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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-06-26 · 26 (26.6.1896) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
Seite 441 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 441. ^»d:eAuge„geö > was sie fpfo ^taatSmefen, mu§ ' sich cntn). öderer Ansicht fein Menschen, wenn sie -- wenn aber $ en soll - was k», ertremer sein, und es v°r, gerade jetzt einen lassen. Ein gemäßigt '£er ~ was ja auf ein m’ welcher durch milde »ensliebe allein befähigt ßig Jahren - seit dem rüsten Gegensätze auszu- > richtigen Platze. Tie hören, ist nach bisher >en sehr zweifelhaft, denn m, wie viel andächtig n ist!' Tr. Singer-Coblenz. fr ion. Es ist hier nicht Mitarbeiter - ins Wort gegen diesen „Minhag" ieren, die wir vor acht Reproduktion soll eine liabbinerfrage auf dem tehen, das wissen unsere h. Mitarbeiter bei, daß wirklichen Rabbiners irde der sich spreizenden jegen das Bogelsteinsche Ro. 13 vom 25. Oktober als ein Lcbenselexier angepriesen worden,' die andere würde es nicht als tötendes Gift verschrien haben. Das Vogelsteinsche Buch ist weder das eine noch das andere; an ihm wird niemand sterben, an ihm wird keiner gesunden." Hiervon haben wir auch heute kein Wort zurückzunehmen; höchstens wäre noch hinzuzufügen, daß das oben ausgesprochene Urteil zu günstig für das Buch gewesen. Dies soll demnächst eine kritische Beleuchtung aus der Feder eines der hervorragendsten freisinnigen Rabbiner Deutschlands darthun, und alsdann sei das Buch für uns begraben. Zur Geschichte brr Wische» Gemeinde Gt>»rlotte»l»lrg. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die jüdische Gemeinde (eigentlich Religionsverein) zu (Lharlottenburg ist in der neugewählten Repräsentanten-Versannnlung schon wiederholt Gegenstand der Diskussion gewesen. So lange der Berliner Vorstand sieben Jahre lang je 7000 Mark bewilligte, war über allen Wipfeln Ruh'. Nunmehr aber beginnen die neuen Repräsentanten über die Munifizenz des Vorstandes zu murren, und wie sehr sie dazu berechtigt silrd, soll die nachfolgende Darstellung zeigen, die zugleich ein nicht uninteressantes Bild der — sit venia verbo — Entwicklung der betreffenden Gemeinde giebt. Der Religionsverein Charlottenburg besteht seit ungefähr 20 Jahren. Anfangs bezog er bei einer Zahl von 30 Mitgliedern eine Subvention von 300 Mark! Nach einigen Jahren wurden 000, dann 900, unb im Jahre 1887 bei 25 Mitgliedern 2400 Mark bewilligt. Es snnktionierten dort folgende Beamte: Chodowski (jetzt Dr. Chodowski in Oels) 1 Jahr, Neubauer (jetzt in Zittau) 9 Jahre, Rabbiner Rubinstein l/2 Jahr, der Schreiber dieses 2 '/ü Jahr,' Petuchowki, Wiesen, Gamsu je ‘/2 bis 1 Jahr und seit einigen Jahren der jetzige Kantor. In welchem Ansehen ehedem der Religionsverein bei seinen eigenen Mitgliedern stand, illustriert die eine Thatsache, daß der spätere Renegat Wilhelm Schlesinger, als er noch als Rabbinatskandidat Nathan hieß und sich große Verdienste um den Religionsverein erworben, — daß dieser spätere Redakteur einer antisemitischen Zeitung seine Ernennung zum Ehrenmitglied der jüdischen Gemeinde in Charlottenburg mit Entrüstung ablehnte! Nach meinem Engagement als Prediger und Lehrer im Juli 1886 bewilligte die Berliner Gemeinde der Charlottenburger im Januar 1887 eine jährliche Subvention von 2400 Mark. Als ich nach der betreffenden Repräsentantensitzung in Berlin dem Charlottenburger Vorstande diese Nachricht brachte, jubelten wir alle über den unerwarteten Erfolg unserer Petition, und in großer Begeisterung wurde dem Referenten, Herrn Banquier A. Ruß, der unsere Petition warm befürwortet hatte, eine Dankadresse übersandt. Der Triumph war vollberechtigt, denn der Religionsverein hatte nunmehr folgende Einnahmen: a) Beiträge von ordentlichen und außerordentlichen Mitgliedern .... Mk. 800 b) Ertrag der Synagogenplätze ... „ 400 c) Spenden in der Synagoge .... „ 200 d) Subvention der Berliner Gemeinde . „ 2400 Summa . Mk. 3800 Diesen Einnahmen standen als Ausgaben gegenüber: a) Miete für das Betlokal.Mk. 600 b) Gehalt des Beamten.„ 1500 c) „ „ Synagogendieners ... „ 150 d) Extra-Ausgaben. „ 150 Summa . Mk. 2400 Da das damalige Betlokal im „Türkischen Zelt" gekündigt war, so konnte man nunmehr ein geräumigeres Lokal mieten, und wenn man das Gehalt unter b nicht erhöhen wollte, — was mir allerdings versprochen war, — so blieb immer noch ein erheblicher Ueberschuß. Allein l'appetit vient en mangeant! Gänzlich unerwartet kam ein neuer Geist über den Charlottenburger Vorstand. Trotz der Begeisterung ob der Munifizenz der Berliner, die ja in der erwähnten Dankadresse zum Ausdruck gekommen, erklärte man nach einigen Wochen dem Berliner Vorstande, daß man mit der Höhe der Subvention nicht zufrieden sei, und stellte nun die Alternative: entweder die Berliner Gemeinde solle das gesamte Budget für die Charlottenburger- Synagoge und Schule übernehmen oder die Charlottenburger- Gemeinde würde sich von der Berliner lossagen und eine eigene Gemeinde bilden. Der Berliner Vorstand nahm diese Drohung ernst — und nicht mit Unrecht, denn zu Charlottenburg gehörte damals, wie noch heute, der 18. Stadtbezirk, und dort, im Westen, wohnen zahlreiche reiche Mitglieder der Berliner Gemeinde, deren Steuerbeiträge ihr verloren gehen würden. Der Vorstand in Berlin konnte allerdings nicht wissen, daß außer etwa zehn Mitgliedern des Charlottenburger Religionsvereins, die Generalversammlungen abhielten und Beschlüsse extemporierten, die übrigen freiwilligen Mitglieder dieses Vereins in Charlottenburg, oder die in Charlottenburg und im 18. Stadtbezirk wohnenden Israeliten weder von der Existenz des Religionsvereins noch von den Beschlüssen dieses Vorstandes eine Ahnung hatten. Man kann allerdings nicht sagen, daß die Genannten terrorisiert wurden; sie waren einfach ahnungslos. Da ich die früheren Petitionen entworfen und mir die geistige Qualität der Charlottenburger Vorstandsmitglieder bekannt war, hielt ich es für meine Pflicht, meine Gemeindemitglieder zu ermahnen und zu bitten, mit der bewilligten Subvention zufrieden zu sein. Vergebens. Als ich dringender warnte, wurde ich als lästig vor Ablauf meines Kontraktes gekündigt. Die Kündigung wurde damit motiviert, daß die Berliner Gemeinde sich angeboten habe, mehrere Kultusbeamte für die Charlottenburger Gemeinde zu engagieren, was übrigens der Berliner Vorstand entschieden in Abrede stellte. Man denke sich mm meine Situation. Zehn Mitglieder eines Privatvereins dekretieren den Austritt aus der großen Berliner Gemeinde. Die Regierung zeigt sich willfährig, denn das Gesetz von 1847 gestattet die Bildung einer eigenen Gemeinde bei einer gewissen Zahl von jüdischen Einwohnern,

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