Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 23 (5.6.1896)
- Date
- 1896-06-05
- Page
- Seite 399 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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9ir. 23. ^anu wieder, aller-?ern ber Makkabäer, der Ie9en der Juden" des fo- Jahrhunderte^ 'Km Aufslande gegen Rom 'rlninern der Juden" zum 'icher Historiographen und v;°sephus, und bis ins Geschichtsforscher oft zu Chronisten seine Zuflucht lssel der heidnischen Autoren wses Buch gebracht, dessen li>>ale sind, wahre Quellen politischen Geschichte ber Gesichtspunkt, den Reinach inleituug besonders hervorm Buche liegt nicht so sehr durch welche diese §ammen Geschichte hervorragen;enheil bietet, zu beachten, Griechen und Römer über m diese Meinungen hier hrhunderte »erfolgen. Wir hie abwechselte, und wie , Redensarten, wie sie heuten Ausdruck fand. Tiefe diese Beschuldigungen eines h heute ihr Echo in der i Leben erwachter Apion kleinen Journalen und die ,b Jahre in Umlauf gesetzt esetze gegen die Juden und Nr. 23. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 899. preist Moses und seine nächsten Nachfolger. Sogar Taeitus giebt in der Mitte seiner leidenschaftlichen Juvektive gegen bie Jnben zu: „Tie Juden ehren eine einzige Gottheit, unb zwar im Geiste, eine hocherhabene unb ewige, ber nichts gleicht unb bie niemals cnben wirb." Das sorgfältige Einbringen ber Philosophen in bie Eigenheiten ber hebräischen Religion, in ihre Opfer, Sabbate u. s. w., beweist, baß bie gegen srembe Gottheiten immer gastsreunblichen Griechen ein Sehnen fühlten, biesen neuen Gott ebenfalls ihrem Pantheon einzureihen. Als zur Zeit bes römischen Kaiserreiches mit bem Verlassen bes alten Glaubens alle möglichen Arten von Aberglauben eifrig angenommen würben, war eine Flut von Leuten zu sehen, welche sich wenigstens zu ben äußerlichen Gebräuchen bes Inbentums bekehrten; nub bie Anspielungen bes Horaz, Tibul, Ovid, Persins, Seneea unb Invenal — sarkastisch unb höhnisch wie sie sinb - zeigen auch ohne bie Verfolgungen unter Domitian, wie weit sich bie jübische religiöse Bewegung in Rom verbreitet hatte. (Schluß folgt.)!>kt Sdiiititmlintcit. Von R. E. Sch. (Fortsetzung.) Eine Strlnbe später befauben sich ber Parneß unb ber Schatzmeister bei bem Grasen, ber ihnen in gebrängter Kürze anseinailbersetzte, um was es sich hanbelte unb ben Wunsch äußerte, ba seine Abreise spätestens am nächsten Morgen erfolgen sollte, mit ber Gemeinbe heute noch bas Geschäft zu eitlem Abschltlsse zu bringen. „Euere Abgabe," fügte ber Gras hinzu, „beträgt jährlich 100 Dukaten, zahlt mir heute noch bas Schtchgelb für bie nächsten fünf Jahre im voraus unb ich will Euch 100 Dukaten erlassen unb mich mit 400 für abgefunben erklären. Sobald wieber georbuete Zustände im Lanbe eingetreten sein werben, will ich mit Euch auch ber Ablöstlng bes Schutzbukateus wegen unterhanbeln unb biese Angelegenheit zu Eurer Zusriebeuheit orbuen." „Guäbigster Herr," erwiberte ber Parneß, mit seinem Freuube Cohn ein Blick bes Verstäubnisses wechselttb, „in unserer Gemeinbekasse befinbet sich eine solche große Summe nicht, auch hat ber Vorstaub kein Recht, über Gemeinde-Gelder bis zu solch einer Höhe eigenmächtig zu verfügen. Wir müssen beshalb bie Ansicht sämtlicher Gemeinbemitglieber hören, was aber erst am irächsten Samstag geschehen kann, ba fast alle unsere Glaubensgenossen ihre Geschäfte außerhalb ber Stadt betreiben unb selten vor Freitag Nachmittag zurückkehreu. Doch um Ihnen zu zeigen, baß wir Iuben treue Uuterthanen siub, wollen wir, Cohn unb ich, ben gesorberten Betrag einstweilen zahlen, wir glauben, daß bie Gemeinbe unsre Handlungsweise billigen unb bas Gelb uns zurückerstatteir wirb. Wir können boch ben Herrn Grafen nicht in Verlegenheit lassen, haben tvir ben gnäbigeu Herrn boch schon gekannt, als Sie noch als Kiub mit Ihrem Hofmeister zum Koluibre, bas ist in ber langen 'Nacht, zu uns in bie „Schul" kamen. Sie haben sich bamals vor unseren weißen Kitteln unb Betmänteln gefürchtet unb haben geweint unb wollten nicht bei uns bleiben, wie sehr auch der Herr Hofmeister Ihnen znrebete." Ihr habt ein gutes Gebächnis, Vorsteher," sagte ber Graf zu einem Lächeln sich zwingenb, „ich selbst kann mich bes Vorfalles gar nicht mehr erinnern. Nehmt iubes, Ihr Männer, meinen Dank für Euer freunbliches Anerbieten, bas ich gern annehme, eine spätere Zeit wirb Euch bie Beweise bringen, daß Gras M. reicht unbankbar ist unb Eueren Ebelsinu nicht so leicht vergessen wirb wie ben Vorfall in ber Synagoge, ben Ihr vorhin erwähntet. Doch beeilt Euch, holet das Geld, mein Rentmeister ivird Erich eine Quittung darüber geben, in besseren Zeiteir sehen wir uns hoffentlich wieder." Ein lautes Pochen au der Thür unterbrach den Grasen. Ein Reitknecht trat hastig in das Zimmer des Gutsherrn, einen Brief überreichend, den dieser nicht ohne Beben öffnete. „Schlimme Nachrichten, Ihr Männer," sagte der Graf, nachbem er den Brief gelesen. „Man schreibt mir soeben, daß die Franzosen Steinau besetzt haben und spätestens morgen Hiersein werden. Ich uruß schleunigst fort, noch ist der Weg über Neustadt offen und die österreichische Grenze ist ja nicht fern. In spätestens zwei Stunden gedenke ich abzureisen, könnt Ihr mir das Geld in einer Stunde herbeischaffen?" „Ganz gewiß, Herr Graf," erwiderte der Gemeindevorsteher, „wohl noch früher, aber wenn die Franzosen Steinau besetzt haben, dann ist auch Neustadt in ihren Händen und urrmöglich wäre es die österreichische Grenze zu erreichen." Da ertönte lautes Getümmel von der Straße herauf. Laubleute mit ihren Frauen und Kindern, ihre Habseligkeiten mit sich führend, strömten ins Städtchen, dessen enge Gassen die Meuschenflut kaum fassen konnte. Die Franzosen kommen - die Franzosen kommen, heulten die Flüchtlinge, ivohin retten wir uns, ivo ist der Amtmann, kairn der uns nicht schützen? Bleich und lautlos stand Gras M. am Fenster und blickte auf die Menge herab, die immer nrehr auschwoll und nach dem ziemlich geräumigen Marktplatze sich drängte. Voll Unruhe und Besorgnis um das eigene Heim blickten die beiden Jrrdeu einander au, unschlüssig, was sie jetzt beginnen sollten. Der Eintritt des alten Rentmeisters unterbrach die peinliche Stille, die in dem Gemache herrschte. „Der Gensbarm Melchers berichtet soeben," meldete Manberle, „daß bie Franzosen in Neustadt und Glogau eingerückt siird urrd zahlreiche Kavallerie bis nach Lauban vorgeschoben haben, in einigen Strmbeu körmteir sie hier sein, meinte er. Sie sollten air ihre Sicherheit beukeri, Herr Graf, denn hier im Schlosse können Sie unter keinen Umständen bleiben, da fielen sie ben Welschen sofort in die Hände." „Weiß rvohl, alter Freund," erwiderte der Graf, „döch wohin mich wenden, mir ist jeder Ausweg, jede Rettung abgeschnitten und ich muß schon geschehen lassen, was ich nicht ändern kann." „Mit uichten, Herr Graf," ließ sich jetzt Reb Chaim Cohn vernehmen, „die Franzosen sollen Sie nicht fangen wie eine Maus in der Falle, wenn Sie sich uns Juden anvertrauen. In nuferem Hekdesch können wir Sie wochenlang verbergen, und wenn die Nächte recht finster sein werden, können wir Sie trotz aller Franzosen nach Oesterreich hinüberschaffen. Wir kennen hier Weg und Steg, die sogenannte „Weinstraße", wo der Wein ohne Zoll aus Oesterreich zrr uns kommt, die soll der Franzmann so leicht nicht finden." U