Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 24 (12.6.1896)
- Date
- 1896-06-12
- Page
- Seite 413 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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91t. 24. Nr. 24. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 413. sind von solchen Was thun aber nng des Gotteswortes'} . zu gottbegnaauen, end- >as Land Wickelung >at, der. d herrzuerst mden veranstaltet wird, hielt ich es für geboten, mich von dem Bannkreise jener Schaustellung der Lüsternheit fern zu halten, um meine alte Sehnsucht nach Zion vor Besudelung zu bewahren. Aber seit Jahren beschäftigte mich das Interesse für die jüdischen Kolonien, welche in den letzten fünfzehn Jahren auf palästinensischem Boden entstanden sind. Es war dies zur Zeit der blutigen Verfolgungen, welche die Inden während des Jgnatiewschen Regirnes in Rußland zu erleiden hatten. Viele hunderttausende von russischen Juden verließen damals ihr Vaterland, wo sie nicht einmal des nackten Lebens sicher waren. Eine Anzahl dieser Flüchtlinge, zu denen sich noch auch solche aus Rumänien gesellten, siedelten sich in Palästina an, mit dem Vorsatz, in diesem Lande Ackerbau zu treiben. Die ersten Kolonisten hatten mit unsäglichen Schwierigkeiten, mit Not und Mangel zu kämpfen, bis ihnen in der Person des hochherzigen Barons Edmund Rothschild in Paris ein Retter in der bittersten Rot erschien. Seitdem blühen und gedeihen die jüdischen Kolonien, aus denen sich fleißige Arbeit mit vieler Intelligenz vereinigt. In mehreren Kolonien hat sich der Boden als für den Ackerbau ungeeignet erwiesen, weshalb sie in Weinberge nmgewandelt sind, wo mit allen Fortschritten der Technik ein Wein hergestellt wird, der es mit den besten französischen Weinen aufnehmen kann! Wenn man die Schilderungen dieser jüdischen Ackerbankolonien auf geweihtem Boden liest, so fühlt man sich in jene Zeit versetzt, in der das herrliche Hohelied entstanden ist. Man glaubt sich in den rosenbedeckten Gefilden des Saron, mitten unter der üppigen Vegetation, welche in jener Dichtung in so prächtigen und mannigfaltigen Farben geschildert wird, in den blühenden Gärten, deren süßer Duft die Sinne gefangen nimmt; man träumt von den Schasheerden, „welche den Berg Gilead hinunter eilen" und glaubt die Glöckchen tönen zu hören und das Gesumme der in der Ferne spielenden Hirtenknaben. Mit einem Worte: das ganze biblische Panorama, mit all' dem poetischen Zauber, von dem es verklärt wird, .wird uns mit einem Male vorgezaubert. Da war die Sehnsucht stärker als alle festen Entschlüsse. Ich habe die palästinensische Ausstellung in „Kairo" doch gesehen. Gott sei Dank! Ich bin nicht enttäuscht worden! Ich habe da geschaut und mich an dem mir Gebotenen erfreut. Mail sollte es kaum für möglich halten, was fleißige Menschenhände in einem so kurzen Zeitraum unter so vielen Schwierigkeiten geschaffen haben. Palästina, namentlich Galiläa und das Jordanland, war stets ein fruchtbarer Boden, wo „Milch und Honig floß", wie der biblische Ausdruck lautet. Aber seit Jahrhunderten lag der Boden verödet und keine Menschenhand rührte sich, um den bösen Zauber, in welchen das Land gebannt zu sein schien, zu verscheuchen. Mit unsäglicher Mühe wurde ans einer Wüste ein herrlicher Erdpunkt mit einer bezaubernden Szenerie geschaffen. Eine prächtige Vegetation schafft wieder all' die schönen Früchte, „die einst dem heiligen Lande zum Lob gereichten", wie sich der Talmud ausdrückt. Dazu kommt die moderne agrarische Technik, die der Natur zur Hilfe kommt und den Ertrag des biblischen Landes noch erhöht. Und so sah ich all' die schönen Produkte, die das heilige Land durch den Fleiß seiner jüdischen Kolonisten hervorbringt: der schöne, fette, vollkörnige Weizen, die Gerste, den Sesam, Erbsen, Bohnen, Mais und andere Feldfrüchte, oft von einer Qualität, wie man sie in Europa kaum kennt. Alle Südfrüchte, an denen Palästina reich ist, werden in der Palästina- Ausstellung gezeigt. Dann die angenehm und gut schmeckenden unverfälschten Weine, der edle Kognak, die feinen Liköre, Honig von süßduftendem Aroma, Olivenöl von seltener Schönheit und Schmackhaftigkeit und all' die Erzeugnisse des gelobten Landes. Auch der gewerbliche Fleiß hat ehrende Beweise für den jüdischen Kolonisten aufzuweisen. Schöne, reiche Seidenerzeugnisse werden gezeigt, allerhand Schnitzereien und noch andere Anfänge einer erstehenden Industrie. Alles zeigt von Kunstsinn, Intelligenz und ausdauernden Fleiß. Mitten unter diesen landwirtschaftlichen und gewerblichen Erzeugnissen des heiligen Landes, umrahmt von getreuen Abbildungen des jüdischen Koloniallebens, gewinnt man ein anheimelndes, trautes und sympathisches Bild von Neu-Palästina. Da saß ich viele, viele Stunden; von der Ferne hörte ich schöne orientalische Gesänge; die ganze Unmittelbarkeit und Natürlichkeit des Orients bot sich mir da. Und so hatte ich den Anblick einer Landschaft, die teils altklassisch, teils wiederum so modern erscheint. Es war für mich eine Verbrüderung des Occidents mit dem Orient. In diesen Gedanken, welche in mir der Besuch der Palästina-Ausstellung hervorgerufen, vertieft, träumte ich von einer Zukunft, in der das teilweise so greisenhafte Europa vielleicht wiederum von Asien aus eine neue Verjüngung sich holen wird. In Asien kennt man nicht die Blasiertheit und die Impotenz unserer Ueberkultur, die hastige Gier nach schnellem Genießen und zugleich das schnelle Aufreiben der Kräfte. Ein Teil der asiatischen, sprichwörtlich gewordenen Ruhe und des Sichfindens in das Schicksal thäte unserm nervösen und überreizten Europa sehr wohl. Aber das sind wohl Träume, bei denen ich mich ertappte. Soll' ich mich deren schämen? Nun, ich glaube, Illusionen hegen hat in unserer Zeit der öden Alltäglichkeit wenigstens den Reiz der Neuheit für sich. Und ihr sucht doch so heftig nach etwas Neuem, die ihr an allem übersättigt seid. Es bleibt mir nur übrig, allen, die sich Sinn und Empfänglichkeit für etwas Besseres als widrige Tänze und lärmende Schaustellungen gewahrt, warm den Besuch dieser Palästina-Ausstellung zu empfehlen. Unfern Stammesgenossen aber wird da ein erhebender Anblick geboten, den sie nicht versäumen sollten, ihren Söhnen und Töchtern vorzuführen. Es wird ihnen jedenfalls für spätere Tage zum Segen gereichen, Szenen aus der Bibel vorgeführt gesehen zu haben. Um nicht als undankbar für das Gebotene zu erscheinen, muß ich den Herren Wohlgemuth, Dt-. Hildesheimer und Willy Bambus, die für das Zustandekommen der Ausstellung so viele Opfer an Geld und Zeit gebracht und auch jetzt noch bringen, meinen Dank öffentlich abstatten, ebenso wie ich den Herren Di-. Holzmann und David Schub, Vertreter der Kolonie „Rosch- Pinah", die mich in der liebenswürdigsten Weise in der Ausstellung hernmgeführt, warm die Hand drückte.