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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-06-19 · 25 (19.6.1896) · p. Seite 432

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
25 (19.6.1896)
Date
1896-06-19
Page
Seite 432 (sequence 12)
Language
German
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Seite 482. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. sJir, 25. war lustig und fidel. — Außer dem Brote konnte ich noch — wenn ich Geld hatte — bei meiner Wirtin speisen nach dem „Preiskourant". Es wurde gezahlt für 1. 1 Tasse Kaffee.2 Pf. 2. Grütze mit Kartoffeln.3 „ 3. Rühr- oder Quetschkartoffeln mit Buttermilch 4 „ 4. Buchweizen und Leber.13 „ 5. Dicke Hirse oder Grütze mit Fleisch ... 20 „ Von Nr. 5 wurde nur selten Gebrauch gemacht; überhaupt war dasselbe nur Montag, Donnerstag und „ro8ch chaudesch1 (Neumondstag) zu haben und zwar nur gegen bar. — Die andern Gegenstände wurden kreditiert bis zur Höhe von — 30 Pf. monatlich, da ohnehin die 2 Mark für Wohnung und Betten postnumerando gezahlt wurden. Einst fragte Joel (starb als Rabbiner in Breslau): Was ist wohl das Beste an unserm 2 Pf.-Kaffee? Da niemand von uns gutes, geschweige bestes daran entdecken konnte, antwortete er selbst: das bischen Wärme. Des Sonnabends speiste ich während meiner ganzen Seminarzeit bei einem Restaurateur Gensler, dessen einzige Tochter ich dafür unterrichtete. (Schluß folgt.) Der Sdmtstiiilintfii. Von R. E. Sch. (Schluß.) Die alte Frummet schüttelte freilich mit dem Kopfe und brummte unverständliche Worte vor sich hin, als ihr Herzblättchen, wie sie Gitele zu nennen pflegte, mehrmals des Tages im Hekdesch erschien und immer mit dem Grafen verkehrte, als ob dem stets wichtige Nachrichten mitgeteilt werden müßten. Sie fand es geradezu merkwürdig, daß das sonst so schüchterne, fromme Kind so viel Anteil an einen Goj nehmen konnte und ahnte noch durchaus nicht, daß die Herzen der Beiden sich längst gefunden hatten und daß in den stillen Räumen des Hekdesch ein Bund fürs Leben geschlossen worden war. Wohl hatte der kindlich reine Sinn des Mädchens das Unrecht erkannt, hinter dem Rücken der Eltern einen Herzensbund mit dem Christen zu schließen. Aber was vermögen Vernunftgründe dem stürmisch bewegten Herzen gegenüber. Der Graf erklärte Gitele, daß er nie von ihr lassen, sie ewig lieben und zu seiner Gemahlin erheben wolle. Er malte ihr die Zukunft so rosig aus, daß Gitele nach schweren inneren Kämpfen einwilligte, mit ihm zu entfliehen. Die Franzosen waren längst abgezogen und in der ganzen Gegend war kein Feind zu sehen und immer noch weilte der Graf im Hekdesch. Dem Bal Tebah wollte es nicht recht einleuchten, warum der Graf Z. nicht verließ, da der Weg nach Oesterreich ihm jetzt offen stand. Der gute Mann wußte nicht, was seinen Schützling im Städtchen festhielt, der Schlag, der gegen ihn geplant worden, sollte urplötzlich und um so vernichtender ihn, den Arglosen, treffen. Inzwischen wurde der Graf fast jede Nacht von seinem Rentmeister besucht, der lange Unterredungen mit ihm hatte. Der treue Beamte hatte sich selbst zu den in Oesterreich lebenden Verwandten des Grafen begeben, die gern bereit waren, die Geldnot ihres Vetters durch einen namhaften baren Vorschuß zu beseitigen, damit es ihm möglich würde, durch schleunige Flucht nach England den ihn überall suchenden, französischen Häschern zu entgeheu. Es wurden nun wirklich alle Anstalten zur Reise getroffen, doch wollte der Graf vorher der Judengemeinde von Z. seine Dankbarkeit beweisen. Er entbot die Vorsteher derselben zu sich und überreichte ihnen in Gegenwart des Patrimonialrichters und Rentmeisters eine Urkunde, worin er den von der Judenschaft zu zahlenden Schutzdukaten ohne irgend welche Entschädigung für immer als aufgehoben erklärte und gewährte den jüdischen Hausbesitzern des Städchens die gleichen Rechte wie den christlichen, alljährlich eine gewisse Quantität Holz aus den gräflichen Forsten gratis entnehmen zu dürfen, was von der Judenschaft dankbar angenommen wurde. Der alte Bal Tebah galt allgemein für einen klugen Mann, der für Alles Rat wußte und nicht leicht getäuscht werden konnte. Aber die Veränderung, die in wenigen Wochen mit Gitele vorgegangen, bemerkte er durchaus nicht oder schien sie nicht bemerken zu wollen. Das sonst heilere und harmlose Kind schlich jetzt ernst und sinnend umher, die früher schelmisch blickenden Augen sahen trüb und glanzlos aus und je näher der Zeitpunkt heranrllckte, der Gitele für immer dem Elternhause entreißen sollte, desto mehr trat das Schreckliche, das sie beginnen wollte, vor ihre Seele und ihr Herz wollte fast brechen vor Wehe, wenn sie an ihre Eltern und an die Folgen dachte, die ihre Handlungsweise unbedingt nach sich ziehen würde. Und doch konnte sie von dem geliebten Manne nicht lassen. Aber auch mit dem alten Bal Tebah war plötzlich eine Veränderung vorgegangen. Ter sonst redselige Mann sprach fast gar nicht mehr, nur aus seiuen Augen blitzte es unheimlich, wenn er auf seine Tochter blickte und seine Mundwinkel zuckten fieberhaft, als ob er sprechen wollte, aber er schwieg. So rückte der Tag heran, den der Graf zur Abreise bestimmt hatte. Seiner Sicherheit wegen wollte er spät am Abend aufbrechen, um im Dunkel der Nacht von niemand gesehen und erkannt, die österreichische Grenze zu überschreiten und der Rentnieister hatte alle Vorbereitungen getroffen, damit sein Herr glücklich entkommen könne. Auch der Bal Tebah schien stark beschäftigt zu sein. Er verkehrte jetzt viel im Hekdesch und während er sich vom Grafen alle Einzelnheiten der bevorstehenden Reise mitteilen ließ, hatte er oft spät des Nachts lange Unterredungen mit der alten Frummet, die Gitele und den Grasen scharf beobachtete. In Z. wohnte damals ein gewisser Johannes, den jedermann Hansel zu nennen pflegte. Dieser Mann stand nicht im besten Gerüche und war mit der Polizei schon häufig in unangenehme Berührung gekommen. Außerdem war er aber ein vorzüglicher Reiter und verwegener Bursche, dem es sehr gleichgültig war, auf welche Weise er einen Thaler verdienen konnte. Dieser Johannes war nicht wenig erstaunt, als er eines Abends den Bal Tebah bei sich eintreten sah und blickte

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