Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 24 (12.6.1896)
- Date
- 1896-06-12
- Page
- Seite 411 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 24. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 411. hronik. Berlin, den I I. Juni, r Ueberschrist erhalten wir mit zum Abdruck bringen: werden mir nicht zumuten, iiabbinerlein in eine Polemik t zu würdigen, in welcher als er sich anschicken mußte, günstige Zensur über wissenl- Nur Eins muß ich bei in rügen: Er zitiert falsch! senschast, die gepflegt werden rabbinisch" untersteüt, um :inen Ausführungen zu entnichts beabsichtigt, als einen a er als Rabbinerlein der paßmacher sein muß. Aber m zuerst ansehen. Für solche n Lesern dieses Blattes keine llen denn derartige Anstalten düng von Rabbinern? Run : es nicht zu wissen, daß es i für das Thorastudmm gearen, Dompfaffen abzurichten, ew betrifft, so hat mir das- Jch wußte stets, daß die esungen Romane lesen; daß i, um Turgenjew zu lesen- >r Anonymus, der mir diesen ü er den Talmudjüngern handelt werden" (cfr. § 189 St. G- B., Beschimpfung Verstorbener), so wurde dies Erkenntnis nach der „Post" motiviert. — Nochmals die „deutsche" Talmud-Uebersellung des Herrn Goldscbmid. — Herr Prof. Tr. A. Sulzbach leuchtet wiederum dem talmudübersetzenden Jüngling, der aus Rußland nach Berlin zu Fuß gekommen, in folgenden Sätzen heim: „Ich bemerkte, daß die Uebersetzung von sachlichen Fehlern nicht frei, daß sie an vielen Stellen unverständlich und schlechtes Deutsch sei. Hierzu nilr einige wenige Beispiele aus der großen Menge, die ich, obwohl ich von dem 80 Seiten starken Hefte nur ca. 30 Seiten stichprobenweise durchgelesen, gesammelt habe, wobei ich die Stellen übergehen will, die der Uebersetzer in den Fußnoten zu erklären versucht. „Reiche mir deine Hand. Er reichte sie ihm, und jener richtete ihn auf. Wozu dies? sollte sich R. Jochanan selbst aufrichten. — Sie erwiderten u. s. w. (S. 13.) Wer versteht dieses? Hätte der Uebersetzer geschrieben: „R. I. hätte sich selbst anfrichten sollen", so wäre dies deutsch und verständlich. -- „Bei Zehnen kommt die göttliche Niederlassung zuerst, bei Dreien als sie .schon sitzen." (S. 16.) Ist dies deutsch? — „Und woher uns dies?" (S. 17.) statt: Woher wissen wir dies? — Zwischen zwei, scheinbar zusammenhanglos neben einanderstehenden Versen der Schrift Beziehungen zu finden, gehört zu der Jnterpretierungsart mancher Gelehrten, dies nennt der Uebersetzer beharrlich das „Aneinanderstehen" der Schriststellen und kommt nun zu dem sehr sinnreichen Satze: „Woher wissen wir das „„Aneinanderstehen"" aus der Gesetzeslehre zu entnehmen?" (S. 33.) Wer nicht schon vorher weiß, was hier gesagt werden soll, — diese Stilblüte wird wohl niemand verstehen. Soll heißen: Woher wissen wir ans der Schrift, daß Beziehungen zwischen nebeneinanderstehenden Schriststellen zu suchen seien? - S. 73 befindet sich eine ganze Reihe von Sätzen, die man als Preisausgaben zu lösen stellen könnte; wer nicht schon Talmudkenner ist, wird sie nicht lösen; z. B. „Zur Mezzuze (sc. sind sie verpflichtet). Selbstverständlich! — Du könntest sagen, da sie doch mit dem Studium der Gesetzlehre verglichen wird — daher läßt er uns hören." Abgesehen davon, daß es statt „daher" „darum" heißen müßte, bleibt dieser abgebrochene Satz wie die ähnlichen ihm vorangehenden dem Mchtkenner unverständlich. Dies genüge ^sachlich Falsches will ich hier beiseite lassen. Aber, wenn es dem Herrn Uebersetzer noch nach mehr gelüstet, ich kann ihm aufwarten, wenn er zu meiner tiefen Beschämung mich den „wirklichen" Fachkennern gegenüber, wie Pros. Siegfried, der sich über seine Uebersetzung günstig ausgesprochen haben soll, zu den „uuwirklichen" zählt." Pros. Dr. A. Sulzbach. Ueber die günstige Rezension des „wirklichen" Fachkenners Prof. Siegfried in Jena werden auch wir demnächst einiges schreiben. Red. — Zur Nachachtung. In einer antisemitischen Broschüre finden wir folgende liebliche Sätze: „Ebenso irreführend als verächtlich ist, daß Teile der guten, sogenannten „vornehmen" Gesellschaft zu diesen Leuten (d. h. zu den reichen Juden) gehen, sie wenigstens scheinbar als standesgemäß betrachten, sich von ihnen einladen lassen und sie natürlich dann auch selbst einladen. Und da beschwert man sich noch, daß die Sozialdemokraten alles in einen Topf werfen und keine Unterschiede bei ihren Verurteilungen machen. Wenn man sich in Berlin und Wien umsieht, und sehen muß, welches Verhältnis zwischen der beziehungsweise vornehmen Gesellschaft und den reichen Bourgeois besteht, wie man diese Leute toleriert und sich selbst oft die größte Mühe giebt, „das Blut mit ihnen zu mischen", so kann man bei dieser speziellen Frage nur den Sozialdemokraten Recht geben, denn, wenn es tatsächlich „so weit gekommen ist", dann sind die Verhältnisse faul, das Ehr- und Rechtsgesühl ist in der bedenklichsten Weise in der Abnahme begriffen, und was der „alte Amschel Rothschild" von sich sagte: „das Geld ist meine Ehre", das können heutzutage eine Menge Leute aus der sogenannten „vornehmen" Gesellschaft ihm nachsagen. Pfui Teufel! über eine solche „Noblesse" und über die Wappenschilder, die mit einem solchen Gelds neu vergoldet wurden. Wo bleibt da der alte Wahrspruch: noblesse oblige? Lieber einfach und bescheiden gelebt, als „vornehm" in einer solchen Gesellschaft. Wir können dieses widerliche Thema aber nicht berühren, ohne leider auch manchem Fürsten schwere Vorwürfe zu machen. Wie rasch sind einige von ihnen oft bei der Hand, die Champions der Börse und des Manchestertums, die faktisch nichts als ihr Geld haben, in den Adelsstand zu erheben, mit hohen und höchsten Orden auszuzeichnen, sie einzuladen und selbst zu besuchen? Wer den Fürsten solche Ratschläge erteilt, der meint es nicht gm mit ihnen. Wenn Geld alles ersetzen soll, so ist für gewisse Leute nichts natürlicher, als es um jeden Preis zu erwerben; es zu haben, ist allein maßgebend, nicht, wie es erworben wird. Dieser Anschauung müßte gerade von den Fürsten auf das entschiedenste entgegengetreten werden." Unfern reichen Glaubensgenossen überall empfehlen wir diese antisemitischen Herzensergüsse zur Beherzigung. Und kommt zu ihnen demnächst ein adliger Schmarotzer, der ihnen das Geld ablockt, um sie dann zu verspotten, so thun sie gut daran, ihn zur Thür hinaus zu werfen. Unsere Altvordern haben ihren Ehrgeiz durch Wohlthun und andere Tugenden befriedigt und setzten keinen Stolz darein, mit adeligen Taugenichtsen zu verkehren. — Ueberflüssige Bemerkungen. In einem Leitartikel unseres Blattes schrieb Herr Dr. Bernfeld: „Unser Judentum ist selbst dort, wo es nicht völlig verleugnet wird, eine inhaltlose Phrase, eine Pose, eine „Anekdote von gestern und vorgestern" wie Nietzsche sagt. Das religiöse Leben entbehrt jeder Innerlichkeit nnd hat sich in ein Gemengsel von schalem Formalismus, von Paradejudentum, von seichten Predigten, schlechter Liturgie, von Chor und Orgel aufgelöst. Und wenn wir nach Hause kommen, sind die Orgeltöne verhallt, der gemischte Chor hat in uns keine religiöse Weihe hervorgerufen; die Liturgie ist eine schlecht gestimmte Leier und die Predigten haben wir vergessen, noch ehe wir das Gotteshaus verlassen. Keine aufrüttelnde Stimme, kein Herausreißen aus dem Alltagsleben, kein Sichemporschwiugen in die Region religiöser Ideen. So wächst unsere Jugend heran, blasiert und geistig verkümmert. So gestaltet sich denn unser Gemeindeleben: „Parnassim," Steuer erheben und ausgeben, büreaukratische Regelung der Gemeindeverwaltung — aber kein geistiges Leben, kein Judentum!" — An diesen Sätzen wäre vielleicht nur das eine auszusetzen, daß sie leider wahr sind. Unsere Kollegin in Amerika, die liebe „Deborah", ärgert sich jedoch über die