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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-05-22 · 21 (22.5.1896) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
21 (22.5.1896)
Date
1896-05-22
Page
Seite 364 (sequence 8)
Language
German
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Seite 364. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 21. nicht speziell auf die in Hagen beziehe, und diese nicht zur Stellung des Strafantrages legitimiert seien. Das Oberlandesgericht ordnete hierauf die Strafverfolgung an. In der Verhandlung vor der Strafkammer wurde nunmehr die Stellung des Strafantrages für berechtigt erachtet, und es erfolgte die Verurteilung der Angeklagten zu je 50 Mark Geldstrafe. — Ahlwardt — wir beschäftigen uns nicht gern mit ihm, weil unsre Setzer erklären, sie müßten stets die Bleitypen, aus denen sein Name gesetzt ist, besonders reinigen, und das macht immerhin Umstände — Ahlwardt hat einen Vortrag, den er in New Jork gehalten, in Broschürenform erscheinen lassen und die Unverfrorenheit besessen, das Heft auch deutschen Blättern zuzustellen. Was der Abgeordnete von Arnswalde- Friedeberg hier an Verdrehungen und Lügen leistet, überschreitet alles bisher Dagewesene. Einige Proben mögen genügen. Gleich im ersten Satze erklärt er, um der Frage vorzubeugen, weshalb er als deutscher Reichstagsabgeordneter nicht mehr an den Verhandlungen des Reichstages teilnehme, es sei ihm dies unmöglich gemacht worden, weil die Parteien sich aus Furcht vor seinen Enthüllungen dahin geeinigt hätten, ihn nicht zu Worte kommen zu lassen. Auch seine bisherigen Parteifreunde, Werner, Zimmermann und Konsorten, seien von den Juden „gekauft" uud nur noch zum Schein Antisemiten. Daß die Juden „Kulturwanzen" sind, daß sie den Kulturkampf herbeigeführt haben, damit sich Katholiken und Protestanten gegenseitig zerfleischen, daß Goethe uns in seinem Mephisto den modernen Reformjuden darstelle, elegant, sein gebildet, unterhaltend und doch weit gefährlicher als der Teufel, — das ist eine kleine Auswahl aus den Behauptungen, die der große Volksmann in Amerika zu kolportieren bestrebt ist, mit denen er hausieren geht und Geschäfte machen will. — Und nun wolle der Setzer freundlichste die Bleitypen gehörig desinfizieren. — „Antisemiten-Kravatten" hat eine hiesige Kravattenfabrik in den Handel gebracht. Sie sind, nach dem Berichte eines Antisemitenblattes, „aus Stroh hergestellt und infolgedessen nicht nur ungemein dauerhaft, sondern auch leicht mit Wasser und Bürste zu reinigen. Ihre Ausführung ist modern und geschmackvoll." — Die Wahl von Stroh als Herstellungsstoff für Antisemiten-Kravatten ist unzweifelhaft als eine glückliche zu bezeichnen, dadurch wird zwischen Hals und Hirn der Träger ein gewisser Kontakt hergestellt. — Schließung des Rabbinerseminars in Ramsgate. Großes Aufsehen und aufrichtiges Bedauern erregt in London die Nachricht, daß das Rabbinerseminar in Ramsgate am 11. Juni geschlossen wird und daß an diesem Tage sowohl der Direktor Dr. M. Gaster, als auch die anderen Lehrkräfte ihre Entlassung erhalten. Das Kuratorium hat sich nur schwer und nach langen Untersuchungen zu diesem traurigen Schritte entschlossen, dem folgende Ereignisse vorangegangen sind: Im November 1895 hatte Dr. M. Gaster den beiden Seminaristen Dr. Barnstein und Dr. Greenburg das Rabbinerdiplom verliehen. Ein Herr Schewzik, Mitglied des Lehrkörpers am Montefiore-College in Ramsgate, machte hierauf dem Kuratorium die Anzeige, daß die genannten Seminaristen weder das nötige Wissen, noch auch die moralische Eignung hätten, um ein Rabbinerdiplom zu erhalten. Das Kuratorium aber erklärte sein unbedingtes Vertrauen zu Dr. Gaster und lehnte es ab, sich mit den von Schewzik erhobenen Anklagen zu befassen. Hierauf wurde Schewzik von Dr. Gaster seines Lehramtes entsetzt. Schewzik trat nun abermals an das Kuratorium heran, erbrachte Beweise für seine Behauptungen, so daß eine strenge Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet wurde. Das Ergebnis dieser langwierigen Untersuchung ist nun — die Schließung des Seminars. — „Ohne Unterschied der Konfession" Stiftungen zu errichten, um gelegentlich im Rahmen dieser Stiftungen Zurücksetzung zu erfahren, das wollen sich unsre Glaubensgenossen in Rußland nicht mehr gefallen lassen. Herr Lazar Brodski in Kiew hatte der dortigen Munizipalität 120 000 Rubel zur Verfügung gestellt, um eine Gewerbebank zu gründen; diese humane Idee ist aber nicht zur Ausführung gekommen, da der Generalgouverneur von Kiew, Gras Jgnatjew, — ein Bruder des „Vaters der Lüge", — in dem Statut der zu kreierenden Bank einige antisemitische Klauseln angebracht hatte, mit denen sich der jüdische Stifter nicht einverstanden erklären konnte. Derselbe richtete nun an die Munizipalität eine Eingabe, in der er sagt: „Da zu meinem größten Leidwesen meine Erwartungen sich nicht erfüllten, und die von mir verlangten Abänderungen des Statuts nicht genehmigt werden möchten, so ziehe ich mein Anerbieten zurück und werde auf die Annahme meiner Schenkung nicht mehr bestehen. Ich werde die von mir bestimmte Summe zur Gründung einer Gewerbebank bis zu dem Zeitpunkt verschieben, in welchem der Plan einer solchen Kreditanstalt in Kiew ohne Rücksicht aus Nationalität und Konfession sich wird verwirklichen lassen können." — Unsere Glaubensgenossen in den sogenannten Kulturstaaten könnten von diesem „Halbasiaten" etwas lernen. — Der verstorbene Schah und die Juden. In Persien sind von altersher die Judenverfolgungen an der Tagesordnung gewesen, und es wird niemand behaupten, daß der verstorbene Schah viel dazu beigetragen hat, die Lage seiner jüdischen Unterthanen bedeutend zu verbessern, aber er that sein bestes, sie zu beschützen. Freilich das ist nicht immer der Fall gewesen. Vor fast 40 Jahren hatte er Befehl gegeben, die Juden in Hamadan zu massakrieren. Der glücklichen Intervention einiger mächtigen Persönlichkeiten seiner Umgebung gelang es zwar, zu bewirken, daß dem Befehl nicht Folge geleistet wurde, doch wurden die armen Juden eingesperrt, mit Ketten beladen und fürchterlichen Torturen unterworfen. Nach wenigen Jahren aber schon änderte sich diese feindselige Gesinnung des Schah, und zwar war dies hauptsächlich dem segensreichen Wirken Moses Monteflores zu verdanken, der damals eine Bittschrift an den mächtigen Beherrscher des Perserreiches richtete. Schon im Januar 1866 empfing Sir Moses eine offizielle Verständigung von dem damaligen Minister des Aeußern, daß der Schah strenge anbefohlen habe, die Juden milde zu behandeln. Es ist unmöglich, hier die einzelnen Fälle auszuzählen, es genüge, mitzuteilen, das der Schah sein Wort hielt und jedesmal, wenn eine Judenverfolgung vorkam, strenges Gericht hielt über die Missethäter. Als der Schah im Jahre 1889 in London weilte, machte ihm eine Deputation der Anglo-Jewish- Association ihre Aufwartung und lenkte seine Aufmerksamkeit auf den Umstand, daß trotz seiner gegenteiligen Befehle in einigen entfernten Teilen des persischen Reiches die Juden

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