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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-06-26 · 26 (26.6.1896) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
Seite 439 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2(>. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 489. ^uben, «oViJ bi n,tünftänbi8 1 f OH anoerttauten J , f,en^ z°3e genug, em Verderb. 6iet -cheuerlappen und Staub, ^elrosk der Jahr, ,re ^dumpfsinnigkeit glaubt n'mn e§ g-lungen ®N' den nur die Reit miirpM i " ie1'e »Reformatoren" thun. u&jeftiö und mindert nur eten Schaden. Sie haben tur Nachahmung empfohlen, ugeuart entsprach. Aeußev :tesdienst sich historisch entseren übertragen, dem sie so schlimm nicht, denn auch das Fremde sich zu muck und Zierrat überlud Kern, der schnell vergessen in ihn zu vertiefen, weil; Absicht nicht die unentas sie reformieren wollten, wer, die von dem Judench nicht abgeweudet hatten, le, ein anderes positives hsalls nicht mit Wahrheit sie für schimpflich hielten, Zeit loszusagen, da diese per Feigheit und Fahnen, i. Diese Beweggründe sind; bleibt bedauerlich, wenn Wordenen Glieder gleich, ichtungen des Judentum» überzeugt sein, daß ihre sie sollten sich sage-'' daß Beruf zu solcher M'gkann doch das nnbedingte Zugeständnis verlangen, daß Beseitigung sowohl wie Ersatz mit Fug nur von deneu vorgeschlagen werden dürfe, denen die Bedeutung des zu Beseitigenden geläufig ist. Bei der Beseitigung und Aenderurrg von Aeußerlichkeiten aber blieb nian nicht stehen. Marr begnügte sich nicht mit der im Grrurde harnilosen Freude an Orgel und Bäffchen, man ließ es nicht bei der recht billigen und ungefährlichen Feindschaft gegen die Pijutinr bewenden, sondern tastete zuletzt mit verivegeuer Hand an die innersten Heiligtümer, an Thora und Sabbat. Ob auch hier blos Unkenntnis gewaltet, darf nnerörtert bleiben. Der Verdacht zum mindesten ist vorhanden, daß hier diejenigen, die aus dem Judentum nicht ausziehen wollten, weil ihnen — vorlünfig keines der anderen Religionshäuser als Wohnung zusagte, für religiös geschminkte Freigeisterei den Tempel Jehovahs sich einrichten wollten! Die meisten Eingriffe sind unter dem Vorgeben gemacht worden, daß das neue Geschlecht der Synagoge und damit schließlich dem Judentum entfremdet werde, wenn nicht die nicht mehr erlernte hebräische Gebetssprache erhebliche Einschränkung erfahre. Der Grund ist inderthat durchschlagend. Verstehen die Juden nicht mehr hebräisch, so niüssen sie auch aus das hebräische Gebet verzichten — so lange die Unkenntnis dauert. Muß denn aber die Unkenntnis dauern? Niemand wird dies im Ernste behaupten wollen. Und doch hat sich eine seltsame <<>mmunis opinio dahin gebildet, daß die Unwissenheit, die denkbar größte Unwissenheit vollen Anspruch habe, für die syuagogalen Einrichtungen die einzig berücksichtigenswerte Eigenschaft zu sein. Und auch hier darf unerörtert bleiben, ob blos Unkenntnis gewaltet hat. Der Verdacht zum mindesten ist vorhanden, daß hier diejenigen, die selbst in der Synagoge, in der sie nicht heinlisch sind, mit ihrem Deutschtum weit mehr nach außen prunken als es vor Gott bekennen wollen, durch Ausmerzung jeder Erinnerung an Zion aus den Gebeten eine Art germanischer Gottesleugner- Synagoge zu schassen beabsichtigen, in der man schließlich alles finden kann, nur kein Judentum! Sind solche macchiavellistischen Pläne vorhanden, so hegen sie geiviß die Wenigsten. Die überwiegende Mehrzahl der „Reformatoren" besteht aus sonst recht inaggressiven Männern, die in aufrichtiger Selbstüberschätzung ihre Unwissenheit als einen Normalzustand ansehen, den zu ändern nur eine verderbliche und uutjeitbare Nörgelei verlangen könne. Sie fühlen in dieser Unwissenheit sich sehr behaglich, sind sogar stolz daraus, uub das gleiche Behagen, die gleiche Stolzberechtigung gönnen sie aller Welt. Sie haben nichts, gar nichts vom Macchiavell, nicht einmal von dem Fuchse, dem eine zornige Köchin, da sie ihn beim Diebstahl erwischte, mit siedendem Wasser den Schweif abgebrüht hatte, und der nun den Mitfüchsen empfahl, sich des „überflüssigen Anhängsels" gleichfalls zu entledigen. Tie Laien, die bei uns in der Gemeinde und in der Synagoge die Herrschaft beanspruchen über Geldbeutel und Gebetbuch, über Schule und Predigt, die in blindem Eifer um sich herunr „reformieren", sind keine Füchse, auch nicht die von Achtung vor dem Wissen erfüllten Laien der altjüdischen Gemeinde — sie sind ganz gewöhnliche Ignoranten, voller Stolz auf ihre Ignoranz! Reformen müssen sein.— Ignoranten müssen sein — aber die Ignoranten müssen nicht durchaus Reformatoren sein. M. A. Klausner. IMfttlcn und kein Ende.'' Seitdem die Hamburger mit Kürzung bez. kleiner Abänderung der Gebete den Anfang gemacht haben, sind darüber ca. 8 Jahrzehnte vergangen und der erwähnte Vorgang hat mittlerweile zahlreiche Nachahmungen gesunden — hat kein Gebetbuch in orthodoxen Kreisen soviel Aufregung hervorgernsen wie das vom Ausschuß des Synagogen-Gemeinde-Verbandes von Westfalen herausgegebene und von vielen Gemeinden freiwillig eingesührte sogenannte Vogelsteinsche Gebetbuch. Man fragt vergebens nach der Berechtigung zu dieser Erregung. In Hamburg galt es s. Z. noch dem Grundsatz des prindpiis obsta gerecht zu werden; damals riefen die Orthodoxetl Begutachter den Hamburger Neuerern ztr: „Denn ich bin groß und du bist klein!" — Heutzutage jedoch kommt es nicht mehr darauf an, ob es ein reformiertes Gebetbuch mehr oder weniger giebt, — seit 75 Jahren hat die Neologie mindestens ebensoviele, vielleicht gar bedeutendere „Größen" in Deutschland hervorgebracht als die Orthodoxie — warum dieser Rummel mit Gutachten gegen das gu. Gebetbuch? Die fünfzig aus aller Herren Länder zusammengelesenen, viele Berufsarten ihrer Inhaber umfassenden Unterschriften weisen auch nicht einen Namen auf, der dem Vogelsteins überlegen wäre, welcher übrigens dem Schreiber dieser Zeilen persönlich ganz unbekannt ist; er weiß jedoch, daß er im Dienste des Judentums grau geworden, und es deshalb schon nicht verdient, in einem anständigen Blatte, das doch bei allem Sarkasmus seiner tüchtigen Mitarbeiter stets ans Anstand hielt und sich darin wohlthuend von vielen anderen jüd. Blättern, die um Jahrzehnte älter sind, unterschied, mit R a b b i n e r l e i n oder „Rabbiner" bezeichnet zu werden. Dieses Blatt hält doch das Andenken Jellineks hoch; Jellinek aber war es, der einst in einer?Vill'-Predigt den witzigen Ausspruch that dzcj? 'i crsipb "lCN’l. „Auch denen, die da kürzen, rief er zu: „Gott ist mit Euch!" Wenn es in Westfalen Leute giebt, welche an dem atten Siddur kein Gefallen finden, iveil sie ihn nicht verstehen, und aus demselben gar nicht beteten, weil er ihnen zu lang war, dann sollte es doch allseitig mit Freuden begrüßt werden, daß ihr Interesse für das Gebetbuch, welches ja keiner Gemeinde aufgedrängt wurde, überhaupt erwacht ist und daß sie ein Bedürfnis nach einem solchen empfinden. Zur Liebe kann man niemand zwingen, auch nicht zur Liebe für Zion und Jerusalem, und die von den westfälischen Gemeinden bektmdete *) Um auch die Diskussion über das westfälische Gebetbuch vor Einseitigkeit zu bewahren, haben wir uns bemüht, die Meinungsäußerung eines Verteidigers desselben einzuholen. Der Aufsatz war für die vor. Nr. geschrieben, mußte jedoch wegen Raummangels zurückgestellt werden. Red.

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