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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-06-19 · 25 (19.6.1896) · p. Seite 434

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
25 (19.6.1896)
Date
1896-06-19
Page
Seite 434 (sequence 14)
Language
German
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Seite 434. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 26. Hier und dort. -r Berlin, 10. Juni. In der Sitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" vom 6. Juni machte der Vorsitzende Mitteilung von der Ueberweisung dreier Exemplare der „Methode des jüdischen Religionsunterrichtes" von Dr. Maybaum an die Vereinigung. Das Mitglied Dr. Blaschke hat sich bereit erklärt, in einer der nächsten Sitzungen über dieses Buch zu referieren. Nachdem der Vorsitzende weiter über die erfolgte Gründung des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg, dem sich bereits zahlreiche Mitglieder angeschlossen haben, berichtet hatte, entstand eine lebhafte Debatte über Punkt 3 der Tagesordnung: „Beratung über einen Sommerausslng". Es wurde beschlossen, daß die Mitglieder mit ihren Damen und mit Gästen am Sonntag, den 14. Juni, nachmittags 5 Uhr sich im Kaiser-Pavillon zu Wannsee treffen, um den Abend gemeinsam zu verleben. An die geschäftliche Sitzung schloß sich noch ein gemütliches Beisammensein, das von der fröhlichen Stimmung der Vereinsmitglieder Zeugnis ablegte. Berlin, 14. Juni. Hier besteht seit einiger Zeit ein in seinen Bestrebungen sehr lobenswerter Verein zur Unterstützung von Waisen, Halbwaisen und sonstigen bedürftigen Kindern jüdischen Glaubens. Der Verein verteilt in jüdischen Familien Sparkästchen, deren Inhalt für den obgenannten löblichen Zweck verwendet wird. An der Spitze dieses Vereins stehen Damen und Herren ans den besten Gesellschaftkreisen. Ueber das Resultat seiner bisherigen Wirksamkeit geht uns folgender Bericht zu: In der am 12. d. Mts stattgehabten Sitzung des Kinder-Spar-Vereins wurde das Resultat der ersten Entleerung der Sparkästchen bekannt gegeben. Von den ansgegebenen Sparkästchen wurden 990 entleert und 4950 Mk. darin gefunden. Die übrigen Kästchen konnten teils wegen Abwesenheit der Familien, teils aus anderen Gründen nicht entleert werden und wird die nächste Entleerung voraussichtlich Ende dieses Jahres stattfinden. Von der genannten Summe wurden zunächst 2500 Mk. dem Ausschuß, welcher gestern gewählt wurde, zur Verfügung gestellt. Derselbe konstituierte sich dann sofort und hat seine Arbeiten begonnen. Nach den Bestimmungen soll der Ausschuß aus 9 Personen und zwar aus 4 Herren und 5 Damen bestehen, wovon der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende vom Gesamt-Komitee zu wählen sind. Es wurden gewählt: Herr Kommerzienrat Julius Friedländer als Vorsitzender, Herr Bernhard Behrens als stellvertretender Vorsitzender, Herr Sanitätsrat Dr. Blumenthal und Herr A. Ruß, sowie die Damen Frau Cäcilie Friedläuder, Frau Sanitätsrat Dr. Mühsam, Frau Dr. Ginsberg, Frau Louis Sachs und Frau Mesterstein. Vorsitzende des Vereins ist Frau Cäcilie Friedländer, Bellevuestr. 9, Schriftführer Herr Julius Jsaac. rr Berlin, 16. Juni. Sonntag, den 21. d. M. findet in Cassels Hotel der vom D.-J.-G.-B. einberufene 7. Gemeind etag statt. Wir beschränken uns vorläufig daraus, hier die wichtigsten Gegenstände der Tagesordnung zu verzeichnen: Antrag des Herrn Professor Dr. Horowitz, Thorn: „Der Gemeindetag wolle, in anbetracht dessen, daß noch immer Mangel an geeigneten Lehrkräften für den jüdischen Religionsunterricht an den höheren Schulen herrscht, den Ausschuß beauftragen, Maßnahme zu treffen, um für die Heranbildung eines wissenschaftlich tüchtigen und zugleich pädagogisch geschulten Religionslehrerstandes Sorge zu tragen. Als wirksames Mittel zur Erreichung dieses in unserer Zeit besonders zu erstrebenden Zieles dürfte sich die Einführung eines besonderen Lehrkursus für Religionsunterricht, in Verbindung mit praktischen Hebungen, an sämtlichen in Deutschland bestehenden Rabbinerbildungsanstalten empfehlen." — Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Landau, Weilburg a. L.: „Der D.-J.-G.-B. möge anstreben, daß der jüdische Religionsunterricht unter staatliche Aufsicht gestellt, und diese Aufsicht, wie in Süddeutschland und den 1866 erworbenen preußischen Provinzen, den am meisten dazu geeigneten Personen, den Rabbinern übertragen werde." — Antrag des Herrn Amtsgerichtsrat Levy, Beuthen O.-S.: „Die Errichtung von Anstalten zur Ausbildung von Schächtern und Vorbetern ist ein dringendes Bedürfnis. Der Gemeindetag wolle beschließen: thunlichst sofort die geeigneten Wege zur Erreichung dieses Zieles einzuschlagen." Antrag desselben Herrn: „Der Gemeindetag wolle beschließen, dahin zu wirken, den Religionsunterricht in höheren und niederen Schulen als obligatorisch einzusühren und bei den Staatsbehörden wegen Uebernahme der Kosten dieses Unterrichts vorstellig zu werden." £ Berlin, 17. Juni. Das unter Virchows Präsidium stehende Reichskomitee für den internationalen medizinischen Kongreß in Moskau, hat beschlossen, feine Thätigkeit nur dann aufzunehmen, wenn die Paßangelegenheit für die deutschen Kongreßbesucher jüdischer Konfession vorher geregelt werden. Bekanntlich ist es für Juden heute beinahe unmöglich, ohne besondere Hilfsmittel nach Rußland zu gelangen; da aber eine namhafte Anzahl der bedeutendsten deutschen Aerzte jüdischer Konfession ist, es ganz ausgeschlossen ist, daß diese von dem Konresse wegbleiben, so wurde oben erwähnter Beschluß gefaßt, der eine Beseitigung aller Schwierigkeiten für die jüdischen Kongreßmitglieder fordert. Dies kann aber nur durch besonderen Ukas des russischen Kaisers geschehen. Man darf neugierig sein, wie die Entscheidung des jungen Monarchen, die ja bald erfolgen muß, ausfallen wird. £ Wreschen, 8. Juni. In feierlicher Weise fand vor einigen Tagen hier die Amtseinführung des Rabbiners Herrn Dr. Lewin statt. Die Vertreter der israelitischen Gemeinde Miodowski und Ehrensried fuhren dem Ankommenden bis Miloslaw entgegen. Auf dem Bahnhofe Hierselbst hatten sich die Repräsentanten der Gemeinde eingefunden und begrüßten ihren Seelforger. In der Stadt angelangt, begaben sich der Rabbiner und die Festteiluehmer in die kleine Betschule, woselbst die Vesperandacht abgehalten wurde. Von hier aus bewegte sich der Zug nach dem Tempel. Voran schritten zwei Mitglieder des Empfangskomitees; hinter denselben die Ehrenherren, die heiligen Gesetzesrollen tragend, und dann der Rabbiner, ihm zur Seite der Gemeinde-Vorsteher. Den Schluß bildeten die Repräsentanten und Vorstände der hier bestehenden Vereine. Von der kleinen Betschule bis zum Tempel war eine Triumphpforte erbaut, welche mit Tannengrün, Lampions und

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