Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 25 (19.6.1896)
- Date
- 1896-06-19
- Page
- Seite 431 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 25. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 431. Nr. 25. eine ähnliche Gedachtwtt eine Nadel durch ^U lf hwdurchsteckten, ber oder jene Seite Und dies verstand ein n Wert der verschiedenen oO Pf. wöchentlich, ^chdem ich nachher noch U "lernte", wandte ich M- Hier traf ich 18 '* Mehne, einen alten indischen Studium suchte [“ ~~ auch in profanem Sprachen, Unterricht zu rben, suchten immer drei wir gewöhnlich 10-12 l weiter, d. h. wir lernten auswendig, wie z. B. im ', im Französischen von Charakteristische solcher (beu Namen habe ich .wo Pompilius1 mit einer chte, um sich von mir .tte ich die Uebersetzung daß er nicht einen Satz pänbc über dem Kopfe Nich kostet Latein und kann noch nichts!" >, das Seminar in Posen Tirektor, um mich für er ist mein Plan durch enden drei Kommilitonen Merbracht worden. Fa, hätte — bomdile dictu! ng nicht in Strümpfen uf den Füßen behalten. ch zu seiner , auss Ar- >urch seinen ing, meinen argen, wenn Ich hatte erkrankten ziert: U> a. cus, wo;emetet» Erieser Stunde z und aller >arrte, zeigte en Vorträge bekam jeder jolizei fofott c§ frommen lOrtfnlie bei mir Privatunterricht hatten, und durch die große Leutseligkeit des Polizeipräsidenten von Minutoli ist es mir gestattet worden, mich noch die beiden Monate Juli und August in Posen aufhalten zu dürfen. Am 1. Oktober 1841 trat ich in die zweite Klasse des katholischen Schullehrer-Seininars ein als Hospitant. Zur Ehre des Direktors Nepilly sowohl wie der andern Lehrer darf ich nicht verschweigen, daß dieselben mich derart freundlich behandelten, daß ich niemals — auch nicht von seiten der Seminaristen — an den Hospitanten oder gar an den Juden erinnert wurde. Am 5. Oktober 1843 erhielt ich das Reifezeugnis mit dem Prädikat: „gut." Durch dieses „Gut" bin ich von der Nachprüfung entbunden worden. * * * Der Lebensunterhalt eines Lochers. Der Bocher speiste bei sechs bestimmten Familien an den sechs Wochentagen. Man nannte dies „Täg-" oder „Tische-" essen. Für den Sabbat bekam jeder Bocher vom „Gabbe" (Vorsteher) ein „Plett" iBillet). Die Familienväter der Gemeinde wurden nämlich aufgesordert, freiwillig zu bestimmen, wieviel „Pletten" sie in einem Jahre halten wollten. Nur in den seltensten Fällen hat sich jemand von dieser freiwilligen Besteuerung ausgeschlossen. Die „Tische" (ich muß mich der Kürze wegen dieses in früherer Zeit allgemein bekannten Ausdruckes bedienen) mußte sich jeder Bocher entweder selbst verschaffen oder sie wurden ihm vom Rabbiner angewiesen, bei dem sich einige Bürger selbst zur Uebernahme dieser Pflicht freiwillig gemeldet. Oft kam's auch vor, daß dem einen oder andern Bocher ein „Tisch" fehlte, niemals aber war's ein Sonntag oder Freitag. Zu letzterem drängten sich die bemittelten aber geizigen (fie sparten das Abendbrot, weil der Freitagabend zum Sabbat gehört) zu ersterem aber unbemittelte Baal-Habattim (Familienväter), weil sie vom Sonnabend etwas Fleisch, Striezel oder meistens Kuchen (Oelkuchen) übrig hatten. Ein Leckerbissen mußte schon der Bocher bekommen. Ueberhaupt wurde diese Wohlthätigkeit weder von seiten der Geber als Bettelei, noch hat sich der Bocher als Bettler betrachtet. Erstere freuten sich, durch die Unterstützung der Thoralernenden für ihr eigenes Seelenheil sorgen zu können und letztere glaubten, gerechte Ansprüche darauf zu haben, sich dabei stützend auf den vom Rabbi oft genug zitierten Vers: „ki li kol haarez“ d. h. „Mir gehört die ganze Erde, spricht der Ewige; ihr Menschen seid nur die Verwalter re." 4- * * Nebentinnahmen eines Lochers. 1. Es gab immer in der Gemeinde einige Mitglieder, die verschiedener Gründe halber wie z. B. Krankheit der Hausfrau u. s. w. beim besten Willen keinen „Tag" oder „Tisch" geben konnten; sie gaben daher einen oder mehrere „Zahltage" (Stipendium) demjenigen Bocher, dem ein „Tisch" fehlte. 2. Einer der Bachurim — wenn die Reihe an ihn kam — ging „erew jomtow“ (einen Tag vor einem Feste) mit einer verschlossenen Büchse von Hans zu Haus; der Inhalt dieser Büchse wurde redlich geteilt. Schlimm, sehr schlimm wars, wenn der Rest des Inhalts nicht durch die Zahl der Bachurim teilbar war — die heftigen Gestikulationen hörten gewöhnlich erst auf, nachdem der Vorschlag gemacht wurde, es werde ein Vertrauensmann gewählt, der für die paar Pfennige im Winterweiße Rüben (Wruckenl und im Sommer andere Leckereien, wie z. B. Brod, Semmel re. kauft; diese Gegenstände wurden in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zur Verteilung gebracht. Es wurde nämlich jede Woche eine Nacht Bethhamidrasch wachend und lernend zugebracht und zwar immer von Donnerstag auf Freitag, weil man ja von Freitag auf Sonnabend die ganze Nacht schlafen konnte. Dem Vertrauensmann siel zugleich im Winter die Aufgabe zu, die Wrucken erst im Beth-hamidrasch-Ofen zu braten und dann die Teilung vorzunehmen. 3. Gabs Geld fürs „Lernen" bei der „Tahara" (Leichenwäsche). 4. Desgleichen im Hanse einer Wöchnerin am Abend vorder Beschneidung. 5. Desgleichen fürs Thilimsagen (Psalmen) im Tempel für einen gefährlich Erkrankten. 6. Fürs Vorlesen der Megillah (Buch Ester) bei einerkranken Frau oder einem kranken Manne. 7. Fürs Schoferblasen im Hause eines Kranken. 8. Endlich noch für — das Rollen der Mazzes. In der Peßachwoche waren wir nämlich vom Schiur (Vorlesung) dispensiert, um obigem Geschäfte obliegen zu können; für jeden Ofen gab's 13—20 Pf. (1 guter Groschen oder 2 Silbergroschen (und da täglich mehrere Male gebacken wurde, so hatten wir „Erew Pesach“ so viel, daß man sich Zeug zum Rock kaufen konnte. Für Arbeitslohn sorgte die Büchse oderauch irgend ein — Kranker. Zahlte ich doch nur für 1 Paar- Beinkleider 25-30 Pf., für einen Rock 1 Mk. bis 1,50 Mk, für Sohlen und Absätze 1,25 Mk. Es sind dies durchaus hohe Summen inanbetracht oes wöchentlichen Gehalts unseres Rabbi Feibel Lißa Thnmim Fränkel in Höhe von 2,50 Mk. 4- * * Das Leben eines Seminaristen. Nachdem ich aufgehört, den „Schiur" (Vorlesung) bei Rabbi Salomon Eger zu besuchen, fielen sämtliche Einnahmen inkl. „Tische" und „Pletten" fort. Letztere wurden überhaupt nur an 6 vom Rabbi empfohlene Bachurim verabfolgt, während damals (1839—41) außer uns noch 13, also im Ganzen 19 selche in Posen existierten. Ich lebte fortan nur vom Unterrichterteilen. Nach den Einnahmen richteten sich selbstverständlich die Ausgaben. Ein Brot für 50 Pf. mußte eine Woche reichen. Um aber nicht in den ersten Tagen der Woche viel, in den letzten wenig oder vielleicht garnichts zu haben, wurde das Brot in 6 gleiche Teile gezeichnet, und fürwahr, es gehörte oft eine große Selbstbeherrschung dazu, die Grenzen nicht zu überschreiten. Ich erinnere mich heute noch ganz genau des Tages, an dem der Versucher, vom mächtigsten Hunger unterstützt, an mich herantrat, mehr vom Brote zu schneiden, als ich mir Sonntag vorgezeichnet hatte; aber — das Brot verschließen, zu den „Brotbänken" laufen und dort für 3 Groschen (5 Pf.) ein Kommisbrötchen kaufen, war das Werk von einigen Minuten. Ich aß mich daran satt und