Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 26 (26.6.1896)
- Date
- 1896-06-26
- Page
- Seite 445 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 26. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 445. Tebatte w 6 "'erde,, bie % *• ***£ m'®?"9 et in ö°r ^öer Cl>*' t *„?s 9"'9We ‘ «%5tiras hiIWt b" b»-ch r.» f i,t «»äilta MI «l«»ilniis ,prtz,x„, ™.'. »taiilidjiSdi, jU,^röt Josephthal wiete ^wesenden und hofft Segen für d-isJ„de„- ^Iche Würdigung aller nächster Ruminer. Nmichuz. des Deutsch- Jsraeontag (22.) Abend die raelitischen Vereinigung!e 118) statt. Tie Ein- Erklärung", die Herr chloß sich ein Vortrag ber „jüdische Koloni- )errn Tr. Z. Löioeniehung^. Das waren izu,' aber auch wer sie : halte, war nicht iinreie israelitische Vcrite man wohl etwas , ein bestimmtes Ziel sl von einer argen rat sich nicht recht, und ganz deutlich eiwilligen — Unterlag, nichts erkennu,,d darum beden- Bodenheimer hatte rsichtige Resolution tion aussprach und it zu einer Diskusade. Zn Wirklich- ,n zu heiß und zu ,i allen und allen otektor zu spielen, ng allein sich des Reforingemeindler, Gemeindebündler und Wahlführer der Berliner sogenannten Liberalen bekannt, unter den Einladenden zur zweiten Vollversammlung der Freien israelitischen Vereinigung „aus Versehen" mit aufgeführt, beeilte sich, die Bodenheimersche Resolution als so harntlos und unverbindlich hinzustellen, daß eine Diskussion sich kaum lohne, daß man ihr ohne weiteres beipflichten könne. Wer der Resolution beitrete, brauche deswegen nicht die Auswanderung nach Palästina, nicht einmal die Zeichnung einer Aktie der von Herrn Dr. Bodenheimer in eventum empfohlenen Kredit- und Sparbank zur Förderung der jüdischen Kolonisation zu versprechen, und dürfe doch mit dem Bewußtsein nach Hause gehen, als habe er etwas gethan. Diese Ausführungen verbrämte Herr Dr. Minden mit zahlreichen und dicken, übrigens wohlverdienten Komplimenten für die Herren Vortragenden, und Herr Tuch (Hamburg) ließ sich diese unter Lächeln sich vollziehende erwürgende Umarmung gefallen. Da die Nächstbeteiligten sich nicht wehrten, so war für nieinanden sonst ein Anlaß vorhanden, Einspruch zu erhebe«, und die Versammlung ging auseinander, ohne jene Resolution besprochen zu haben, sogar ohne formale Zustimmung zu der Resolution. Herr Dr. Minden aber hatte sich wieder einmal als Protektor einer Sache bewährt, der erinnerlich fremd ist. Von einem römischen Cäsar wird erzählt, er habe auf seine in einem verschlossenen Saale vereinigten Gäste von der Decke aus Rosen herabregnen lassen. Mit Entzückert gewahrten die Gäste die kaiserliche Ueberraschung, die so anmutig ersonnen war. Doch das Entzücken minderte sich, als der Rosenregen nicht aufhören wollte, der Blumenschmuck zur Last wurde, und schließlich wandelte es sich zur Verzweiflung, die verstummen mußte, da die duftige Spende die Versammelten erstickte und begrub. Man sieht, daß man kein Cäsar zu sein und nicht eininal anmutig scheinenden Witz zu haben braucht, um es jenem Cäsar gleichzuthun. — Glücklicherweise ist hier die Wirkung keine rötliche, nur eine einschläfernde. Die Freie israelitische Vereinigung wird erwachen und zukünftig in der Wahl ihrer Protektoren vorsichtiger sein. A) o d? e n (£ r o n t f. Berlin, den 24. Juni. — Les extremes .... Wie der Nekrolog, den wir auf den verstorbenen Historiker Treitschke gebracht, so erregt ein Nachruf, den das antisemitische „Daheim" dem Entschlafenen widmet, den Aerger der gegnerischen Presse. Der Herausgeber des genannten Familienblattes, Theod.Herm.Pantenius, schreibt: „ ... Es war dieser durch und durch subjektiven Natur nicht gegeben, objektiv zu urteilen. Danrit ist aber meines Erachtens auch der Beiveis erbracht, daß Treitschke zum Geschichtsschreiber nicht berufen mar." . . . „Wenn Treitschke es als seine Ausgabe bezeichnet, durch seine Arbeit „die Freude am Vaterlande" zu erwecken, und meint, diese Forderung seinerseits erfüllt zu haben, so ist das nur ein Beweis für die wunderbare 'Naivität, die diesen ganz subjektiven Menschen erfüllte." — Mehr ist auch hier nicht gesagt worden, und so haben sich denn wieder einmal die Extreme berührt. — Geldheiraten sollen nach antisemitischer Anschauung eine „jüdische" Erfindung sein. Und oft genug machen sich die jndenfeindlichen Blätter darüber lustig, wenn ein „Schadchen" sein Gewerbe empfiehlt. Und doch redet die Deutsche Kulturgeschichte eine deutliche Sprache. Georg Steinhausen, einer der tüchtigsten Knlturhistoriker der Gegenwart, schreibt („Voss. Ztg." Sonntags-Beilage Nr. 14 vom 5. April 1896) über die Deutschen Ehen des 16. Jahrhunderts im Anschluß an einen Briefwechsel eines wohlhabenden Nürnberger Kaufmanns, Balthasar Paumgartners, mit seiner Braut und späteren Gattin Magdalena, geb. Behaim: . . . man weiß, wie damals die Heiraten meist zustande kamen, wie sehr die Heirat Geschäftssache war und auf Uebereinkommen der Familien beruhte. Ich kann einige Beispiele aus unserer Korrespondenz anführen. So schreibt Magdalena später einmal ihrem Galten von der Verlobung seiner Schrvester mit dem Sohn des Konrad Bair. „Vor Deinem Verreisen ist die Heirat fast zu Ende gebracht gewesen durch I. Paumgartner und Deinen Vater." Gelegentlich fragte der junge Bair seine Auserwählte, ob sie auch mit den Verhandlungen einverstanden wäre: „sie ist erschrocken, hat von nichts gewußt." Ein anderes Mal berichtet Magdalena von der Verheiratung des „welschen Doktors" in Nürnberg mit der Schwester des Doktors Steinhäuser in Amberg. Diese muß ihren Bräutigam vorher nie gesehen haben, denn sie beklagt sich nach der Verlobung sehr, „hat gesagt, man Hab ihr'n auf 42 Jahr alt angegeben, so sei er 70 Jahr!" „Nun muß sie ihn behalten!" fügt Magdalena schalkhaft hinzu." — Vizebürgermeistcr Lueger scheint von Kaiser Franz Josef s. Z. doch nicht so freundlich empfangen worden sein, wie er es dargestellt, besonders nicht wie der Gegenkönig von Wien, wie seine fanatischen Anhänger behauptet haben. Ein Pester Blatt will nämlich aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die über diese Audienz gebrachten bisherigen Meldungen durchaus den Thatsachen widersprächen. „Der Kaiser", so wird dem Blatte gemeldet, „richtete an Lueger so scharfe Worte, wie er sie während seiner nahezu fünfzigjährigen Regierung noch niemals einem Politiker gegenüber gebraucht hat. Lueger verließ nach der Versicherung von Augenzeugen völlig gebrochen die Kaiserburg." — Jules Simon. Von diesem jüngst in Paris verstorbenen berühmten Politiker und Gelehrten wird behauptet, er sei jüdischer Abstammung. Dies ist zwar nicht authentisch bewiesen, doch haben solche Gerüchte oft einen Kern von Wahrheit in sich. Sowohl Beaconsfield als Guizet behaupteten, Simon sei ein Jude gewesen, möglicherweise weil sie erfahren hatten, daß er ursprünglich Schweitzer hieß. Wir wären gewiß stolz darauf, ihn zu unseren Stammesgenossen zu zählen, doch ist uns die Möglichkeit seiner jüdischen Abstammung von weit geringere Bedeutung als die Thatsache, daß er einer jener wunderbaren Charaktere rvar, denen alle Menschen Brüder sind. Er war ein Freund der Juden, was er mehr als einmal bewies. Crömienx war sein Kollege und Adolphe Franck war sein lebenslänglicher Freund und Mit-