Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 19 (8.5.1896)
- Date
- 1896-05-08
- Page
- Seite 335 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 19. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 333. Da giebt es keinen Entschuldigungsgrund, Da hilft nicht Ausflucht noch Finte; Sie haben allzu feige ins Korn Geworfen die Jndenflinte. Sie lassen sich in Amerika Bewerfen mit faulen Eiern, Anstatt solide bei uns zu Haus Ihr Sprüchlein herunterzuleiern. Mag drüben doch in der Neuen Welt Ein andrer das Volk betrügen. Sie haben bei uns zu verleumden, mein Herr, Sie haben bei uns zu lügen. Was hilft es da, um den heißen Brei Erst lange herumzukrauchen? Herr Rektor — mit einem Wort gesagt — Wir können Sie nicht mehr brauchen. Wir müssen birren so sehr wir auch Den heiklen Vorgang bejammern — Verzichten Sie freundlichst auf Ihr Mandat, An das Sie so fest sich klammern. Vielleicht wirkt folgende Proposition Eindringlicher noch und stärker: Sie leisten Verzicht, und kriegen dafür Rund bare fünftausend Märker! Dann können Sie in der neuen Welt Nach eigenstem Gusto leben. Und ungeniert wo der Pfeffer wächst Ihr Teller-Entree beheben. Wir bitten per Kabeltelegramm Bejahende Antwort recht balde An einen der nachbenannten Herrn In Friedeberg-Arnswalde. II. An meine getreuen Wähler in Friedeberg-Arnswalde. Ihr Freunde! So sehr hat Euer Brief An meiner Seele gerüttelt Wie nichts, seitdem ich den deutschen Staub Von meinen Füßen geschüttelt. Da könnt' ich wieder 'mal deutlich seh'n In trüben New-Porker Tagen, Wie warm im geliebten Heimatland Die Herzen noch für mich schlagen. Euch etwas weigern? Das wäre ja Undankbar und ungeschliffen! Nur scheint mir — offen gesagt — der Preis Ein wenig zu niedrig gegriffen. Fast unbezahlbar schien ich Euch einst. Mein Wert war ganz ungeheuer; Nun ist — Geschäft bleibt eben Geschäft — Mein Rücktritt nicht minder teuer! Es müßte sich ferner die Partei Entschieden dazu bequemen. Die silbernen Kränze etcetera Kaufweise zurückzunehmen. Die seidenen Schleifen ebenfalls, Und schließlich — nicht zu vergessen — Die künstlerisch ausgestattrten Zahllosen „Vertrauens-Adressen". In ein Pauschale bitte ich Euch Dies alles zusammenzufaffen. Und eine plausible Offerte bald An mich gelangen zu lassen. Wenn wir rasch einig werden, so ist Mein Vorteil dabei auch Eurer, Denn schließlich wird mit jedem Skandal Mein Rücktritt natürlich teurer!! Hier und dort. Berlin, 1. Mai. Der Vorstand des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde hat, wie s. Z. berichtet, in einem vom Steuerfiskus gegen ihn angestrengten Prozesse in allen Instanzen obgesiegt. Es handelte sich um den Anspruch des Steuerfiskus, daß das Krankenhaus für eine ihm zugefallene Stiftung, aus welcher armen Kranken Geldunterstützungen gewährt werden, Erbschaftssteuer zahlen sollte. Nicht jeder Zuwendung an eine milde Stiftung steht nämlich Steuerfreiheit zu, sondern nur einer solchen, deren Zweck sich mir der milden Stiftung deckt. Der Steuerfiskus bestritt, daß die Zuwendung von baren Unterstützungen an Arme zur Krankenbehandlung zu den Zwecken des Krankenhauses gehöre. Das Reichsgericht hat nun ein dem jüdischen Krankenhauses günstiges Urteil gefällt. <$> Berlin, 3. Mai. Seinen siebzigsten Geburtstag beging vorgestern in stiller Zurückgezogenheit Herr Moritz Manheimer, der seit vielen Jahren seine Kräfte in den Dienst der hiesigen Gemeinde gestellt hat. Unter den vielen wohlthätigen Stiftungen des Herrn Manheimer verdient das von ihm im Jahre 1885 für im Alter hilfsbedürftige Glaubensgenossen gestiftete Gebäude in der Schönhauser Allee besondere Erwähnung. Im Jahre 1889 stiftete er .;u diesem, als eine Erweiterung notwendig wurde, den ersten und im Jahre 1892 einen zweiten Anbau. Jetzt beherbergt die Anstalt 93 Insassen. Nächst dem hilfsbedürftigen Alter widmete Herr Manheimer seine Fürsorge den Kranken, und schon in nächster Zeit wird das von ihm gestiftete „Hospital der jüdischen Gemeinde" seiner Bestimmung übergeben werden. Seit vielen Jahren gehört der Jubilar dem Repräsentanten-Kollegium der jüdischen Gemeinde, dem Vorstande der Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Künstler, dem Kuratorium der