Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 19 (8.5.1896)
- Date
- 1896-05-08
- Page
- Seite 336 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 336. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 19. Altersversorgungsanstalt, dem des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde und vieler anderer Wohlthätigkeitseinrichtungen an. * Berlin, 3. Mai. Die Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden hielt heute in der Aula der jüdischen Gemeindeknabenschnle, Große Hamburgerstr. 27, ihre Generalversammlung ab. Dem Jahresberichte M zu entnehmen, daß die Zahl der der Obhut der Gesellschaft unterstellten Lehrlinge sich 1895, wie im Vorjahre, auf 85 belief, die den verschiedensten Handwerken angehören. Der Vorstand hat beschlossen, dem „Lehrlingsheim Pankow", welches bestimmt ist, bedürftigen und würdigen Handwerkslehrlingen Unterhalt zu bieten, auf drei Jahre eine Subvention von je 3000 Mark zu gewähren. Mit der Generalversammlung ist eine Ausstellung von Lehrlingsarbeiten verbunden. F. Berlin, 5. Mai. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 2. d. M. eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Der Vorsitzende referierte über seine Verhandlungen mit Herrn Koll. Cohn-Küstrin betreffs der konstituierenden Versammlung des Provinzialvereins, die am Pfingstmontag vorm. 11 Uhr im Münchener Hof stattfinden solle und machte darauf aufmerksam, daß es unabweisbare Pflicht jedes Mitgliedes sei, in dieser Versammlung zu erscheinen. In bezug aus die Wahl des Vorstandes des Provinzialvereins wurde beschlossen, eine Kommision von fünf Mitgliedern zu wählen, welche die Kandidatenliste aufzustellen habe. — Eine Anfrage des Vorstandes, wie sich die Vereinigung zu dem Plane eines Sommeraussluges stelle, soll in der Junisitzung besprochen werden. — Die für den Monat Juni in Aussicht genommene wissenschaftliche Sitzung wurde bis zum September vertagt, damit nicht durch das Eintreten der großen Ferien eine eingehende Diskussion vereitelt werde. — Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete der Antrag Sachs auf Gründung einer Darlehnskasse. Nach lebhafter Erörterung wurde ein Antrag Blaschke angenommen: Die „Wissensch. Vereinigung" beschließt die Gründung einer Darlehnskasse und beauftragt eine Kommission von 3 Mitgliedern mit den nötigen Vorarbeiten. Damit war die Tagesordnung erledigt, und es folgte ein gemütliches Beisammensein. h. Luckenwalde, 3. Mai. An der hiesigen höheren Töchterschule ist der jüdische Religionsunterricht obligatorisch geworden. Jetzt wird mit der zuständigen Regierungsbehörde wegen Einführung obligatorischen Religionsunterricht auch am hiesigen Realgymnasium verhandelt. S* Königsberg i. Pr., 1. Mai. In der Diskussion über den Wert der Litteraturvereine an sich und über die Form, die einige Berliner Macher ihnen gegeben, ist unser Verein gegen seinen Willen in den Vordergrund gedrängt worden. Der Griff des Kritikers war nicht glücklich, denn gerade unser Verein zählt zu deu wenigen größeren, die sich von den Berliner Litteratur-Reisenden fern zu halten wußten. Wir bestreiten die geistigen Kosten unserer Vortragsabende aus eigenen Mitteln, höchstens laden wir hin und wieder eine bekannte Persönlichkeit aus unserer östlichen Provinz zur Abhaltung eines Vortrages ein. Am häufigsten ist Herr Dr. Rulf aus Memel unser Gast, weil er hier einen großen Kreis von Freunden und Verehrern zählt. In seinem letzten hier gehaltenen Vortrage beschäftigte der gelehrte Redner sich mit dem „philosophischen Einheitsgedanken im Judentum." Der Redner entwickelte im ersten Teile seines Vortrags, an die Lehren der Philosophen Parmenides und Spinoza anknüpfend, die Idee der Einheit im Weltall. Die Kraft, deren naturhistorische Erklärung als Ursache der Bewegung nicht ausreichend sei, erfülle und durchdringe dasselbe vollkommen und bis über alle Grenzen hinaus; sie wirke als Allkraft oder Allwirksamkeit an jedem einzigen Punkte desselben; das Stoffatom sei von dem Krastatom nicht wesentlich verschieden, da es zur Ruhe gekommene Kraft (potentielle Energie) sei, wobei an Rettenbachers Dynamiden erinnert wurde. So lasse sich das Weltall, durch die Wirkung von Kraft allein entstanden, ausfassen. Seine Unvergänglichkeit werde durch das Gesetz von der Erhaltung der Kraft (Mayer, Helmholtz) gelehrt, während die Unvertilgbarkeit des Stoffes schon längst bekannt sei. Nachdem der Redner alsdann dargestellt hatte, wie die Auffassung vom Sein sich in einigen Religionen, besonders im Buddhismus, wiederspiegele, ging er zum zweiten Teile seines Vortrags über. In demselben wurde dargethan, in welcher Art der philosophische Einheitsgedanke in den Schriften, welche die Lehre des Judentums enthalten, hauptsächlich in den Büchern des Alten Testaments zum Ausdruck gekommen sei, und wie nach denselben die Einheit von Kraft und Stoff, Seele und Körper, Gott und Welt zu verstehen sei. Dabei wurde einerseits auf die verschiedenen Lebensäußerungen der Seele, die durch deren Bezeichnung als Nephesch, Neschamah, Ruach charakterisiert seien, hingewiesen und andererseits besonders die Reinheit des Gottesbegriffes betont, welcher in seinem Namen als des ewig Seienden (Ejeh ascher ejeh) und dem Schriftwort: „Höre Israel, der Ewige, unser Gotl, ist das allein ewige Wesen", sich bekundet. Zum Schluß wurde gezeigt, wie die hebräische Sprache, deren Verbum die erste Person zurücktreten lasse, und nur Formen für die Vergangenheit und Zukunft besitze, zur Darstellung des philosophischen Einheitsgedankens besonders geeignet sei und den Stamm Israels früher als die anderen Völker zur Entwickelung desselben befähigt habe. ch. Allenstcin, 1. Mai. Am 26. v. M. feierte die hiesige Chewra Kadischa ihr fünfundzwanzigjähriges Bestehen. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, vergrößerte sich der Verein mit dem Wachstum der Gemeinde, erhöhte und vermehrte er seine Aufgaben, denen er zu jeder Zeit und in jeder Beziehung auf die selbstloseste Weise gerecht wurde. Den religiösen Festakt in der Synagoge leiteten die Herren Rabbiner Dr. Olitzki und Kantor W. Karo. Am Abend vereinigten sich die Mitglieder mit ihren Damen in sehr großer Anzahl zu einem Festessen, bei welchem manch' schönes Wort gesprochen wurde. Kurz vor Mitternacht wurde vou allen Anwesenden zur Erinnerung an den denkwürdigen Tag ein alle Einzelheiten der Feier schilderndes Festprotokoll unterschrieben. Die Teilnehmer trennten sich mit dem Wunsche, daß der Verein weiter blühen und erstarken möge. n. Aus der Provinz Posen. Am 8. Jjar verschied in Filehne R. Möir Weyl, einer der größten Talmudgelehrten der Jetztzeit. Der Verstorbene, ein Schüler des berühmten R. Akiba Eger, beherrschte mit Meisterschaft die agadische und halachische Litteratur. In ihm vereinigten sich bedeutende