Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 19 (8.5.1896)
- Date
- 1896-05-08
- Page
- Seite 337 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 19. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 337. Charaktereigenschaften mit scharfsinniger Verstandesthätigkeit. Ans seiner Gelehrsamkeit machte er nicht einen Spaten, um mit ihm „zu graben"; er blieb Privatmann. In seiner Vaterstadt Rogasen entfaltete er als langjähriger Vorsteher der israelitischen Gemeinde eine segensreiche Thätigkeit. Er erreichte das fast patriarchalische Alter von 90 Jahren. -ir Lüben, 1. Mai. Tie bisher Hierselbst bestandene jüdische Filialgemeinde, zur Synagogengemeinde Liegnitz gehörig, hat sich, weil nicht mehr leistungsfähig, als solche aufgelöst, und die hier noch wohnenden jüdischen Familien werden als nach Liegnitz gehörig betrachtet. Das hiesige Bethaus sowie der Friedhof verbleiben jedoch nach wie vor Eigentum der hiesigen Mitglieder und werden von denselben weiter unterhalten. $$ Köln, 4. Mai. Einen Gedenktag eigener Art konnten wir am 28. vor. M. begehen. An diesem Tage waren 98 Jahre verflossen, seitdem Köln den Juden nach deren Verbannung im Jahre 1424 wieder seine Thore öffnete. Der erste unserer Glaubensgenossen, der hierherzog, war Josef, Sohn des Isaak Stern aus Mülheim am Rhein und Familie. In den nächsten drei Jahren folgten ihnen weitere 17 Familien, welche am 20. Venclerni3ii-e X (1801) sich zu einer Gemeinde vereinigten. Im Jahre 1815 wohnten hier 30 jüdische Familien, am 18. Mai 1843 zählte die Gemeinde 46 Familienhäupter, 1881 bei der Volkszählung 4370 Seelen und jetzt 7950. Die Protestanten in Köln, welche ebenfalls im 17. und 18. Jahrhundert wiederholt aus der Stadt vertrieben wurden und zu der gleichen Zeit mit den Juden 1798 wieder einziehen durften, zählen jetzt 52321 Seelen. £ Frankfurt a. M., 3. Mai. Eine treffliche Illustration findet die in der vor. Nr. dieses Blattes enthaltene Meinungsäußerung eines hiesigen Herrn über unsere „Litteratur"-Vereine in der Thatsache, daß der hiesige Verein in letzter Zeit 13 Mitglieder verloren hat. Das haben die Redner mit ihren Vorträgchen gethan. O Soest, 4. Mai. Der vor einigen Wochen in Münster verstorbene frühere Lehrer und Kultusbeamte, Herr N. Meisler, welcher bis zu seiner Pensionierung 28 Jahre hier amtierte, hat die hiesige Synagogengemeinde zur Uuiversalerbin seines Vermögens eingesetzt, mit der Bestimmung, daß die Hinterlassenschaft zu wohlthätigen Zwecken, speziell für hiesige verschämte und unbescholtene Arme, verwandt werde. rr Essen, 3. Mai. Schon seit langem wurde es itt hiesiger Gemeinde als ein dringendes Bedürfnis empfunden, auf dem Friedhose eine Leichenhalle zu besitzen, worin das Trauergefolge bei einer Beerdigung vor den Unbilden des Wetters Schutz finden könnte. Diesem Nebelstande ist nun abgeholseu. Die Gemeindevertretung hat mit nicht unerheblichen Kosten eine Halle errichten lassen, die nicht nur einem größeren Trauergefolge Schutz gewährt, sondern auch für etwa eiutretenbc Epidemien einen für solche Zeiten notwendigen Leichenkeller besitzt. Die feierliche Einsegnung dieser im maurischen Stile erbauten Halle ist heute vormittag 10 Uhr erfolgt. X Mühlhausen (Elsaß), 1. Mai. „Talmudische Gedanken über Erziehungslehre", das war das Thema, über welches Kirchenrat Dr. Kroner aus Stuttgart vor einem großen Publikum hier sprach. Bücher über Geschichte der Pädagogik, so führte Redner aus, sagen bisher so gut wie nichts über die alte talmudische Erziehungslehre, und doch ist diese der Beachtung in hohem Grade wert. Jedem Vater liegt die Pflicht ob, seine Kinder zu unterrichten; wer dieser Pflicht nicht selbst genügen kann, hat einen Lehrer anzunehmen. Erziehung und Unterricht sind geadelt dadurch, daß Gott sie an den Menschen ausübt. Die Schule gilt als die vornehmste und festeste Grundsäule der Gesellschaft und des Staatslebens. Eine Gemeinde ohne geordnete Schule ist wert, vom Erdboden zu verschwinden. Der Jugendunterricht muß ein allgemeiner sein und darf nicht auf einzelne Kreise und Stände beschränkt werden. Von dem Lehrer wird Freundlichkeit und Geduld, Gründlichkeit und Pünktlichkeit, tüchtiges Wissen und sorgfältige Vorbereitung verlangt. Großes Gewicht wird auf seinen sittlichen Lebenswandel gelegt, denn er soll den Schülern in seiner Person ein Vorbild sein. Der Schüler schuldet ihm aber auch unbegrenzte Ehrfurcht. Größte Hochachtung genießt der Stand des Volksschullehrers. Der Unterrichtsplan ist keineswegs einseitig: er umfaßt alles, was in jenen Zeiten für das Leben erforderlich ist. Auch ein Handwerk muß jeder Vater seinen Sohn erlernen lassen, damit dieser auf ehrenhafte Weise sein Fortkommen finde; auch schwimmen muß er ihn lernen lassen, um den Körper abzuhärten und in Gefahr sich retten zu können. Der Religionsunterricht ist so gestaltet, daß der Schüler nicht nur religiöse Bräuche üben, sondern vor allem ihren Sinn und ihre Entstehung begreifen lernt. S* Hamburg, 3. Mai. Dem soeben erschienenen Bericht der Verwaltung des israelitischen Krankenhauses über das Jahr 1895 entnehmen wir folgende Daten: Die Zahl der Kranken betrug 1104 mit 27565 Verpflegungstagen. In der Poliklinik war die Zahl der Besucher 8075. Von den in der Anstalt verpflegten Kranken waren 24 pCt. Juden, 76 pCt. Nichtjuden. Die Gesamtausgaben betrugen 86 033 Mk. 99 Pf., Die Einnahmen an Kostgeld 52 899 Mk. 48 Pf. Die Kosten pro Kopf und Tag für Kranke und Angestellte, die im Hause mit verpflegt wurden, beliefen sich auf 2 Mk. 33 Ps. Die Kosten der Aufnahme im Krankenhause betragen pro Tag: in der ersten Klasse 10 Mk., in der zweiten Klaffe 5 Mk., in der dritten Klaffe 2 Mk. Falls ein Extra-Wärter von Patienten verlangt wird, ist dafür besonders zu zahlen, im übrigen sind in den vorgenannten Tagessätzen sämtliche Kosten inbegriffen. X Hamburg, 3. Mai. Der Frauen - Verein hat seinen Jahresbericht pro 1895 erstattet, lieber die Thätigkeit der einzelnen Abteilungen entnehmen wir ihm das folgende: Am 28. März wurde ein Konzert veranstaltet, dessen Reingewinn 1546 Mark 55 Pf. war. An Subventionen für Schriftsteller und Künstler und Stipendien für junge Talente wurden 850 Mk. verwendet. An allgemeinen Unterstützungen wurden 1063 Mk. 80 Pf. verausgabt. Die Abteilung für Krankenpflege veraus gabte 204 Mk. für Kranke und Rekonvaleszenten und 170 Mk. als Zuschuß für die Stationierung einer Schwester. Die Abteilung für Kinderbeschenkung und Ferienkolonien hat dem Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder 715 Mk. für die Ferien-Kolonien zur Verfügung gestellt. An Mitgliedsbeiträgcu wurden 1141 Mk. und an Geschenken