schülern. Zum Schluß noch die Bemerkung, daß von allen vor 49 Jahren hier angetroffenen Familienvätern nur noch einer am Leben ist. Im Jahre 1887 mußte ich mich einer gefährlichen Krankheit und fortwährender Halsschmerzen wegen pensionieren lassen. Da aber damals noch die größte Dienstalterszulage nur 180 Mk. betrug, erhalte ich aus der Staatskasse 1088 Mk. und aus der jüdischen Schulkasse 113 Mk. jährlich. Zu letzterem hat sich damals freiwillig der Schulvorstand protokollarisch verpflichtet. Wie lange ich noch die Pension beziehen werde, weiß nur Gott. 4f(l|nt(ib(it.‘' (Aus dem jüdischen Legendenschatz.) Von Joachim Rosenauer. Nachdem Salomo der Weise zur Regierung über Israel gelangt war, ließ er eines Tages alle Gelehrten und Weisen seines Volkes au seinem Hofe sich versammeln. Als sie nun sämtlich sich eingefunden hatten, redete der König sie solgeudermaßen an: „Ihr Gelehrten und Weisen meines Volkes! Ihr wißt, daß es nun an der Zeit sei, eine alte Schuld zu tilgen, so mir noch von meinem Vater David, dem ruhmgekrönten Helden, überkam. — Es ist der Bau eines Hauses zur Verherrlichung des Namens Jehovah, der zwar schon früher ausgeführt werden sollte, aber nur durch das göttliche Wort, das der Prophet Nathan meinem Vater verkündet: „Nicht du sollst bauen ein Haus zur Verherrlichung meines Namens, sondern dein Sohn, der aus deinen Hüften hervorgehen wird!" gehindert wurde. Also liegt mir die Pflicht ob, einen Tempel zu bauen, und ich will einen Tempel banen, würdig seiner hohen Bestinlmung und des allmächtigen Gottes, dem er geweiht ist. Die Zeitverhältnisse sind günstig, der Friede herrscht rings umher, an Mitteln und Stoff fehlt es uns nicht, denn Chiram, König von Zur, hat bereits die Weisung erhalten, Zedern auf dem Libanon fällen zu lassen, und Kiesel und Marmorstein ist ebenfalls im Ueberfluß vorhanden. — Doch nun, ihr Gelehrten Jerusalems! nun gilt es, den Scharfsinn eures Geistes und die Stärke eures Verstandes zu zeigen; ich *) Aus dem 8. Bändchen der „Jüd. Universalbibliothek" ^Verlag von Jacob Brandeis, Prag). Preis pro Bändchen 20 Pfg. Eine ausführliche Besprechung des litter. Unternehmens behalten wir uns noch vor. Red. fordere euch auf, mir ein Mittel anzugeben, wodurch ich beim Behauen der Steine des Eisens entbehren könnte, aus daß nicht durch ein Werkzeug des Todes und der Vernichtnng das Werk des Friedens und der Eintracht entweiht würde!" Salomo sprach's, und die Gelehrten sahen eine Weile einander verlegen an; endlich aber sprachen sie: „O" König und weiser Gebieter! Vernimm: Unser Lehrer Mose, gesegneten Andenkens, befand sich in einer ähnlichen Verlegenheit, da er die zwölf Steine des Obermantels beschneiden wollte. Aber Gottes Geist erleuchtete ihn, und er fand bald den wunderthätigen Wurm Schamir, dem die seltene Kraft innewohnt, alles Harte durch bloße Berührung zu zerteilen. Diesen nun, o weiser König Israels, diesen trachte dir zn verschaffen und du wirst uicht genötigt sein durch ein Werkzeug des Todes und der Vernichtung das Werk des Friedens und der Eintracht zu entweihen." Salomos, des Königs, Antlitz heiterte sich bei diesen Worten merklich auf, und den Blick andächtig emporrichtend, sprach er: „Fürwahr, o Gott und Herr Israels, deinem auserwählten Volke hast du Erkenntnis und Einsicht verliehen! Ihr Freunde, fürwahr, ihr habt mich aufgerichtet und meinem Gemüte Heiterkeit wiedergegeben; nun sagt aber an, wo er zu finden sei, jener wunderthätige Wurm Schamir, auf daß ich ihn hole und mir zu Nutze mache." „Das, hoher Herrscher!" erwiderten die Weisen, „liegt nicht im Bereiche unseres Wissens; auch zweifeln wir, ob es gar je zur Kundschaft irgend eines Sterblichen gelangte; denn man sagt, daß der Schamir nur in öden Wüsteneien, die nie eines Menschen Fuß betreten, hause. Also sind nur überirdische Wesen imstande, deinen diesmaligen Wunsch zu befriedigen. Wohlan denn, mächtiger Herrscher, laß bringen einen Sched und eine Schedin, Wesen, die bereits besser das Dunkel des Wissens durchspähten denn wir, vielleicht daß diese dir den Aufenthalt des Schamir näher bezeichnen können." Salomo schickte, nachdem er dieses vernommen, nach Sichin, allwo der Aufenthalt der Schedim war, und ließ vor sich kommen einen Sched und eine Schedin, die er also anredete: „Man rühmt von euch, ihr habt Einsicht in höheres Wissen und Können; nun so zeiget mir denn an, wo der Schamir zu finden sei, der wunderthätige Wurm!" Und die Schedim erwiderten: „Weiser König! Wohl bekannt ist uns der Schamir und seine staunenswerte Kraft, aber um seinen Aufenthalt dir näher zu bezeichnen, dazu bedarf es eines noch weniger von Dunkel umflorten geistigen Blickes, wie er nur eigen ist unserem König und hohen Meister Aschmadai. Dieser wäre wohl imstande deine Neugierde zu befriedigen und dich bald des Rechten zu belehren!" „Ich frage euch nun aber," entgegnete Salomo, „wo denn euer König und Meister hause, dem so vieles Wissen verliehen?" „Auf einem hohen Berge," lautete die Antwort, „weit, gar weit von Jerusalem, deiner Residenz, in einer lieblichen und schönen Gegend. Auf dem Abhange jenes Berges hat er sich einen Brunnen gegraben, und mit klarem reinen Quellwasser gefüllt. Durch eine hölzerne, runde Scheibe, mit seinem