Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 24 (12.6.1896)
- Date
- 1896-06-12
- Page
- Seite 407 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 24. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 407. u Ächteten, unb ein Untern, Mtz, Tonner und zte die DungUchieir eines e Sitzung nicht vorgesehen g über die Errichtung von und Versöhnungsseste ein. erst in zwölfter Stunde rg gelangte, ging aus den rn Tr. Kichern, nicht recht e mit, daß die Kommission sdienst an den beiden Mute \t zweimal stattsinden zu , Stunde. Eine Agende Zustimmung reu einzelnen Teilen dem n, hielt der Herr Geheimrat rbeit schriftlich oder gedruckt gelangen muß, wie das in Körperschaften eine löbliche s Landes nicht der Brauch, rur damit mitzuteilen, daß an Stelle des TM' 71: Jom am Math ..... fei.* wrlesung ir den über- Er Man müsse doch zu dem gewählten Ausschuß Vertrauen haben, man möge doch die Probe mit dem Gegebenen machen, sollten wirklich Mängel vorhanden sein, so könnten dieselben später beseitigt werden. — Principiis obsta, Herr Justizrat, ist ein altes, wahres Wort. Und das Vertrauen darf niemals so weit gehen, daß man die Zumutung stellt, die Katze im Sacke zu kaufen. Herr Meyer benutzte alsdann wieder einmal die Gelegenheit, unfern Rabbinern mit aller wünschenswerten Deutlichkeit zu erklären, daß sie in Kultusangelegenheiten garnichts zu sagen, sondern höchstens zu begutachten hätten, denn die Stellung der Rabbiner sei bei uns eine andere wie bei anderen Konfessionen. Herr Meyer hat darin Recht, leider nur zu sehr Recht, denn so steht es im Statut der Gemeinde, und einem Bureaukraten Meyerscher Observanz, bei dem noch eine gehörige Portion Selbstbewußtsein und Herrschsucht hinzutritt, muß' eine solche Bestimmung ja so recht nach Geschmack sein. Daß aber unsere Herren Rabbiner die vielen Liebenswürdigkeiten, mit denen sie seit Jahren vom Vorstande traktiert worden sind, ruhig eingesteckt haben, das zeigt deutlich, daß schließlich jeder so behandelt wird, wie er es verdient. Endlich stellt Herr Meyer noch in Aussicht, das überhaupt nichts zustande kommen werde, wenn die Versammlung ihm nicht den Willen thue. — Eine sehr lange Diskussion wurde nunmehr entfesselt, die in ihrer» Verlaufe zu scharfen Zusammenstößen führte. Auch Herr Leonhard Sachs meinte, daß er für seine Person, ohne die Arbeit der Kommission eingehend geprüft zu haben, keine Verantwortung übernehmen könne und bittet gleichfalls um Zurückweisung in die Kommission. Herr Direktor Herrmann vom Vorstand meint, man solle doch nicht päpstlicher sein als der Papst; hätten die Herren Rabbiner an der Agende nichts auszusetzen gesunden, so könne man dieselbe ruhig annehmen. (Als ob unsere Herren Rabbiner bei dem sie auszeichnenden passiven Mute jemals etwas anderes gutzuheißen gewagt hätten, als was dem Vorstand in den Kram paßt!) Auch Herr Dr. Tiktin findet die Vorlage höchst mangelhaft und bittet um eine nochmalige Prüfung in der Kommission. Im übrigen gefiel sich der Herr Justizrat, wie schon so oft, in der Rolle eines freiwilligen Regierungskommissarius; er sprach zogar von einem Attentat auf die jüdische Freiheit durch Herr»: Professor Levin. Es sei gut, daß über Fragen des Kultus bei uns das Laientum zu entscheiden habe und nicht der Klerus, und ähnliche schöne Dinge aus dem liberalen Phrasenarsenal. Die Hierarchie, die Herrschaft des „Klerus" sind wir ja glücklich los, dafür haben wir die Herrschaft des Laientums, des Dünkels und der Herrschsucht eingetauscht. Im liberalen Jargon nennt man das Freiheit und hält es für ein gar köstlich Gut. Herr Fränkel stellt sodann den sehr berechtigten Antrag, die Agende drucken zu lassen und an die Mitglieder zu verteilen, erst dann könne mau eingehend prüfen und zu einem Resultate gelangen, Noch einmal begründet Herr Prof. Levin seinen Standpunkt. Der Standpunkt des Herrn Meyer sei der des Schmollwinkels, der Vorstand habe jedoch die Pflicht, der Majorität entgegenzukommen. Was hier zur Beschlußfassung vorliege, stelle wieder einmal den Versuch dar, das durch Ueberlieserung zum Heiligtum Erhobene abzuschaffen durch die Verwaltungsmaßregeln des grünen Tisches. In solchen Dingen dürfe das Laienelement sich keine Entscheidung anmaßen, und wenn das Rabbinat in dieser Frage sein Gutachten abgegeben habe, so sei ihm dieses Rabbinat nicht maßgebend genug, andere Rabbinate würden wahrscheinlich anders entscheiden. Die Vorlage sei eine Ueberrumpelung und dürfe nicht angenommen werden. Der Versammlung wurde bei diesen Worten sehr unbehaglich zu Mute; mehrere Male wurde der Redner durch Zwischenrufe unterbrochen; selbst den sonst so ruhigen Vorsitzenden verließ die Gelassenheit und in sichtlich ärgerlichem Tone rügte er den Ausdruck „Ueberrumpelung". Nunmehr kam wieder Herr Justizrat Meyer zum Worte, um in äußerst heftiger Weise, mit geballter Faust wiederholt aus den Tisch schlagend, gegen Herrn Levin zu polemisieren. Der Vorstand sei stets bestrebt gewesen, den Wünschen der Versammlung entgegenzukommen. — Nie und nimmer werde er aber den Wünschen jener Partei nachgeben, die einstürzen wolle, was seit dreißig Jahren geschaffen, nie und nimmer werde er von seinem Posten weichen, um dasjenige, was mühsam in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaut, stürzen zu sehen! — Na, dann nicht! lautete das Motto des verflossenen Ministers von Köller. Wer nicht gehen will, der wird eben gegangen, und es kommt auf die Probe an, wer es länger aushält, die Partei, die das stürzen will, was in ihren Augen nichts anderes ist, als eine dreißig Jahre alte Mißwirtschaft, oder Herr Justizrat Meyer, der sich anscheinend noch immer stark genug fühlt, den Kampf mit der neuen Aera auszunehmen! Nachdem Herr Meyer so das Seinige gethan, glaubte Herr Isaak, der bisher in den Sitzungen mit großem Geschick die Rolle der stummen Person gespielt hat, seinem Kollegen zu Hilfe kommen zu müssen, und da er keine Gründe hatte, so griff er zur Grobheit, nannte das Vorgehen des Herrn Levin ungehörig, meinte, Herr Justizrat Meyer wäre noch zu milde gewesen. Leider hatte die Versammlung und auch ihr Vorsitzender kein Verständnis für solche Offenherzigkeiten und der laut gewordene Unwille verschlang die weiteren Ausführungen des Herrn Isaak, sodaß er vorzeitig seine Rede abbrach und sich wieder der ihm so vorzüglich anstehenden Tugend der Schweigsamkeit widmete. Die Diskussion währte nun noch geraume Zeit; Herr Herrmann verlas schließlich die Agende für den Morgengottesdienst des Versöhnungstages und brachte dadurch einen Umschwung hervor in der Stimmung verschiedener Herren. Sämtliche Anträge aus Vertagung und Rückverweisung an den Ausschuß wurden abgelehnt, der Antrag der Kommission dagegen angenommen. Somit ist die Ueberrumpelung richtig gelungen, das Laientum hat wieder einmal obgesiegt über das Judentum und die Herren vom Zentralverein werden vielleicht Gelegenheit nehmen können, die Männer ihrer Wahl wenigstens nachträglich sich einmal anzusehen und für die Zukunft die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Die Versammlung erklärt sich alsdann einverstanden mit der vorläufig diätarischen Anstellung von zwei Beamten bei der Gemeinde-Hauptkasse, genehmigte die Rechnungsabschlüsse verschiedener Spezialverwaltungen und dann kam zum Schluß der Sitzung noch ein großer Krach. Die Versammlung hatte in der vorigen Sitzung bekannt-