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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-06-19 · 25 (19.6.1896) · p. Seite 433

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
25 (19.6.1896)
Date
1896-06-19
Page
Seite 433 (sequence 13)
Language
German
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Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 433 Nr, 25. 1 ^wroanbten des (&,.*► £•*->£5 2 tont J " Äschern zu entgehe,,. bn zur Rch getroffen, lldengemeinde oon Q. fcine " Steher dersLen ° '"wart des ^attimonia^ "l7 worin er den von dukaten ohne irgend welche soben erklärte nnd gewährte idchens die gleichen Rechte e gewisse Quantität Holz ntnefymen zu dürfen, was oininen wurde. Igemein für einen klugen und nicht leicht getäuscht ng, die in wenigen Wochen c durchaus nicht oder schien sonst heitere und harmlose mher, die früher schelmisch lanzlos aus und je näher le für immer dem Elterntral das Schreckliche, das und ihr Herz wollte fast Eltern und an die Folgen rbedingt nach sich ziehen >em geliebten Manne nicht Tebah war plötzlich eine ilst redselige Mann sprach inen Augen blitzte es un-;; blickte und seine Mnnd-? r sprechen wollte, aber er > Nr. 25. fragend auf den seltenen Gast, der niemals früher seine Hütte betreten. „Höret Hansel," redete Cohn ihn an, „möchtet ihr wohl 10 Thaler verdienend" „Zehn Thaler," erwiderte der Angeredete, indem er dem Bal Tebah gierig die Hand entgegenstreckte, als wollte er das Geld sofort in Empfang nehmen, „wie könnt Ihr noch fragen, Herr Cohn, für zehn Thaler hole ich Euch meinethalben den Gottseibeiuns vom Blocksberge." „Nun das ist eben nicht nötig," sagte Cohn auf eine Bank sich niederlafsend, „so etwas verlange ich nicht; Ihr sollt mir nur einen Brief an den französischen Lagerkommandanten bei Münsterberg besorgen. Man nennt Euch einen tüchtigen Reiter, sieben Meilen sind es nach Münsterberg. Wenn Ihr sofort anfbrechet, getraut Ihr Euch morgen Mittag im französischen Lager zu sein?" „Bin früher da," erwiderte Hansel, „mein Pollack rennt wie ein Windhund, aber die 10 Thaler, wie ist es damit?" „Ehe Ihr fortreitet gebe ich Euch fünf Thaler, den Rest wenn Ihr zurückkehrt," erwiderte Reb Chaim, „und noch ein extra Trinkgeld. Ihr kennt mich Hansel, was ich verspreche halte ich, aber niemand, auch Euer Weib nicht, darf wissen, wohin Ihr reitet, habt Ihr mich verstanden?" „Abgemacht, Herr Cohn, in einer halben Stunde breche ich auf und daß ich schweigen kann, nun, das können unsere Gerichte mir bezeugen." „Ganz gut, Hansel," preßte Reb Chaim mühsam hervor, „hier ist der Brief und hier fiiib die fünf Thaler, aber nun macht, daß Ihr fortkommt." Eine halbe Stunde später ritt Hansel langsam durch das Städchen; aber als er die letzten Häuser desselben im Rücken hatte, gab er seinem Pferde die Sporen und im sausenden Galopp sprengte er seinem Bestimmungsorte zu. — Ein dunkler, rauher Novemberabend war hereingebrochen. Im Zimmer des Grafen herrschte Rührigkeit. Während der Jäger die Koffer seines Herrn zur Reise in Ordnung brachte, lud dieser seine Pistolen, denn noch an diesem Abend wollte er das Hekdesch und Z. verlassen. Außerhalb des Städtchens, bei der alten Windmühle, sollte er Gitele treffen, so war es verabredet worden und am nächsten Morgen wollten die Liebenden die preitßische Grenze weit hinter sich haben. Im Wohnzimmer ihres Hauses saß Gitele. Das blühende Rot ihrer Wangen hatte einer erschreckenden Blässe Platz gemacht, ein nervöses Zittern zog häufig durch ihren Körper und mechanisch blickte sie von Zeit zu Zeit nach der großen Schwarzwälder Uhr, die in einem sonderbar verzierten Holzkasten an der Wand hing. In der Nähe des Ofens saß der alte Vater nnd sah mitleidsvoll ans sein Kind, dessen schweres Leid er nur zu gut kannte. „Du siehst blaß und krank aus, Gitele, Du solltest zu Bette gehen," fing der Alte in gütigem Tone endlich an, indem er sich erhob und seiner Tochter näher trat. „Nicht doch, Vaterleben, mir ist ganz wohl," erwiderte das Mädchen, zu einem Lächeln sich zwingend, „ich will ja heute noch Tante Esther aus dem Markte besuchen." Reb Chaim ging einige Mal schweigend auf und nieder, dann trat er dicht vor seine Tochter hin nnd legte seine Hand aus ihre Schulter. „Höre mein Kind, sage mir doch, wie heißt das fünfte Gebot?" „Wozu das, Vater," hauchte Gitele, während ein flammendes Rot ihr Gesicht bedeckte und Fieberfrost sie schüttelte, „wozu diese Frage, lieber Vater, glaubst Tn denn, ich habe die zehn Gebote vergessen?" „Beinahe glaubte ich es und zwar mit Recht," erwiderte Reb Chaim und seine Stimme bebte. „Doch höre, was ich Dir sagen will. Du wirst heute die Tante Esther nicht besuchen, denn sie ist hier im Hause und zur alten Windmühle darfst Du auch nicht gehen, wenigstens heute nicht, dafür werde ich, Dein Vater, sorgen." Mit einem gellenden Schrei sprang Gitele in die Höhe, sie wollte sprechen, doch die Stimme versagte ihr, ohnmächtig stürzte sie zusammen. Der schnell herbeigerusene Arzt ließ die Bewußtlose zu Bette bringen und wandte alle Mittel an, sie aus der Ohnmacht zu erwecken. Wohl gelang ihm dies, aber Giteles Geist blieb umnachtet; die wilden Phantasien eines Nervenfiebers stellten sich am nächsten Morgen ein und nur selten kamen lichte Augenblicke, die letzten Hoffnungsstrahlen der verzweifelten Eltern. Alle Kunst der Aerzte vermochten nicht das furchtbare Fieber zu bannen und nach wenigen Tagen hauchte Gitele ihr junges Leben aus. Eine Stunde später aber als Gitele ohnmächtig geworden, rollte des Grafen Fuhrwerk durch die öde Vorstadt von Z. nach der Windmühle zu. Dort hielt der Wagen, der Gras stieg aus uud näherte sich vorsichtig der Mühle. In demselben Augenblicke sprangen französische Soldaten aus dem Gebüsch, das neben der Straße sich hinzog und ehe der Gras Zeit hatte seine Pistole zu ziehen, war er überwältigt und gefesselt. Dian hob ihn in den Wagen, Soldaten stiegen zu ihm ein und nahmen auf dem Kutschersitze Platz und fort ging es in entgegengesetzter Richtung, nach Münsterberg dem französischen Lager zu. Hansel hatte seinen Auftrag nur zu gut bestellt. Graf M. war lange in einer französischen Festung interniert, erst nach der Vermählung Napoleons mit Maria Louise, wurde er auf Verwenden des österreichischen Kaisers in seine Heimat entlassen. Die Herrschaft Z. verkaufte er dem Staate, der das prachtvolle Schloß in eine Strafanstalt umwandeln ließ. — Als Friedrich Wrlhelm 111. im Jahre 1813 den Ausruf an sein Volk erließ, war Gras M. einor der ersten, der Kriegsdienste nahm, er focht mit Auszeichnung, auf Leipzigs blutigen Gefilden starb er den Heldentod. Auf seiner Brust fand man ein Medaillon mit einer Locke, es war ein Geschenk von Gitele, er hatte sie nie vergessen. * Der alte Bal Tebah überlebte seine Tochter nur wenige Monate, dann trug man auch ihn hinaus nach dein alten Friedhose, dort ruht er neben seinem Kinde. —

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