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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-05-29 · 22 (29.5.1896) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
22 (29.5.1896)
Date
1896-05-29
Page
Seite 387 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 22. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 387. klassenweise eingehen zu lassen. Der Schulrat der Anstalt, deren fernere Existenz schon einmal, vor etwa Jahresfrist, in Frage gestellt war, widerspricht der Auffassung des Gemeindevorstandes, als sei die Schule zu kostspielig (der Aufwand beträgt etwa 60—70,000 Mark jährlich) und infolge der veränderten Zeitläufte keine Notwendigkeit mehr. Er ist, der Frks. Ztg: zufolge, entschlossen, alle erforderlichen Schritte zu Gunsten des Fortbestandes des „Philantropins" zu unternehmen und wird gebotenenfalls die Intervention der Regierung anrufen. O Wien, 22. Mai. Bei der heute vollzogenen Vize- Bürgermeisterwahl wurde zum ersten Vizebürgermeister Lueger, zum zweiten der deutschnationale Advokat Neumaier gewählt. Während Lueger in ziemlich farbloser Rede die Wahl anznnehmen erklärte, sprach Neumaier scharf antisemitisch. X Pest, 24. Mai. Tie hiesige Landes-Rabbinerschule gab aus Anlaß der Milleniumsfeierlichkeiten die Geschichte der Anstalt heraus. Wie wir derselben entnehmen, haben von 56 Zöglingen, welche die Anstalt verließen, seit 1—2 Jahren 12 keine Rabbinerstellen erlangt und sind gezwungen, eine andere Laufbahn zu betreten; sechs wirken an verschiedenen Anstalten als Lehrer. — Im Verlaufe des Jahres magyarisierten ihre Namen 620 Israeliten, d. i. 61,82 pCt. der gesamten Magyarisierungen. — Die orthodoxe Gemeinde in Großwardein hat die Errichtung einer Lehrerbildungsanstalt beschlossen. Bern, 27. Mai. Eine Depesche meldet, die Regierung von Baselland habe den Beschluß der Gemeinde Bottmigen nicht bestätigt, nach welchem der israelitischen Gemeinde die Anlage eines Friedhofes int Banne von Bottmigen gestattet wnrde. Man sollte meinen, es gehörte zur Autonomie einer Gemeinde, über die Anlegung von Friedhöfen zu disponieren, indessen ist in der Beziehung das jeweilige kantonale Staatsrecht maßgebend. Die Gründe, welche die Regierung von Baselland'bewogen, dem Beschluß der Gemeinde Bottmigen die Bestätigung zu versagen, wurden in jener Depesche nicht angegeben. Waren es sanitäre oder konfessionelle Gründe? In letzterer Hinsicht ist zu betonen, daß Art. 53 der Bnndesverfasstmg die Anlegung konfessionell getrennter Kirchhöfe nicht verbietet. Der Bundesrat erklärte es als gesetzlich zulässig, daß einzelne Religionsgenossenschaften, wie z. B. die Inden, wo sie zahlreich vertreten sind, eigene Kirchhöfe entlegen, oder daß in einer paritätischen Gemeinde mit einem einzigen Kirchhofe die eine Hälfte von dieser, die andere von jener Konfession benutzt wird. 7.. Paris, 24. Mai. Ein hervorragender französischer Jude starb dieser Tage in der Person von General Lambert, Divisions-General der Reserve und Großosfizier der Ehrenlegion. Lambert wnrde 1825 in Nancy geboren. Als Oberstlieutenant wurde er vom Präsidenten Thiers zum Kommandanten des Elyseepalastes ernannt. Später erfolgte feine Ernennung zum Obersten der republikanischen Garde und zum Generalinspektor der Gendarmerie. Tie höchste Stellung, die General Lambert erreichte, war die des Höchstkommandierenden des französischen Occupationsheeres in Tunis. X London, 20. Mai. Nach dem Tode des Baron Hirsch wurde in interessierten Kreisen die Frage aufgeworfen, wer jetzt der faktische Besitzer der Aktien der jüdischen Kolonisationsgesellschaft werden wird? Baron Hirsch besaß, nach einem hiesigen Blatte, von den 20,000 emittierten Aktien 10,800. Im Jahre 1895 übergab Hirsch je 3600 Aktien der Pariser Alliance Israelite universelle und der Anglo-Jewish Association. Die Alliance übergab später ihre Aktien der Londoner Gesellschaft. Hirsch schenkte der letzteren Gesellschaft 1990 Aktien. Dieser Art besitzt die Anglo-Jewish Association 7595 Aktien. Der Präsident der Association, Claude Montestore, ist der Kurator des Aktienkapitals im Werte von 759,500 Pfd. Sterl. und ist also jetzt der faktisch einflußreichste Aktienbesitzer. X London, 20. Mai. Die Einführung eines gemischten Chors in der East London Synagogue hatte zur Folge, daß eine größere Anzahl von Mitgliedern ausgeschieden ist und eine besondere Vereinigung mit gesondertem Gottesdienst gebildet hat. * Ans den Gemeinden. Rabb. Dr. Blumenthal in Frankfurt ist einstimmig zum Rabbiner in Danzig gewählt. — Herr Lehrer Eschwege in Karbach ist nach 31 jähriger erfolgreicher Wirksamkeit, 77 Jahre alt, gestorben. — Vakanzen. Büdingen (Oberhessen). Sof. sem. geb. Rl. K. Sch. auch Pred. Fix. 1000, Nbk. ca. 600 Mk. u. fr. Wohn. Meld. an G. Gump. — Schwetz (Weichsel). Zum 1. 9. II. L. K. Sch. Kore Tok. Fix. 2000 Mark u. Nbk. — Kattowitz. Vor den mus. geb. Ob. K. Fix. 3000 Mk. Aus dem Leserkreise. Sehr geehrter Herr Redakteur! Die Entgegnung des Herrn Traubenberg giebt mir Veranlassung, Sie zu ersuchen, mir noch einmal einigen Ratlm in Ihrer geschätzten Zeitung zur Verfügung zu stellen. Mit meinen Zeilen in Nummer 19 bezweckte ich, zwei unrichtige Behauptungen, die Herr Traubenberg über das Buch des Herrn Dr. Feilchenfeld in seinem Referat ausgesprochen hat, zu widerlegen. Herr Tr. thut mm in seiner Entgegnung so, als ob ich meine Zeilen nur aus Dienstbeflissenheit geschrieben hätte. Wenn dies der Fall wäre, würde ich mich dieser Dienstbeflissenheit nicht zu schämen brauchen; sie galt dann eben meinem Lehrer, dessen Buch von einem Herrn angegriffen wurde, der dasselbe scheinbar nicht kennt. Es war aber einzig und allein Interesse für die Sache, die mich bewog, diese Zeilen zu schreiben. In seiner Entgegnung nun sagt Herr Traubenberg, daß er den materiellen Inhalt des Buches garnicht angegriffen habe, während er in seinem Vortrage sagt, daß das, was Herr Dr. Feilchenfeld in seinem Buche giebt, „gar zu dürftig" ist. Diese Logik wird hier zu Lande nicht verstanden, aber Herr Traubenberg — der ja gewiß wieder die ganze Welt auf seiner Seite hat — wird sie hoffentlich verstehen. Ferner schreibt Herr Tr. in seiner Entgegnung, „er und die ganze Welt waren bisher der naiven Anffaffung „Schule" heiße in Gegenüberstellung zu „Haus" „Schüler" und „für Schule und Haus" bedeute ganz schlicht für „Eltern und Schüler", nur 1561

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