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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-06-05 · 23 (5.6.1896) · p. Seite 401

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
23 (5.6.1896)
Date
1896-06-05
Page
Seite 401 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 28. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 401. Von vier Einbrüchen in Synagogen habe ich Ihnen vor 14 Tagen gemeldet; hente liegen zwei ähnliche Meldungen vor. Am 24. d. M. ist in Flatow und am 27. in Krojanke in der Synagoge ein Einbruch und eine Beraubung der Zroko-Büchse in der erstgenannten Stadt ausgeführt, in der letztgenannt n versucht worden. In Krojanke hatte man in Rücksicht auf die unheimlichen Gäste einen Tag vor dem Einbruch die Büchse geleert, so daß die Diebe mit leeren Händen abziehen mußten. Von den Thätern fehlt jede Spur. £ Kattowitz, 28. Mai. Vorgestern verschied hier die würdige Gattin unsres verehrten Rabbiners Dr. Cohn und hente wurde sie zu Grabe getragen. Waren schon die Beileidbezeugungen, welche aus Anlaß des Todesfalls ungemein zahlreich einliefen, ein ehrender Beweis dafür, daß der Verblichenen in den weitesten Kreisen und über die Grenzen unserer Heimat ein treues Andenken gesichert ist, so gestaltete sich die Beerdigung zu einer seltenen Kundgebung tiefsten Mitgefühls. Hunderte fanden sich ein, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Fast alle Rabbiner Oberschlesiens waren im Trauergefolge zu bemerken, auch Rabbiner Dr. Rosenthal aus Breslau hatte sich eingefnnden. Im Leichenzuge schritten außerdem noch n. a. die hiesige evangelische Geistlichkeit, Vertreter der katholischen Geistlichkeit, die Mehrzahl der Lehrer des Gymnasiums, der höheren Töchterschule, der Volksschulen. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Rosenthal-Breslau. * Gleiwitr, 2. Juni. Am 14. d. M. findet hier eine Versammlung des oberschlesischen Gemeindebundes statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Festsetzung des Etats des Waisenhauses in Rybnik, ein Antrag, bei prästationsfähigen Verbands-Gemeinden auf die Anstellung von Rabbinern einzuwirken, sowie ein Antrag, daß der Verband dem „Zentral- Verein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" als Mitglied beitrete. S* Labischin, 1. Juni. Ende Juli 1894 war das 5 Jahre alte Söhnchen des hier lebenden Ehepaars Kuniszewski verschwunden. Die Mutter lenkte den Verdacht ans „die Juden". Die Leiche fand man im Walde verscharrt. Das Ehepaar wurde verhaftet. Die Untersuchung ist seinerzeit von der Presse nicht beachtet worden. Es sei darum aus Grund zuverlässiger Erkundigungen das Resultat des Prozesses nachgeholt. In der Schwnrgerichtsverhandlung vom Oktober 1894 stellte es sich heraus, daß die Stiefmutter das Kind schrecklich mißhandelt und dann, wie auch die Sachverständigen erklärten, noch lebend in einer nahen Schonung vergraben hatte. Der Vater, der von der Arbeit heimkehrte, fragte nach seinem Kinde. Da erklärte die Frau, die Inden hätten es gestohlen. Tie Ehefrau gestand ihre Schuld ein und wurde zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt, der Ehemann wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. 8p. Hannover, 1. Juni. Am l. und 2. Pfingsttage tagte hier der Verein jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover in seiner 92. Jahresversammlung in Falks Hotel. Der Vorsitzende eröffnete die erste Hauptversammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Sr. Majestät den Kaiser, erstattete über das verflossene Vereinsjahr einen eingehenden Bericht und erteilte dem zweiten Vorsitzenden das Wort zu einem Bericht über den begründeten Verband jüdischer Lehrervereine im deutschen Reiche. Mit den Maßnahmen der Delegierten gab die Versammlung ihr Einverständnis zu erkennen und wählte den bisherigen Vorstand per Akklamation wieder. Herr Lehrer Wertheim-Münden i. H. sprach hieraus über das vom Verband gestellte Thema: „Auf welche Weise läßt sich am besten und schnellsten die Forderung in § 9 c der Satzungen des Verbandes betr. die lebenslängliche Anstellung sämtlicher jüdischer Lehrer, ihre Pensionierung und die Versorgung ihrer Hinterbliebenen ans gesetzlichem Wege erfüllen, resp. welche Grundlagen sind zur Herbeiführung dieser Forderung notwendig." Die aufgestellten Leitsätze wurden einer Kommission überwiesen. Abends 9 Uhr hatte die Lesebuchkommission eine Sitzung, in welcher die Vorschläge des Referenten, Spanier-Stolzenau, gutgeheißen wurden. — Der zweite Konferenztag begann mit einer Lehrprobe „Davids Edelmut gegen Saul", gehalten von Herrn Lehrer Bach- Hildesheim. Eine Besprechung derselben fand sofort statt. Rach dem Vereinslokale zurückgekehrt, bielt Herr Lehrer Lomnitz-Eldagsen einen Vortrag über das Thema: „Wie muß ein Lesebuch für jüdische Schulen beschaffen sein?" Hieran schloß sich der Bericht des Referenten Spanier-Stolzenau über die Thätigkeit der Lesebuchkommission. Die Versammlung erteilte der Kommission die Autorisation, das Lesebuch für Bürgerschulen vom Lehrervereine der Stadt Hannover in einerzweiteiligen Ausgabe für die jüdische Schule in konfessioneller Färbung fertig zu stellen und die behördliche Genehmigung zur Einführung nachzusuchen. Die freien Besprechungen als letzter Gegenstand der Tagesordnung hielten die zahlreich erschienenen Teilnehmer noch eine gute Weile beisammen und wurden Erfahrungen und Vorkommnisse aus dem Amts- und Privatleben der Kollegen in wechselseitigem Wetteifer miteinander ausgetauscht und besprochen. Im Anschlüsse an die Versammlung fand eine Sitzung der Unterstützungskasse für jüdische Lehrer, deren Witwen und Waisen in der Provinz Hannover statt. Schluß Abends 7 Uhr. $$ Bielefeld, 1. Juni. Am 14. d. M. findet der sechste ordentliche Gemeindetag des Gemeinde-Verbandes in Hagen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht über unsere Thätigkeit im fünften Geschäftsjahre. 2. Kassenbericht des Rendanten und Erteilung der Decharge. 3. Beschlußfassung über den seitens des Ausschusses vorgelegten revidierten Statutenentwurf für die zu gründende Beamtenpensionskasse des Verbandes. (Referent: Herr M. Liebenseld-Bochum.) 4. Vortrag über „Schule und Hans in ihrer Wechselbeziehung". (Dr. H. Vogelstein-Stettin.) 5. Antrag der Synagogen- Gemeinde Minden, die einheitliche Regelung des Beginns bez. Aufhörens der Kultussteuerpflicht für die zu- und abziehenden Gemeindemitglieder betreffend. (Rechtsanwalt Burgheim- Minden.) 6. Vortrag über den Verband und seine Gegner". (Dr. F. Coblenz-Bielefeld.) 7. Wahl des Ortes für den nächsten Verbandstag. 8. Wahl eines Delegierten zu dem am 21. Juni in Berlin stattsindenden siebenten ordentlichen Gemeindetag des D. I. G.-B. 9. Freie Besprechungen. Elberfeld, 1. Juni. Der Verein der Lehrer von Rheinland und Westfalen hielt am Nachmittag des ersten und am Vormittag des zweiten Pfingsttages hier im großen Saale der Gesellschaft „Parlament" seine 40. Jahreskonferenz ab, welche

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